Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland | Donnerstag, 1. November 2012
EU-Beitritt für Erdoğan nur noch Taktik
Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan hat bei seinem Berlin-Besuch am Mittwoch darauf gepocht, dass sein Land spätestens im Jahr 2023 der EU beitreten soll. Doch diese Forderung ist rein taktischer Natur, tatsächlich strebt die Türkei den Beitritt gar nicht mehr an, urteilt die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Die Mitgliedschaft in der EU war einst das außenpolitische Kardinalziel der [Erdoğan-Partei] AKP. Doch das ist vorbei. Die Vision heißt derzeit: Machterhalt bis 2023. Außenpolitisch will sich die Türkei als regionale Ordnungsmacht etablieren und erfährt angesichts des Krieges in Syrien derzeit vor der eigenen Haustür, welche Schwierigkeiten damit verbunden sind. Von sich aus wird die AKP die Beitrittsverhandlungen mit der EU vermutlich nicht für beendet erklären. Der Kandidatenstatus ist ein wichtiges politisches Kapital, mit dem sich wuchern lässt, um möglichst viel für das eigene Land herauszuholen. Eigentlich wäre Ankara mit einer privilegierten Partnerschaft zur EU inzwischen wohl zufrieden. Sie dürfte nur nicht so heißen."
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