El País - Spanien | Mittwoch, 8. November 2006
Suso de Toro über Pamuks Traum
Gibt es überhaupt eine moderne Türkei, wie sie der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk vertritt, fragt der spanische Schriftsteller Suso de Toro. "Wenn nun Pamuk im Ausland dafür kämpfte, dass wir eine Türkei akzeptieren, die es nicht wirklich gibt, und wenn er gleichzeitig in seinem Land dafür kämpfte, dass es so europäisch wird, wie er es sich wünscht? Der Schriftsteller kämpft gegen das Chaos, er sehnt sich nach einer Harmonie, die es nicht gibt, nie gegeben hat und nie geben wird... Ich glaube nicht, dass diese ideale Türkei je konkret wird. Schriftsteller und Träumer glauben fest, dass es in der Geschichte einen bestimmten Moment gibt, an dem sich alles zum Guten wenden kann... Die heutige Türkei hat einen Schriftsteller hervorgebracht, der von einer anderen Türkei träumt: Er entwirft ein anderes Land, eine andere Welt, eine andere Geschichte, und er kämpft dafür, sie Wirklichkeit werden zu lassen. Das ist die Aufgabe der Literatur: ein absurdes, wenn auch notwendiges Unterfangen. In Politik und Gesellschaft muss Literatur scheitern, aber im individuellen und privaten Bereich obsiegt sie."
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