Le Temps - Schweiz | Donnerstag, 23. November 2006
Der politische Aufstieg von Ségolène Royal
Die französischen Soziologen Zaki Laïdi und Gérard Grunberg fragen, was zum Aufstieg von Ségolène Royal geführt hat. Ihrer Einschätzung nach hat Royal verstanden, "dass man sich, wenn man die Franzosen repräsentieren will, erst einmal mit ihnen identifizieren muss. Anders gesagt, bevor sie sich als potenzielle Staatschefin präsentieren konnte, die kompetent und kaltblütig über ihre Themen spricht, musste sie den Franzosen erst einen Beweis liefern, dass sie sie auch verkörpert - und das weit über alle Differenzen ihrer Anhänger hinaus. Die Fähigkeit, Franzosen zu verkörpern, besitzt Royal auf eine neue Art. Sie verkörpert die Franzosen und nicht Frankreich. Ihren Machtanspruch stellt sie nicht auf autoritäre Art her - 'Folgt mir, weil ich die Beste bin' -, sondern auf zwischenmenschliche - 'Folgt mir, denn ich bin eine von euch'. Ihr Machtanspruch basiert also nicht mehr auf dem autoritären Prinzip, sondern auf Interaktion."
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