Le Soir - Belgien | Donnerstag, 30. November 2006
Rollentausch: Museen werden zu Galerien
Der belgische Maler Jacques Charlier, ein erklärter Autodidakt, beklagt in einem Interview mit Dominique Legrand, Geld spiele auf dem Kunstmarkt eine verhängnisvolle Rolle. "Die Kunstszene, die erst von Sammelwut beherrscht war, ist nun ins Mystische gedriftet. Saatchi in London oder François Pinault vom Palazzo Grassi haben das verstanden. Wie macht man sich in einer elitären Szene bemerkbar, in der Kunst darauf hinaus läuft, dass man die teuersten oder angesehensten Werke besitzt? Diese Menschen glauben, sie könnten die Kunstproduktion mit ihrem Geld kontrollieren. In den Kunsthochschulen wird ein wahres Söldnerheer herangezogen... Im 19. Jahrhundert durfte der Künstler bestimmen, welche Werke er schuf. Dann zeigte man ihn in einer Galerie. Der erste Test war der Sammler, dann erst kam es zum Erfolg im Museum. Jetzt ist die Pyramide umgekehrt: der Kurator wird zum Galeristen. Unzählige Künstler hängen von diesem Sammlertypus ab, der vorschreibt, was zu tun ist."
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