Merkur - Deutschland | Dienstag, 5. Dezember 2006
Wolf Dieter Enkelmann über die Exzentrik der Europäer
Wolf Dieter Enkelmann, Direktor des Münchner Instituts für Wirtschaftsgestaltung, denkt darüber nach, was Europa ausmacht: "Europäer sind exzentrisch. Das lässt sich eindringlich nahezu aus der gesamten Weltgeschichte ablesen. Dennoch merken sie es sich persönlich meist gar nicht an. So sehr ist das selbst jenen unter ihnen, die vor allem auf ihre Seriosität bedacht sind, zur zweiten Natur geworden. In ihren Zielen suchen sie ihre Identität, in ihrer Entfremdung ihre Mitte. Knallharte Bestandswahrer sehen anders aus. Europäer witterten Chancen, wo andere nur Abgründe und das Ende von allem, was Recht war, zu sehen vermochten. Was wäre aus Europa geworden ohne Völkerwanderungen, ohne seine Abenteurer und Glücksritter, seine Flüchtlinge und die Vertriebenen, seine Vaterlandsverräter und Heimatverlorenen, ohne all jene, denen Europa unerträglich geworden war? Fernweh: Man möchte es für eine europäische Erfindung halten. Es hat Europa zu einem transkontinentalen Kontinent gemacht. Exzentrik bestimmt das Christentum, ist aber auch bereits im Ursprungsmythos eingeschrieben, auf den sich die Völker dieses Kontinents durch ihren gemeinsamen Namen berufen."
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