Gazeta Wyborcza - Polen | Donnerstag, 7. Dezember 2006
Die Öffnung der Geheimdienstakten in Rumänien
Mehr als 16 Jahre nach dem Fall des kommunistischen Regimes erhält die rumänische Öffentlichkeit Einblick in die Arbeit der berüchtigten Geheimpolizei Securitate. Die rund 1,3 Millionen Securitate-Akten werden schrittweise geöffnet. Vladimir Tismaneanu, Vorsitzender der im April 2006 von Präsident Traian Basescu ernannten Kommission zur Untersuchung der kommunistischen Diktatur in Rumänien und Politikprofessor an der US-Universität von Maryland, plädiert für eine konsequente Enttarnung der Mitarbeiter der Geheimpolizei: "Wir führen Krieg gegen die Amnesie - und das ist richtig so. Wenn jemand heute von einer Hexenjagd spricht, dann ist das ein völliges Missverständnis. 'Hexen' waren unschuldige Frauen, die man angeprangert, gequält und oft mit wahnsinnigen Ritualen ermordet hat. Geheimdienst-Informanten dagegen arbeiteten aktiv für das Böse... Es ist Zeit, die Akten von allen heutigen Machthabern und Politikern zu öffnen. Wir brauchen völlige Klarheit und die ganze Wahrheit. Das Lügennetz, mit dem wir heute zu tun haben, wird immer enger... In solch einer Atmosphäre von Unklarheit gedeihen der Populismus und andere demagogisch-autoritäre Versuchungen wunderbar."
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