taz - Deutschland | Mittwoch, 13. Dezember 2006
Ivaylo Ditchev über Lifestyle-Nationalismus in Bulgarien
Ivaylo Ditchev, Professor für Kulturanthropologie in Sofia, beschreibt den zunehmenden Nationalismus in Bulgarien, der eine weitere Schattierung der anti-europäischen Färbung Osteuropas darstellt. "Wir haben hier gegenwärtig den Nationalismus von rechts, der sich gegen Russland als vermeintlich noch immer irgendwie kommunistisches Land richtet, und wir haben den Nationalismus von links, der den Feind in den USA sieht. Zusätzlich findet sich eine fremdenfeindliche Variante, basierend auf dem Rassismus gegen die Roma, und die Kulturschaffenden spinnen weiter an ihren Geschichten über glorreiche Sagen der Thraker oder der protobulgarischen Khans. All diese Stränge laufen in einem allgemeinen Lifestyle-Nationalismus zusammen... Der Lifestyle-Nationalismus nun ist nicht moralischer, sondern ästhetischer Natur. Er basiert vor allem auf der eklektischen Aneignung von Repräsentationen und Emblemen. Mit Erich Fromm gesprochen: Man lebt ihn nicht, man hat ihn. Seine Popularität speist sich infolgedessen vorrangig aus dem geschickten Einschmuggeln des Nationalen in eine globale Konsumkultur."
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