Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Montag, 19. Dezember 2005
Vergangenheitsbewältigung in Spanien
Den Übergang Spaniens in eine Demokratie hat nach dem Tod Francos auch ein stillschweigender "Pakt des Vergessens" ermöglicht, der bis heute eingehalten werde, wie sich Markus Jakob wundert: "Sind es vielleicht eben die Simplifizierungen der franquistischen Ideologie, von denen sich weite Bevölkerungskreise noch heute betören lassen? Jene heilige Einfalt und jenes Anpassertum, die das Regime seinen Untertanen als Lebensentwurf verschrieb und für dessen Verwirklichung es zunehmend auch vorsorgte? Ein Arbeitsplatz, eine Wohnung, eine Familie, das Ganze lebenslänglich... Und selbstverständlich ein Spanien - das Falange-Motto 'España, una, grande y libre' geistert noch heute durch viele Köpfe. Kein Wunder, dass dieses Land die erbärmlichsten Massen dumpfer Konformisten hervorgebracht hat und zugleich die denkbar seltsamsten Exzentriker. Und beide mitunter in einer Person vereinigt."
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