Die Zeit - Deutschland | Donnerstag, 8. Februar 2007
Robert Menasse über Europas Hang zur Selbstkritik
Erst in Lateinamerika, so der österreichische Schriftsteller und Essayist Robert Menasse, habe er gemerkt, dass er Europäer sei: "Meine erste Erfahrung mit 'Europa' war also, dass ich zum Europäer wurde, als ich auf einem anderen Kontinent lebte. Und alles war gut: die Identität und die Distanz zu ihr." Besonders bemerkenswert an Europa sei seine Fähigkeit zur Selbstkritik: "Reflektiert Europa seine Interessen, wird sofort der Vorwurf des 'Eurozentrismus' laut. Ununterbrochen werden wir dazu angehalten, nicht 'eurozentristisch' zu sein. Kein Amerikaner oder Asiate et cetera käme auf die Idee, sich sofort selbst zu geißeln, wenn er die Welt von seinem Standpunkt und seinen Interessen aus betrachtet. Ich habe in Amerika noch nie den Begriff 'Amerikazentrismus' gehört. Ich finde diese geschichtsgesättigte Fähigkeit zur Selbstkritik Europas gut, lehne sie aber angesichts des Zustands der Welt ab."
» zur Homepage (externer Link, Die Zeit)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » EU-Politik, » Philosophie, » Europa
Alle verfügbaren Texte von » Robert Menasse
» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 8. Februar 2007