Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Dienstag, 20. Februar 2007
Verschwundene Geheimdienstakten in Ungarn
In Ungarn darf bis heute geheime Akten aus der Zeit des Kommunismus nur der Geheimdienst selber einsehen. Das sei besonders problematisch, berichtet Ulrich Schmid, weil die Sicherheitsdienste aus jener Zeit nie aufgelöst und massenhaft Akten beiseite geschafft worden seien. "Dass Ungarn Staaten wie der Slowakei, Tschechien und Polen in Sachen Vergangenheitsaufarbeitung um Jahre hinterherhinkt, hat entscheidend mit dem vergleichsweise milden Kadar-Regime und der ebenso milden Wende von 1989/1990 zu tun... Ungarn sei vom 'weichen' Kadar-Kommunismus in eine 'harte' Demokratie gewechselt, sagt der ehemalige Dissident und Mitbegründer der ungarischen Charta-77, der Philologe Janos Kenedi, im Gespräch. Als Geldwäscherei-Zentrale der Sowjetunion habe das Land einen Sonderstatus genossen, zu dem auch die vorsätzliche Missachtung der Gesetze gehört habe - eine Haltung, die bis heute bestimmend sei... Erpresst und kompromittiert von einer alten Elite, sei Ungarn erstarrt und verzichte auf eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit."
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