Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Donnerstag, 12. April 2007
Streit um griechisches Geschichtsbuch
Ein vom griechischen Erziehungsministerium herausgegebenes neues Geschichtsbuch sorgt für Aufregung, berichtet Amalia van Gent. Vor allem die orthodoxe Kirche wirft den Initiatoren des von der Historikerin Maria Repousi herausgegebenen Schulbuchs für die sechste Klasse vor, das griechisch-türkische Verhältnis aus Gründen der politischen Korrektheit schönzufärben und die Rolle der orthodoxen Kirche zu unterschlagen: "Maria Repousi und ihre Gruppe haben beispielsweise beschlossen, im neuen Buch die Legende der 'geheimen Schule' zu ignorieren. Laut dieser aus dem 19. Jahrhundert stammenden Legende haben die griechische Sprache und Kultur nur dank der orthodoxen Geistlichen überlebt, die sich einem Verbot des Osmanischen Reichs widersetzt und in Kirchen und Klöstern heimlich die Kinder unterrichtet hätten. Das Bild des berühmten Malers Nicolaos Gyzis, in dem ein weißbärtiger Pope bei Kerzenlicht einem Mädchen und einem Knaben aus einem Buch vorliest, hat Generationen von Griechen beeinflusst. Es hat mit der historischen Wirklichkeit aber wenig zu tun. Griechische Schulen waren nämlich im Osmanischen Reich nicht verboten."
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