Nachtkritik - Deutschland | Montag, 21. Mai 2007
Peter Stein inszeniert "Wallenstein"
7500 Verse hat Friedrich Schillers Geschichtsdrama "Wallenstein", das Regisseur Peter Stein in einer alten Fabrikhalle im Berliner Stadtteil Neukölln über zehn Stunden lang in Gesamtlänge inszeniert hat. In der Titelrolle: ein großartiger Klaus-Maria Brandauer, findet Esther Slevogt, die die Aufführung ansonsten nicht überzeugte: "Peter Stein will einen neuen Realismus erfinden und trumpft mit einem fein ziselierten Naturalismus auf, der sogar Kunstschnee in Wallensteins Lager drapiert, durch den Kinder tollen und Militärkapellen marschieren. Gleichzeitig verschachtelt er, fast strukturalistisch, verschiedene Darstellungsebenen: Den Prager Fenstersturz auf dem Becher, Schillers Blick auf den Dreißigjährigen Krieg sowie die eigene, Steins, Sicht auf Schiller und dessen Aktualität für unsere Welt, die wieder in einem Epochenwechsel begriffen ist. In dieser Lesart, die die persönliche Dynamik allen politischen Handelns zeigt, die private Dramatik jeder geschichtlichen Aktion, zerfallen holzschnitthafte, medial inszenierte Feindbilder von heute. Trotzdem scheitert dieser Versuch, Schiller zu aktualisieren, in dem man ihn erst mal ganz wörtlich nimmt, an der Altväterlichkeit des ästhetischen Zugriffs."
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