Berliner Zeitung - Deutschland | Dienstag, 12. Juni 2007
Sebastian Preuss über Kunst als Massenphänomen
Angesichts des "heißen Kunstsommers" mit der Biennale, der Art Basel, der Documenta in Kassel und der Skulpturenschau in Münster, überlegt Sebastian Preuss, warum die zeitgenössische Kunst zu einem Massenphänomen geworden ist. "Mehr als die E-Musik, das Theater oder die Literatur mobilisiert sie ein breites Publikum zwischen Bildungsbürgern und Salon-Punks, Private-Equity-Milliardären und Postbeamten... Aber was macht die zeitgenössische Kunst, die doch unbequem statt gefällig, radikal statt bürgerlich sein will, so attraktiv für Jung und Alt, für den Groß- wie für den Kleinbürger? ... Egal, was es ist: Das Publikum greift die Formen und Botschaften der Kunst voller Begeisterung auf. Es lässt sich selbst dann nicht verschrecken, wenn die Kunst hässlich oder unverständlich ist oder den Betrachter in seiner Schaulust verhöhnt. Wer sich heute für Pop, Mode, Stil interessiert, für den ist auch die zeitgenössische Kunst fester Bestandteil des Alltags... Die Kunst verkörpert eine unerfüllte Sehnsucht nach Ausbruch und Unbotmäßigkeit, nach individueller Erfüllung, aber auch nach Zugehörigkeit zu einer Sphäre, die den meisten in ihrem Alltag verschlossen ist."
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