Le Point - Frankreich | Mittwoch, 11. Januar 2006
Die christliche Wurzeln Europas
"Europa steht auf einem christlichen Sockel", erklärt der Historiker und ehemalige israelische Botschafter in Frankreich, Élie Barnavi, im Interview mit Elizabeth Lévy. "Das Substrat, der wirkliche Unterbau der Nationen, sind die gemeinsame Kultur, die gemeinsame Sprache, die gemeinsamen Bewährungsproben. Man entkommt der Geschichte nicht, indem man sie leugnet. Denn das Resultat ist, dass Europa ganz sicher eine ökonomische Wirklichkeit ist, vielleicht auch ein politisches Projekt und für manche eine ideologische Wahl, aber es ist keine kulturelle Einheit, nichts Lebendiges. Man hat keine Lust, mit so einem Europa ins Bett zu steigen... Wenn man sagt, dass Europa christliche Wurzeln hat, dann heißt das nicht, dass es für immer christlich bleiben muss. Aber der Sockel muss fest verankert sein, damit er die Belastungen durch Hinzufügungen verkraften kann. Die Erweiterung wurde unter dem moralischen und politischen Druck der Neuankömmlinge vollzogen, noch bevor die Vertiefung der EU abgeschlossen war."
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