Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Donnerstag, 29. November 2007
Mircea Cartarescu über die Geschichte der Roma in Rumänien
Der rumänische Schriftsteller Mircea Cartarescu erinnert daran, dass es die Rumänen waren, die die Roma in ein Leben in Elend und Delinquenz gezwungen haben - durch Versklavung: "Über einige Jahrhunderte hinweg konnten sie gekauft und verkauft werden, Familien wurden auseinandergerissen, die Kinder von den Müttern, die Frauen von ihren Männern getrennt, die jungen Frauen in aller Regel von den Besitzern vergewaltigt, das 'Krähengesocks' war Ziel allgemeiner Verachtung und Diskriminierung. Irgendeiner der Wojwoden ließ sie die Bäume hochklettern und holte sie dann mit Pfeilen von da runter: Er nannte das Krähenjagen. Ortsgebunden und wie die Tiere gehalten, vermehrten sich die Zigeuner in den rumänischen Fürstentümern stärker als irgendwo sonst in Europa. Wir sind es somit selbst, die sich das Zigeunerproblem geschaffen haben. Es ist unsere historische Schuld... Wir empören uns, wenn das Ausland uns als ein Volk von Kriminellen wahrnimmt. Wir selbst aber betrachten die Zigeuner genau in derselben Weise."
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