Népszabadság - Ungarn | Donnerstag, 2. Februar 2006
Vergangenheitsbewältigung
Ungarn scheint es schwer zu fallen, sich kritisch mit seiner Vergangenheit auseinander zu setzen, stellt der Historiker Róbert Braun fest und entdeckt Parallelen zwischen dem Umgang mit dem Fall István Szabó und dem Holocaust: "Ohne die totalitären Systeme gleichsetzen zu wollen, kann man zumindest behaupten, dass beide Formen der Diktatur einen entscheidenden Schlag für die moralischen Werte waren. Gerade deshalb wäre es von großer Bedeutung, sich der Herausforderung der Erinnerung zu stellen – an den Holocaust und an den Sozialismus gleichermaßen. Interessanter als István Szabós Leben selbst ist für mich die Anspruchslosigkeit, die aus vielen Reaktionen spricht. Schlecht ist auch die Stille, denn Stille ist die Flucht vor dem Urteilsspruch. Bei der Erinnerung an unsere Vergangenheit sollten wir uns eines moralischen Unterschiedes bewusst werden: Es gab in totalitären Regimen Täter, Opfer, Widerstandskämpfer und Voyeure. Wer Täter und wer Opfer war, wer Widerstand geleistet und wer nur zugesehen hat - darüber sollten wir reden."
» zum ganzen Artikel (externer Link, ungarisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Geschichte, » Ungarn
Alle verfügbaren Texte von » Robert Braun
» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 2. Februar 2006