Heti Válasz - Ungarn | Freitag, 3. Februar 2006
Filmemacher Peter Rudolf über die Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit
Nach der Veröffentlichung von Istvan Szabos Stasi-Vergangenheit hat die Wochenzeitung "Elet es Irodalom" heute zwei weitere Prominente als ehemalige Stasi-Spitzel entlarvt: Kardinal Laszlo Paskai und den Filmemacher Zsolt Kezdi-Kovacs. Der Filmemacher Peter Rudolf kommentiert im Interview mit Andras Stumpf : "In Ungarn werden Stasi-Skandale nur tröpfchenweise veröffentlicht. Das ist schrecklich. Moralische Urteile können wir erst fällen, wenn klar ist, wer ein Spitzel war, wem er Schaden zufügte und warum. Verzeihen dürfen wir erst, wenn ein Fall vollständig aufgeklärt wurde. Außerdem wurden bislang nur die Erpressten an den Pranger gestellt; über die Erpresser selbst dürfen wir weiterhin nichts wissen. Diese Stasi-Affären sind meistens komplexe, trübe Geschichten. Das wird auch so bleiben, weil wir vor sechzehn Jahren keine Revolution gemacht haben. Es ist sehr erfreulich, dass der Systemwechsel friedlich vollzogen wurde, aber das hat auch seinen Preis."
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