Der Standard - Österreich | Mittwoch, 23. Januar 2008
Christoph Prantner über die Wiederkehr der Pfaffenpolitik
Der österreichische Journalist Christoph Prantner fürchtet die "Retheologisierung der Politik" in Europa: "Es scheint, als wären dies Tage der politischen Reconquista: In Spanien, Frankreich und Italien gibt der politische Katholizismus wieder deutliche Lebenszeichen... Warum aber kommt es ausgerechnet jetzt zu einer derart offensiven Wiederkunft der einst von ihren Gegnern so genannten Pfaffenpolitik? Ein Hintergrund ist die Auseinandersetzung mit dem Islam in den vergangenen Jahren. Wer gegen islamistisch inspirierte Terroristen argumentieren will, greift – wie Präsident Nicolas Sarkozy in seinen jüngsten Reden – leichtfertig auf christlich grundierte Wertvorstellungen zurück... Gerade das verweist aber auch auf die Gefährlichkeit dieses Diskurses: Wenn die Politik – wie bei Islamisten – zur Glaubensfrage wird, engen sich ihre Handlungsspielräume dramatisch ein. Glaube ist schlechterdings nicht verhandelbar. Menschen mit terroristischem Politikverständnis mag das nicht schrecken. Der immerhin auch der rationalistischen Tradition Europas verpflichteten katholischen Kirche sollte das aber zu denken geben."
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