El País - Spanien | Mittwoch, 20. Februar 2008
Slavenka Drakulic über die Unabhängkeit des Kosovo
Die Unabhängigkeit des Kosovo habe bei ihr eine Mischung aus Hoffnung und Angst ausgelöst, erklärt die kroatische Schriftstellerin Slavenka Drakulic in einem Text, den heute mehrere europäische Zeitungen drucken. "Es war ein Exodus biblischen Ausmaßes. Die Albaner, diese 2,2 Millionen große Minderheit in Serbien, fielen der Brutalität ihrer serbischen Nachbarn zum Opfer, der Brutalität von Milosevic, seiner Polizei und seiner Armee, die zur ethnischen Säuberung eingesetzt wurde. Das gibt ihnen ein moralisches Anrecht auf einen eigenen Staat, auf Freiheit und Unabhängigkeit... Aber so legitim und gerechtfertigt dieser Anspruch sein mag, so schwer lässt er sich in positives Recht übertragen - hier beginnen die Probleme... Die Politiker werden nicht müde zu wiederholen, dass der Kosovo ein 'Sonderfall' sei - aber keiner kann erklären, wieso das eigentlich so sein sollte, oder wie irgendjemand diesen Status garantieren könnte... Es ist dies eine neue Saat der Angst und die traurige Folge einer Unabhängigkeitserklärung, die ansonsten nur verdient und gerecht ist."
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