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Die Zeit - Deutschland | Mittwoch, 3. September 2008

Schweres sozialistisches Erbe

Der Kaukasuskrise lässt sich auch auf den übertriebenen georgischen Nationalismus zurückführen, schreibt der russische Philosoph Michail Ryklin in der Wochenzeitung Die Zeit. In anderen postsowjetischen Staaten seien nationalistische Strömungen ebenfalls ein Problem. "Ganz entgegen den Träumen der Nationalisten wurde Georgien nach dem Zerfall der Sowjetunion bitterarm. ... Aus dem bloßen Besitz oder Nichtbesitz von Gegenständen sollte man [allerdings] keine weitreichenden moralischen Schlussfolgerungen ziehen. ... Und überhaupt: Wer sind diese 'Russen' und 'Georgier' eigentlich? Vor allem sind sie alle postsowjetische Menschen, denen es nur so scheint, als seien sie nach dem großen Terror in ihre nationalen Nischen zurückgekehrt - ganz so, als hätte der Terror bei ihnen keine tiefen Wunden hinterlassen, die noch jahrzehntelang nicht ausheilen werden, als würden sie am Körper ihrer Nation keine Phantomschmerzen aus der Sowjetzeit spüren. ... Der Unwille, sich mit der eigenen Geschichte auseinander zusetzen, beschert dem postsowjetischen Raum Kriege und ethnische Konflikte. Unabhängig von der jeweiligen Rhetorik blüht der Nationalismus, wobei auch die demokratische Rhetorik keine Ausnahme bildet. ... Eine Rückkehr nach Europa ist nur durch die Auseinandersetzung mit der jüngsten totalitären Geschichte möglich, mit jenen Mechanismen, die Russen, Ukrainer, Weißrussen, Kirgisen und Georgier gleichermaßen unterjocht haben. Erst wenn diese Arbeit getan ist, werden unsere Vorstellungen von Europa komplexer, differenzierter und - was das Wichtigste ist - realistischer."

» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 3. September 2008

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