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Internationale Politik - Deutschland | Montag, 8. Dezember 2008

Karen Horn über das Versagen der Wirtschaftswissenschaften

Karen Horn, Leiterin des Berliner Büros des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, fordert in der Monatszeitschrift Internationale Politik mit Blick auf die Finanzkrise eine radikale Umkehr in den Wirtschaftswissenschaften. "Die Sozialwissenschaften haben es, wie der Vertreter der Österreichischen Schule, Friedrich August von Hayek, erklärt hat, mit komplexen Phänomenen zu tun. Es geht dort nicht um objektiv beobachtbare Gegebenheiten, sondern um subjektive Wahrnehmungen, die sich erst ihrerseits auf die reale Welt beziehen: Meinungen, Erwartungen, Überzeugungen. Das beste was man bei einer derart 'fuzzy' daherkommenden Materie erreichen kann, sind Erklärungen von Wirkungsprinzipien und Mustervorhersagen. Wirkungsprinzipien beschreiben, wie etwas abläuft; Mustervorhersagen geben qualitative Richtungsangaben. Mehr nicht. Präzise Vorhersagen sind unmöglich. Bescheidenheit tut not. Doch diese Wahrheit haben viele Ökonomen verdrängt. So kam es, dass die fundamentale Kontingenz, die im sozialen miteinander immer bestehen muss, solange Menschen frei über ihr tun entscheiden, schlicht ignoriert wurde. ... Es ist Zeit für eine radikale Umkehr in den Wirtschaftswissenschaften, auch und gerade bei der Neubesetzung von Lehrstühlen. Wir brauchen viel mehr Ordnungstheorie, viel mehr Sozialphilosophie. Wir müssen wieder mehr denken und weniger rechnen."

» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 10. Dezember 2008

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