Süddeutsche Zeitung - Deutschland | Donnerstag, 11. Dezember 2008
Pflichtfach Religion?
In Berlin wird darüber debattiert, ob Religion zum Wahlpflichtfach an öffentlichen Schulen werden soll. Die Tageszeitung Süddeutsche Zeitung ist der Meinung, dass ein geordneter Religionsunterricht besser sei als Pseudo-Säkularismus. "Die christlichen Kirchen reagieren auf solche Überlegungen, indem sie sich ausdrücklich auch für einen öffentlichen islamischen Religionsunterricht stark machen. Religionsfreiheit müsse etwas Positives sein, sie erfülle sich nicht in der Abwesenheit von Behinderungen, sondern bedürfe realer Möglichkeiten, gerade in der Erziehung. Dazu kommt, dass eine rein weltliche Ethik weniger neutral ist, als sie zunächst erscheint. Solange der muslimische Teil der Gesellschaft im Durchschnitt frömmer lebt und denkt als der nominell noch christliche, kann auch staatlicher Säkularismus wie ein Oktroi wirken. Im Großen erleben wir das bei jenen Streitigkeiten über Karikaturen oder Rushdie-Lesungen in Moscheen, wo glaubenslose postchristliche Zeitgenossen die Meinungsfreiheit und Toleranz von Muslimen provokativ testen und den Voltaire auf fremdem Terrain geben. Für solche Asymmetrien haben die Betroffenen eine feine Empfindung, wie auch beim doppelten Standard in der Bewertung von Kreuz und Kopftuch."
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