Süddeutsche Zeitung - Deutschland | Donnerstag, 2. Juli 2009
Love Parade war West-Berlins Beitrag zur Weltkultur
Zum Erfolg der Technoparade Love Parade, die von 1989 bis 2006 in Berlin stattfand, schreibt die linksliberale Süddeutsche Zeitung: "Der Siegeszug der Parade begann nicht zufällig auf dem Kurfürstendamm, also dort, wo der alte Westen am westlichsten war. Und weit davon entfernt, irgend etwas vorwegzunehmen, richtete sich die Technokultur grundsätzlich gegen Vorwegnahmen. Aber auch dieser Ausdruck ist schief, unterstellt er doch eine Richtung, während es um die Zeitlosigkeit des Rausches, das Glücksgefühl der Wiederholung, des In-Sich-Seins, der Konzentration auf den Augenblick und den Körper ging. ... [Beim Rave] wurde alles Gegenwart, Augenblick ohne Vergangenheit und Zukunft und endlos, ohne Ausdehnung, ewige Schleife. Das passt zur Atmosphäre der Teilstadt West-Berlin, zur Stille im Auge des Orkans. Die Kultur der Love Parade verbindet technologische Avanciertheit mit Desinteresse an Fortschritt, die Freude an der Masse mit Gleichgültigkeit gegenüber deren möglicher Macht. Es geht um die kunstfertige Herstellung einer urbanen Idylle, eine Kulturtechnik, zu deren Erprobung das alte West-Berlin die besten Voraussetzungen bot."
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