taz - Deutschland | Donnerstag, 6. Juli 2006
Ilija Trojanow über die bulgarische Mafia
"Die Mafia in Bulgarien ist nicht Teil des Staates, sondern der Staat Teil der Mafia", schreibt der Schriftsteller Ilija Trojanow über das Land, das im kommenden Jahr EU-Mitglied werden will. "Die bulgarische Mafia ist ein Resultat der totalitären Vergangenheit. In Sizilien formte sich die Mafia, als das Habsburger Imperium sich zurückzog und die Mehrheit seiner Angestellten in Armee und Polizei arbeitslos wurde. Die Mafia wurde in der Folgezeit zu einem Annex des Staates. In Ländern wie Bulgarien oder Russland hingegen gründet die Macht der Mafia auf die Allmacht der Kommunistischen Partei und der Staatssicherheitsdienste. Die Nomenklatura erschuf eine parallele Schattenwirtschaft, um mit Waffen, Drogen und allem möglichen anderen zu handeln, vor allem, um Devisen zu verdienen. Und als die Wende kam, erwiesen sich diese Strukturen als sehr nützlich, durch vielfältige Metamorphosen und Mutationen das geraubte Volksvermögen in privates Kapital umzuwandeln... Die hierarchische Struktur des Imperiums mit dem Zentrum in Moskau spiegelt sich in den heutigen Mafianetzen wider, denn die Nabelschnur ist noch nicht durchtrennt."
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