Heti Világgazdaság - Ungarn | Donnerstag, 5. November 2009
Dominique Moïsi über Vergangenheit, die nicht vergeht
Viele Nationen werden immer wieder von ihrer Vergangenheit eingeholt. Der französische Politologe Dominique Moïsi reflektiert in der linksliberalen Wochenzeitung Heti Világgazdaság über das Verhältnis der Nationen zu ihrer Geschichte: "Das Verhältnis eines Landes zu seiner Vergangenheit ist entscheidend für seine Gegenwart und Zukunft, für seine Fähigkeit, 'vorwärts' zu kommen oder aus vergangenen Fehlern zu lernen und sie nicht zu wiederholen. ... Es besteht ein großer Unterschied zwischen der Suche nach historischer Wahrheit, die ein absolutes Muss für die Gesellschaft als Ganzes ist, und dem Bestreben, alte Rechnungen zu begleichen und die für schuldig Befundenen zu bestrafen. Um nicht ihre Wiederholung zu riskieren, aber auch um sie zu bewältigen, muss man über die Vergangenheit Bescheid wissen. Zwischen einer Vergangenheit, die die Fähigkeit eines Landes lähmt, als Ganzes 'vorwärts' zu kommen und dem absoluten Widerwillen, sich der Vergangenheit zu stellen, was auch zu Kritik an der Gegenwart führen kann, besteht großer Spielraum. Gesunde Länder nutzen ihn, um die Schmerzen der Vergangenheit zu begraben, aber nicht die Vergangenheit selbst."
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