Kapital - Bulgarien | Donnerstag, 19. November 2009
Kirchen statt moderner Kunst
Der Nationalismus in Bulgarien nimmt komische Formen an, meint der Journalist Antoni Georgiev in einem Interview mit der Wochenzeitung Kapital: "[Der Minister ohne Portefeuille] Bogidar Dimitrov, [der Präsident] Georgi Parvanov und ihre Mitläufer verpassen kaum eine Gelegenheit dabei zu sein, wenn es darum geht ein Denkmal für einen Helden aus dem 19. Jahrhundert zu enthüllen, die Hand eines synodalen Greises zu küssen oder die Gebeine eines mittelalterlichen Heiligen umzubetten. Ich habe das Gefühl, dass wir die Helden des 19. Jahrhunderts oder die mittelalterlichen Heiligen ehren, weil es nichts in der neueren Geschichte gibt, besonders im Zusammenhang mit Europa, das unser nationales Selbstbewusstsein aufwerten kann. Es ist schon komisch, aber Bulgarien ist das einzige Land, in dem mit so viel Eifer Kirchen, Kapellen und Denkmäler zu 150 Jahre alten Ereignissen errichtet werden, wohingegen es in Sofia kein einziges Museum für moderne Kunst gibt."
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