La Repubblica - Italien | Donnerstag, 23. September 2010
Jacques Le Goff über die Fähigkeit Europas zur Integration
Mit Blick auf die Roma-Abschiebungen aus Frankreich ruft der französische Historiker Jacques Le Goff in der linksliberalen Tageszeitung La Repubblica zum Dialog auf und bezieht sich dabei auf die Wurzeln Europas: "Als Historiker glaube ich, dass die tausendjährige Geschichte Europas von der Vielfalt der Völker, der Vermischung der Kulturen und ihrer fortschreitenden Integration geprägt war. Europa ist aus der Verschmelzung der so genannten römischen, gallisch-römischen oder spanisch-römischen Völker ... mit den so genannten Barbaren entstanden, ein Wort, das heute aus dem Wortschatz der Historiker verbannt ist. Heute verachten wir zum Glück niemanden mehr, der nicht einer so genannten höheren Kultur angehört: Historiker und all diejenigen, die gesellschaftlichen Einfluss haben, sollten zeigen, dass das besondere Merkmal Europas seine Fähigkeit zur Integration unter Berücksichtigung der Andersartigkeit ist. Sicher, die Probleme der Integration von Ausländern, die sich heute in ganz Europa zeigen, hängen auch von der gestiegenen Zahl der Migranten der letzten Jahre ab. Aber wir sollten nicht vergessen, dass in der Spätantike und im Mittelalter die jeweiligen Zahlen der so genannten Barbaren - Kelten, Germanen und Slawen - die durch Europa zogen, weit höher waren."
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