Courrier International - Frankreich | Freitag, 17. Juni 2011
Philippe Thureau-Dangin über die egoistische Union
Die nationalen Interessen Deutschlands blockieren die Griechenland-Hilfe, Frankreich behindert eine Umverteilung der EU-Subventionen, und die Flamen wollen sich von den Wallonen trennen. In Europa denkt jeder nur an sich, analysiert der Herausgeber von Le Courrier International, Philippe Thureau-Dangin, in der liberalen Wochenzeitung: "Man kann sich ernsthaft fragen, ob die EU in den letzten Jahren nicht zu einem Egoistenclub geworden ist. Den Neuankömmlingen verspricht man das Blaue vom Himmel und präsentiert ihnen dann die Rechnung. Die alten Länder sitzen an den Hebeln der Macht. Frankreich will vor allem seine Agrarsubventionen bewahren und das Gemeinschaftsbudget nicht auf zukunftsträchtigere Bereiche ausrichten. Deutschland profitiert gerne von der EU als großem Binnenmarkt, will sich aber auf gar keinen Fall wirklich solidarisch mit den Mittelmeerländern zeigen, die ihre Staatsfinanzen nicht in den Griff bekommen. ... Und die Belgier? Nun, es ist wohl nicht falsch zu glauben, dass die Haltung der Flamen, die nichts mehr mit den Wallonen teilen wollen, nicht einmal mehr die Sozialversicherung, eigentlich auch Teil dieses weit verbreiteten europäischen Egoismus ist."
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