Corriere della Sera - Italien | Freitag, 21. Oktober 2011
Lynch-Justiz schadet neuem Staat
Die Umstände des Todes von Muammar al-Gaddafi sind noch unklar, doch vermutlich wurde er nicht im Kampf getötet. Lynch-Justiz ist aber die falsche Grundlage für einen jungen Staat, urteilt die liberal-konservative Tageszeitung Corriere della Sera: "Die verunstaltete Leiche Gaddafis ist der schlimmste Auftakt für das neue, befreite Libyen. Keine Kriegshandlung, keine Kommando-Aktion wie die Tötung von Osama Bin Laden, sondern eine Schändung bestimmen den Neubeginn. Ein Akt der Vergeltung, der vom Wutschrei der aufgebrachten Menge begleitet wird. Sie wohnte jedoch nicht der tragischen Hinrichtung eines Tyrannen bei, sondern der Besudelung eines Symbols, das verhöhnt und vernichtet werden soll. ... Doch keine Tortur, die die Folterknechte Gaddafis dem libyschen Volk auferlegt haben, kann die Brutalität rechtfertigen, mit der gestern eine grausame und unmenschliche Tyrannei zu Ende ging."
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