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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 22.08.2008

 

TOP-THEMA

Deutschland igelt sich ein

Deutschland igelt sich ein

 

Die deutsche Regierung schränkt den Einfluss ausländischer Investoren auf deutsche Unternehmen ein. Mit der Verschärfung des Außenwirtschaftsgesetzes, die am Mittwoch verabschiedet wurde, müssen Nicht-EU-Geldgeber künftig mit Kontrollen durch die Bundesregierung rechnen, wenn sie in deutsche Firmen investieren wollen. Europas Presse kritisiert die neue Regelung scharf. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Financial Times - Großbritannien, Le Monde - Frankreich, Handelsblatt - Deutschland

Financial Times - Großbritannien

Die Tageszeitung Financial Times argumentiert, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland ausländische Investitionen verlangen. Das restriktive Außenwirtschaftsgesetz könne deshalb verheerende Folgen haben: "Die Auswirkungen der Finanzkrise machen Hoffnung auf Fusionen im fragmentierten Banksektor, während niedrige Marktwerte Übernahmeangebote in anderen Bereichen nach sich ziehen. Aber es wird nach deutschen Lösungen gesucht und nicht nach einer Zerschlagung der Deutschland AG. ... Obwohl die deutsche Regierung mit ihrer Angst vor ausländischen Investoren nicht alleine steht, tut sie ihrer Wirtschaft keinen Gefallen, indem sie diese ausschließt. Deutschland hat ungemein von der Globalisierung profitiert und viele Unternehmen leben vom Export. Ihnen ausländische Expertise zu verwehren, könnte ein Weg ins Verderben sein." (22.08.2008)

Le Monde - Frankreich

Die Tageszeitung Le Monde analysiert die Zunahme protektionistischer Regelungen in Deutschland: "Der Anstieg des Protektionismus bestätigt sich in Deutschland, zum großen Missfallen des wirtschaftlichen Milieus. ... Zu Beginn war es die Sorge hinsichtlich der steigenden Macht von staatlichen Fonds, die Berlin dazu brachten, seine Gesetzgebung zu verschärfen. Die Regierung wollte die Ambitionen von jenen staatlichen Investoren zügeln, die über enorme Devisenreserven verfügen, insbesondere russische und chinesische Fonds, die unter dem Verdacht stehen, ihre Beteiligung zu benutzen, um politischen Einfluss auszuüben oder technisches Know-how zu übernehmen. ... Auf Seiten der großen Konzerne hat sich der Ton geändert. Vor einem Jahr haben weder die Deutsche Bank noch die Energieunternehmen Eon und RWE ihre Bedenken vor dem Appetit der staatlichen Fonds verheimlicht. Der protektionistische Reflex der deutschen Politik fand damals eine gewisse Unterstützung bei den Arbeitgebern. ... Eine solche Harmonie gehört jetzt der Vergangenheit an. Das wirtschaftliche Milieu greift die neue Regelung heftig an und prangert sie als ein Hindernis für den freien Kapitalverkehr an." (21.08.2008)

Handelsblatt - Deutschland

Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, bezeichnet das neue Außenwirtschaftsgesetz in der Tageszeitung Handelsblatt als "ordnungspolitischen Sündenfall. ... Verantwortliche Politik muss das Potenzial der Gefährdung sehen. Die neuen Regelungen des Außenwirtschaftsrechts können durch ihre fast unvermeidlich unscharfen Rechtsbegriffe einem gezielten Missbrauch ebenso den Weg ebnen wie einer generell expansiven Auslegung. Innere Sicherheit und öffentliche Ordnung sind wohlfeile Begriffe, denen jeder zustimmen kann; sie sind für Interpretationen weit offen und vermögen beliebige Branchen sowie Unternehmen in den Fokus der Sorge zu schieben. Es sind Angstbegriffe, die der Politik Führung geben. Das ist - abgesehen von den vielen Argumenten gegen staatliche Genehmigungsrechte für Kapitalbeteiligungen ausländischer Investoren - der besonders bedenkliche Aspekt der Gesetzesänderung." (22.08.2008)

POLITIK

Information - Dänemark

EU muss sich in Asien engagieren

Die Krise im Kaukasus habe gezeigt, dass sich die EU mehr in Asien engagieren muss, jedoch ohne gleichzeitig mit der Mitgliedschaft in der EU und der NATO zu locken, meint die Tageszeitung Information: "Der Georgien-Konflikt hat deutlich gemacht, dass es in Zentralasien viel Sprengkraft gibt und dass die Stellung der westlichen Länder dort extrem schwach ist. Asien wird zum Machtzentrum der Zukunft, nicht nur wirtschaftlich. Hier müssen darüber hinaus die Lösungen für den Terrorismus und für die Themenbereiche Energie und Klima gefunden werden. Wir brauchen nicht noch einen Konflikt, den wir nicht gewinnen können, sondern eine intensive Zusammenarbeit mit Russland und anderen Akteuren der Region. Die EU-Länder sollten eine Grundsatzentscheidung über die Grenzen der EU treffen, auch wenn dadurch die heikle Diskussion über die Mitgliedschaft der Türkei wieder entflammt. Anstatt neue Länder aufzunehmen, sollte die EU ein Konzept für eine 'EU light' ausarbeiten, in die die Länder im Osten, die Türkei und die nordafrikanischen Staaten aufgenommen werden können." (22.08.2008)

Elsevier - Niederlande

Kein Geld für Palästina!

Die Europäische Union hat beschlossen, die palästinensischen Autonomiegebiete in diesem Jahr mit weiteren 40 Millionen Euro zu unterstützen. Das müsse aufhören, findet das politische Nachrichtenmagazin Elsevier: "Ein merkwürdiger Beschluss: Brüssel überweist jährlich sicher 500 Millionen Euro - in der palästinensischen Frage führt das schon seit Jahren zu nichts. Nicht nur, dass viele Milliarden durch palästinensische Korruption, Unwissenheit und Gewalttaten verschwanden. Die Palästinenser sind bis heute nicht im Stande, selbstständig die Ambitionen auf einen funktionierenden Nationalstaat in die Realität umzusetzen. Es mag stimmen, dass Israel die ökonomische Entwicklung hier und da absichtlich blockiert, aber das erklärt noch nicht, warum zum Beispiel der Gazastreifen nun so ein Chaos ist, während er unter den Israelis noch blühte. Das liegt doch wirklich an den Palästinensern selbst. ... Die palästinensischen Autonomiegebiete sind ein Fass ohne Boden. Wieviel Geld des europäischen Steuerzahlers muss da noch reingesteckt werden?" (22.08.2008)

Dnevnik - Slowenien

Browns Optimismus

Nach seinem Urlaub hat Großbritanniens Premierminister Gordon Brown angekündigt, die Probleme der Briten anzugehen und bei den nächsten Parlamentswahlen zu gewinnen. In der Tageszeitung Dnevnik räumt der Auslandskorrespondent Brane Kastelic dem stark in der Kritik stehenden Premierminister wenig Erfolgsaussichten ein. "Während Brown in Peking erwartet wird ... hat eine große Diskussion darüber begonnen, warum gerade Sportler, die Privatschulen besucht haben, ... so viele Medaillen holen. ... Dies hilft den Konservativen in ihrer Kritik, die Labour-Partei habe während ihrer elfjährigen Amtszeit die sozialen Unterschiede in der britischen Gesellschaft vergrößert und sei Schuld an der wachsenden Armut und der schlechten Situation der Rentner. Der Chef der konservativen Partei, [David] Cameron, bezeichnet sich als Politiker, der diese Ungerechtigkeiten abschaffen wird. Verkehrte Welt? Einst wurden die britischen Konservativen als böse Partei der Privilegierten bezeichnet, jetzt kündigen sie eine Art gesellschaftlicher Revolution an. Browns Optimismus wird sehr bald schwinden." (22.08.2008)

Magyar Narancs - Ungarn

Fehlende EU-Außenpolitik

Angesichts einer fehlenden gemeinsamen Außenpolitik der EU befürchtet das liberale Wochenmagazin Magyar Narancs, dass die EU-Mitgliedstaaten hinsichtlich ihrer Russland-Politik eigene Wege beschreiten. "Wenn alles so weiter geht wie bisher, wird der georgische Konflikt die Uneinigkeit innerhalb der EU verstärken. ... Wenn auch nicht mit derselben Vehemenz wie Polen, so haben auch die USA ihre Ablehnung gegenüber dem russischen Vorgehen in Georgien unverhohlen Ausdruck verliehen. Die alten EU-Mitgliedstaaten - die starken Jungs in der EU - haben sich demgegenüber zurückhaltender gezeigt. Obwohl Sarkozys EU-Friedensplan als erste Reaktion angemessen erscheint, kann es leicht passieren, dass die 'Alten' der EU es am Ende doch für vernünftiger erachten, mit Russland einzeln auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Dies würde einmal mehr auf Kosten der osteuropäischen Nachzügler in der EU gehen." (22.08.2008)

REFLEXIONEN

ABC - Spanien

Der Krieg, die alte Weltordnung

Die Tageszeitung ABC reflektiert über den Friedenswunsch der Europäer in einer Welt, die bislang permanent im Kriegszustand gewesen sei: "Wenn [der General und Geschichtsschreiber der griechischen Antike] Thukydides heute den Kopf heben würde, wäre er vielleicht nicht in der Lage, die Europäische Union zu verstehen, in der der Pazifismus mental die Gewalt verdrängt hat, aber er wüsste genau, wie er den Rest der Welt interpretieren muss. Die Konflikte sind nicht verschwunden, und um das zu akzeptieren, muss man nicht einmal auf das verweisen, was gerade in Georgien passiert und auf die alten instinktiven Reflexe Russlands, das sich nach wie vor als Großreich versteht. Wir Westeuropäer wollten immer an das Ende des Krieges glauben. 1909 war es der Labour-Politiker Norman Angell, der ... voraussagte, dass ohne jeden Zweifel aufgrund der wirtschaftlichen Abhängigkeiten auf dem alten Kontinent kein Krieg mehr zwischen seinen Großmächten möglich sein werde. ... Der Zukunftsforscher H.G. Wells ... sagte, dass der Erste Weltkrieg der letzte der großen Kriege sein würde. ... 1989 war es der Amerikaner Francis Fukuyama, der ... das Ende der Kriege nach dem Sieg des Liberalismus verkündete. ... Der Frieden ist eine Erfindung, der Krieg ein gesellschaftliches Phänomen. Man muss nicht Urlaub in Tiflis machen, um sich davon zu überzeugen. Das 21. Jahrhundert ist einfach ein weiteres blutiges Jahrhundert." (22.08.2008)

Frankfurter Rundschau - Deutschland

Geteilter Kontinent

Laut einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung sind die Staaten Nordeuropas gut auf den Bevölkerungswandel und die demografischen Herausforderungen vorbereitet, im Gegensatz zu den Ländern Südosteuropas. Im Europa des Jahres 2050 werde eine unsichtbare Grenze den Kontinent in Gewinner und Verlierer des demografischen Wandels teilen. Angesichts dieser Entwicklungen plädiert die Frankfurter Rundschau für eine liberalere Zuwanderungspolitik: "Europa schrumpft. Ligurien vergreist. Ostdeutschland verwaist. So weit die pessimistische Deutung des Röntgenbilds, das das Berlin-Institut von Europa erstellt hat. Doch die düstere Diagnose lässt sich auch als positive Therapieempfehlung lesen: Gegen demografischen Wandel hilft mehr Bewegung. Physisch ist die Botschaft längst angekommen. Lautlose Migrationsströme fließen derzeit quer durch Europa. Die Völkerwanderung nach und innerhalb des Kontinents bringt zwar keine Lösung des demografischen Problems. Aber sie zeigt, Gewinner des Bevölkerungswandels werden nur diejenigen sein, die für Zuwanderer attraktiv sind und die das Kunststück meistern, die vielfältigen Gesichter der Migration zum eigenen Markenzeichen zu machen." (22.08.2008)

WIRTSCHAFT

Cinco Días - Spanien

Ungeklärte Ursache

Nach einem Flugzeugabsturz in Madrid, der 153 Todesopfer forderte, wurden übertriebene Personalkürzungen bei der betroffenen Fluggesellschaft Spanair als Auslöser für das technische Versagen ausgemacht. Die Wirtschaftszeitung Cinco Días warnt vor voreiligen und möglicherweise falschen Schuldzuweisungen. "Die heikle wirtschaftliche und arbeitsrechtliche Situation der Fluggesellschaft [Spanair] hat Verdachtsmomente hervorgerufen. Mehr als tausend Angestellte sind vermutlich von Kündigungen betroffen. Die Pilotengewerkschaft Sepla ermahnte noch wenige Stunden vor dem Unfall, dass das Unternehmen sein Personal zu unerlaubt langen Arbeitszeiten nötige. Der Vorsitzende des Betriebsrates, Jordi Mauri, widersprach dieser Anschuldigung gestern. ... Ohne klare Beweise darf unter keinen Umständen die Professionalität des Personals der Fluglinie in Frage gestellt werden." (22.08.2008)

Gazeta Wyborcza - Polen

Kritik an polnischer Post

Am kommenden Montag verliert die polnische Post ihr Monopol bei der Briefzustellung. Der Journalist Piotr Miączyński rechnet in der linksliberalen Tageszeitung Gazeta Wyborcza mit dem Staatsunternehmen ab. "Die Post bereitet sich auf die Konkurrenz auf ihre Art und Weise vor. Als Erstes beantragt sie einige hundert Millionen Zuschüsse aus dem Staatshaushalt. Dann will sie nächstes Jahr die Preise für ihre Dienstleistungen verdoppeln. ... Die Post ist ein riesiges Paradox. Sie beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter, also nur etwas weniger als die polnische Armee. Trotzdem bilden sich vor den Schaltern in den Postämtern gigantische Schlangen, und die Überbeschäftigung hat zur Folge, dass die Dienstleistungen zu den teuersten in Europa gehören. ... Die Entlassung von uneffektiven und überflüssigen Mitarbeitern ist unmöglich. Die Änderungen werden nämlich von über 40 Gewerkschaften blockiert. Ich überlege, wozu wir Kunden solch eine Post brauchen? Denn wozu die Post für die Postangestellten gut ist, weiß ich schon. Um sich Gehälter auszahlen zu lassen. Denn diese kommen im Gegensatz zu Briefen immer rechtzeitig an." (22.08.2008)

KULTUR

La Repubblica - Italien

Revolution auf dem Kunstmarkt

Die Tageszeitung La Repubblica kommentiert die starken Veränderungen auf dem internationalen Kunstmarkt, durch die US-amerikanische Sammler und Galeristen ins Hintertreffen geraten. Dies habe auch Auswirkungen auf die europäische Kunst: "Um die Beunruhigung der Amerikaner über den schwachen Dollar und gegenüber den neuen Reichen aus Russland, China und Saudi-Arabien zu verstehen, genügt ein Gang in eines der symbolträchtigsten Gebäude: das Rockefeller Center, Sitz des Auktionshauses Christie's . ... Der Auktionsmarkt floriert, aber nicht mehr in New York, sondern in Dubai und in Hongkong. Die Käufer sind dieselben, die sich britische Fußballclubs, Wolkenkratzer in Manhattan und Villen an der italienischen Costa Smeralda kaufen. ... Der König ist der russische Magnat Roman Abramovich. ... Die Revolution des Kunstmarktes, die Amerika beunruhigt, kann [aber auch] eine Chance für die europäische Kunst sein." (22.08.2008)

Observator Cultural - Rumänien

Umdenken in Rumänien

Nach dem jüngsten Eklat um die Teilnahme von zwei ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern an der Sommerschule des Rumänischen Kulturinstituts (ICR) in Berlin fordert die Kulturzeitschrift Observatorul Cultural ein Umdenken: "Um die offizielle Verurteilung des Kommunismus wurde viel Aufhebens gemacht. ... Es wird viel geredet, aber sehr wenig getan, die Gewässer bleiben weiterhin trüb. ... Der Skandal um die Verpflichtung von Sorin Antohi und Andrei Corbea-Hoişie für die Sommerschule des ICR Berlin stellt die Schwierigkeiten der Rumänen beim Umgang mit der jüngeren Geschichte wieder unter Beweis. ... Hätte das ICR nicht andere Vertreter auswählen können, die bei den rumäniendeutschen Schriftstellern im Ausland nicht auf bestürzte Ablehnung stoßen? Wenn nicht, stehen wir vor einem Problem: Es gibt in Rumänien keine echten, sowohl beruflich als auch moralisch einwandfreien Intellektuellen mehr. In diesem Fall gilt es, ernsthaft über die Rekonstruktion der von der kommunistischen Umerziehung zerstörten Eliten nachzudenken." (22.08.2008)

SPORT

NRC Handelsblad - Niederlande

EU gewinnt in Peking

China ist der absolute Spitzenreiter beim olympischen Medaillenspiegel. Der Schriftsteller Ilja Leonard Pfeijffer bezweifelt in der Tageszeitung NRC Handelsblad, ob das wirklich die neuen globalen Machtverhältnisse zeigt: "In den vergangenen Jahren richtete sich die offizielle chinesische Politik darauf, 2008 in Peking mehr Medaillen zu erobern als die Vereinigten Staaten. Und das wird ihnen gelingen, denn die Amerikaner können den Rückstand nicht mehr gutmachen. ... Ich habe in den vergangenen Tagen viele Analysen gesehen, in denen die unvermeidliche Schlussfolgerung gezogen wurde, dass die globale Machtbalance definitiv nach Asien umgeschlagen ist. ... Bei all diesen Analysen fehlt die Beobachtung, dass alle europäischen Länder in der Wertung als selbstständige Nationen auftreten. Ich habe gezählt und nach meiner Ansicht kommt die Europäische Union zur Zeit auf die schwindelerregende Zahl von rund 200 Medaillen, genauso viel wie China, die USA und Russland zusammen. Das ist erst einmal eine Machtdemonstration." (22.08.2008)

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