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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 12.07.2010

 

TOP-THEMA

Europa vorn - zumindest im Fußball

 

Spanien hat zum ersten Mal die Fußball-Weltmeisterschaft gewonnen mit einem Sieg über die Niederlande. Die Presse empfiehlt das harmonische Spiel der spanischen Nationalelf als vorbildlich für die nationale Politik, lobt die ungewohnte Einigkeit der Niederländer während der WM und freut sich darüber, dass Europa wenigstens im Fußball ganz vorn ist.

ABC - Spanien

Harmonische Nationalelf Vorbild für ganz Spanien

Spanien hat mit seinem Sieg am Sonntag erstmals eine Fußball-WM gewonnen. Die konservative Tageszeitung ABC wünscht sich auf politischer Ebene ein ebenso harmonisches Zusammenspiel wie im Stadion: "Fußball ist ein Mannschaftssport und die spanische Nationalmannschaft hat wie eine gut geölte Maschine funktioniert, in der jedes Teilchen seine Aufgabe erfüllt und sogar noch dieses Quäntchen draufgelegt hat, das dann schließlich zum Sieg führte. Und das ist so ungewöhnlich im aktuellen Spanien, in dem jedes Teil seinen eigenen Vorteil sucht, dass dieses Zusammenspiel mehr wert ist als alle WM-Pokale. Dass Spieler aus unterschiedlichen Mannschaften und Regionen so gut zusammenspielen. Dass sie sich so gut verstehen und gemeinsam für die Farben der Nationalelf fiebern, hat uns gezeigt, dass der Fußball die Grenzen des Sports überschritten hat und zum positiven Beispiel für das bürgerliche Zusammenleben wird." (12.07.2010)

De Volkskrant - Niederlande

WM bringt Niederländer zusammen

Zum dritten Mal in der Geschichte der Fußball-WM haben die Niederlande im Finale verloren. Trotz der verständlichen Enttäuschung hat diese Weltmeisterschaft dem Land sehr gut getan, meint die linksliberale Tageszeitung De Volkskrant: "Für eine Weile sahen die Niederländer sich als Teilhaber des Erfolgs von Oranje, und nicht als Bewohner eines Landes, dass in sich zerstritten ist. Die WM war eine Erfahrung, die die Niederländer miteinander verband. Und danach hatten sie ein großes Bedürfnis. ... Über die Dauer der Hurrastimmung brauchen wir uns keine Illusionen zu machen. ... Dennoch ist es unbestritten, dass die vergangenen Wochen von einer seltenen, kollektiven Stimmung geprägt waren. ... Es gibt nur wenige Erfahrungen, die Millionen Niederländer miteinander teilen. Auch in vielen Jahren wird sich fast jeder Niederländer noch genau daran erinnern, wo und mit wem er Zeuge des Spektakels war, und was er beim Abpfiff gefühlt hat. Früher brachten Kriege und Belagerungen Menschen zueinander. Jetzt kann das ein Fußballspiel bewerkstelligen." (12.07.2010)

Hospodářské noviny - Tschechien

Europa bleibt der beste Fußball

Mit Spanien, den Niederlanden und Deutschland haben drei europäische Mannschaften bei der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika die Medaillenränge belegt. Wenigstens ein Grund zur Freude für den alten Kontinent, meint die Wirtschaftszeitung Hospodářské noviny: "In Europa geht das Gespenst des Niedergangs um. Der Euro ist in der Krise. Frankreich und Deutschland, traditionell die politischen und wirtschaftlichen Motoren der Union, können sich nicht einigen, wie man den Finanzsektor saniert und die Wirtschaft aus der Rezession holt. Außerhalb der Grenzen des alten Kontinents redet und schreibt man darüber, dass Europa die beste Zeit hinter sich hat und global seinen politischen und wirtschaftlichen Einfluss verliert. Immerhin können die Europäer für sich reklamieren, den besten Fußball zu spielen. ... Gerade beim Fußballgeschäft in der EU wird das Ideal eines grenzenlos offenen Marktes sichtbar. ... Wenn Europa etwas vom Fußball lernt, kann es auch einen Grund für einen langfristigen Optimismus finden." (12.07.2010)

Dagens Nyheter - Schweden

Neues Bild von Afrika

Die Fußball-WM lässt Afrika in besserem Licht erscheinen, meint die Tageszeitung Dagens Nyheter: "Das Bild von Afrika als einem Kontinent geprägt von Krieg, Chaos und Armut ist nicht länger das einzig mögliche. Sicher ist die Armut immer noch weit verbreitet und in manchen Regionen scheinen die Konflikte unlösbar. Aber viele afrikanische Länder haben es relativ gut. … Beschwerliche Reformen haben viele dieser Länder auf den richtigen Kurs gebracht. Eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung scheint in Afrika auch wieder möglich zu sein. Und selbstverständlich auch, dass die Afrikaner selbst das Ruder in der Hand halten und in die richtige Richtung steuern können. Die Fußball-WM hat gezeigt, wie weit man mit Entschlossenheit kommen kann." (12.07.2010)

POLITIK

Die Presse - Österreich

Europäer versagen in Srebrenica

Serbiens Präsident Boris Tadić hat am Sonntag bei der Gedenkfeier zum Massaker in Srebrenica vor 15 Jahren sein Bedauern ausgedrückt. Die Tageszeitung Die Presse sieht gleichwohl noch wenig Fortschritt bei der Aufarbeitung des Massakers und verweist auf die Rolle der Europäer und deren Versagen beim Schutz von Srebrenica: "Schöne Reden ohne Taten kennzeichnen aber auch die europäischen Mächte, die 1995 grob fahrlässig gehandelt haben: Die Einrichtung einer UN-'Schutzzone' in Srebrenica ohne ausreichende militärische Bedeckung und ohne den Willen der Herkunftsländer, ihre Uno-Soldaten im Ernstfall auch als solche einzusetzen, war eine Schandtat sondergleichen. Verantwortung dafür hat eigentlich niemand übernommen, wenn man von einem eher halbherzigen Rücktritt des niederländischen Ministerpräsidenten Wim Kok absieht, der 2002 nach einem kritischen Bericht über holländische Blauhelme das Handtuch geworfen hat - einen Monat vor den Wahlen und einige Monate nachdem er ohnehin seinen Abschied aus der Politik angekündigt hat." (12.07.2010)

De Standaard - Belgien

Eigene Verfassung für Flamen

Eine eigene flämische Verfassung hat der Vorsitzende des flämischen Parlaments Jan Peumans am Sonntag gefordert, dem Nationalfeiertag der Flamen am 11. Juli. Eine berechtigte Forderung, meint die Tageszeitung De Standaard und vergleicht das Streben der Flamen nach mehr Autonomie mit dem der Katalanen in Spanien: "Flandern muss vielleicht weniger hart gegen Brüssel kämpfen als die Katalanen gegen Madrid, aber auch hierzulande geht es nicht von selbst. Wenn der politische Stillstand der vergangenen Jahre etwas gelehrt hat, dann doch wohl, dass die vorwiegend flämischen Seufzer nach mehr Befugnissen für die Teilstaaten nicht unumstritten sind, und dass hierfür lange argumentiert und gestritten werden muss. ... Die [flämische Verfassung] ist sicher ein legitimer Wunsch. Es ist gut, dass festgelegt wird, wofür Flandern steht. ... Dennoch muss man von so einer Verfassung keine Wunder für die Stärkung der flämischen Identität erwarten. Viel wichtiger ist, dass der Gesetzestext in Flandern auch umgesetzt wird." (12.07.2010)

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

Japans Demokraten enttäuschen

Die Demokratische Partei Japans hat bei den Wahlen zum Oberhaus am Sonntag eine schwere Niederlage erlitten. Viele Versprechen wie Steuersenkungen und mehr Transparenz in der Regierung konnte sie nicht erfüllen, stellt die konservative Neue Zürcher Zeitung fest: "Die politischen Hoffnungsträger, die vor weniger als einem Jahr in den Unterhauswahlen die 'ewige' liberaldemokratische Regierungspartei auf spektakuläre Weise in die Wüste geschickt hatten, wurden in den Oberhauswahlen zurückgestutzt. Die Gründe für das Debakel liegen in der Enttäuschung der Wähler über das Ausbleiben eines frischen politischen Winds in der japanischen Politik und im ungeschickten Taktieren des neuen Ministerpräsidenten [Naoto Kan] . ... Dank ihrer Mehrheit im Unterhaus bleiben [die Demokraten] zwar an der Regierung, doch sie sind im Oberhaus, das den Gesetzgebungsprozess blockieren kann, auf Allianzen angewiesen. Somit wird künftig wieder viel Energie für den Schacher um die Macht aufgewendet werden, während eine kohärente Reformpolitik sich nur schwer wird durchsetzen lassen." (12.07.2010)

Gazeta Wyborcza - Polen

Polen fordern Aufklärung des Flugzeugunglücks

Die polnische Hinterbliebenenvereinigung Bewegung 10. April hat am Sonntag dafür demonstriert, dass eine internationale Kommission die Umstände des Flugzeugunglücks aufklärt, bei dem Staatspräsident Lech Kaczyński ums Leben gekommen ist. Die linksliberale Tageszeitung Gazeta Wyborcza mahnt vor übertriebenen Erwartungen: "Man kann natürlich immer wiederholen, … dass man heute nach systematischen Ursachen der Flugkatastrophe sucht - das heißt also nach einer ganzen Verkettung von unglücklichen Umständen, Fehlern und Ereignissen, die zu ihr geführt haben. Und natürlich ist in dieser Verkettung auch Platz für eine eventuelle Mitverantwortlichkeit der Regierungsmitglieder der [Bürgerplattform] PO für das 36. Regiment [verantwortlich für die Flugsicherheit des polnischen Militärs] sowie für Lech Kaczyński und seine Mitarbeiter. Und auch eine Mitverantwortlichkeit des [Geheimdienstes] BBN für das Flugzeug und dessen Vorbereitung. Wir haben das Recht, einige Fragen zu stellen. Doch wird es schließlich nach Monaten, wenn nicht gar nach Jahren, ... nicht nur einen einzigen Schuldigen geben." (12.07.2010)

REFLEXIONEN

Kathimerini - Griechenland

Nikos Konstantaras über Europas schwache Führer

Das größte Problem der Europäischen Union ist der Mangel an interner Koordination und Strategie, meint Nikos Konstantaras in der Sonntagsausgabe der konservativen Tageszeitung Kathimerini: "Der zentrale Mechanismus der Union ist instabil. Die Länder können sich untereinander nicht koordinieren, viele Regierungen sind geschwächt und dazu gezwungen, eine Politik durchzusetzen, die sich an nationalen politischen Kriterien orientiert und nicht am Gemeinwohl. ... Damit Europa aus der Krise herauskommt, braucht es eine Vision und eine Strategie. Es braucht inspirierende Führer, die ihre Völker - aber auch die gesamten 500 Millionen Europäer - überzeugen können, dass das Konzept des vereinten Europas Erfolg haben wird, dass es ihr Leben und ihre Perspektiven verbessern wird. ... Das finanzielle Risiko hat die EU-Mitglieder dazu geführt, einen gemeinsamen Standpunkt einzunehmen und einen Unterstützungsmechanismus für jedes in Not befindliche Land zu entwickeln. Schwache Politiker mussten sich selbst überwinden, um für die Einigung Europas einen historischen Schritt zu machen. Sie haben die Auflösung [der EU] vermieden. Es scheint aber so, als ob sie immer noch nicht glauben, dass sie nur dann stark sind, wenn sie vereint sind." (11.07.2010)

WIRTSCHAFT

Sega - Bulgarien

Erfolgreiche Wirtschaftspolitik in Bulgarien

Ein Jahr nach dem Amtsantritt der Mitte-Rechts-Regierung von Bojko Borisov zieht der Ökonom Emil Harsew eine positive Bilanz ihrer Wirtschaftspolitik. Er schreibt in der Tageszeitung Sega: "Mit Blick auf die Wirtschaft verdient die Regierung eine gute Note für ihr erstes Jahr. Früher oder später werden alle den größten Erfolg dieses Kabinetts anerkennen, womit es in die Geschichte eingehen wird: Im Gegensatz zu fast allen europäischen Regierungen, gleichgültig welcher politischer Ausrichtung, hat es die Steuern nicht angehoben. Nichts ist wichtiger für Bulgarien, als das Land mit der niedrigsten Steuerlast in der EU zu bleiben. ... Das ist eine besonders schwierige Entscheidung, denn der Staat muss sich im Zaum halten und dem Druck seiner Zöglinge widerstehen - all derjenigen also, die nach seiner Hilfe und somit unserem Geld verlangen. ... Schafft es die Regierung auch in Zukunft, die Steuerlast gering und den Staat bescheiden zu halten, wäre das ein unschätzbarer Konkurrenzvorteil, der den bulgarischen Unternehmen und der ganzen Nation jahrzehntelang von Nutzen sein wird." (11.07.2010)

Kaleva - Finnland

Euro hat politisches Problem

Der US-amerikanische Nobelpreisträger Paul Krugman hat es in einem Interview mit der spanischen Tageszeitung El País für möglich gehalten, dass einzelne Länder aus der Eurozone austreten. Die Tageszeitung Kaleva kann Krugmans Argument nachvollziehen: "Die Wirtschaftsprobleme Griechenlands sind nur ein Symptom der Krankheit, die am politischen System nagt. Misswirtschaft veschwindet nicht einfach beim Wechsel des Währungsgebiets. Und auch nicht die Probleme, die auf die schlechten Entwicklung der Arbeitsproduktivität, die unzureichenden Investitionen in Infrastruktur, Forschung und Produktentwicklung zurückzuführen sind. Es geht um den politischen Willen. Kein gesellschaftliches System funktioniert, wenn dahinter nicht genügend politische Kraft steht, die wiederum in Demokratien auf dem breiten Vertrauen der Bürger basiert. Falls die Menschenmassen, die auf der Straße marschiert sind, nicht an den Euro glauben wollen und andere Lösungen für besser halten, bringt Griechenland die Sparkur nicht viel. ... Der Euro ist nicht nur ein technisches System. Wenn die Griechen im demokratischen Prozess das Leben ohne Euro für leichter halten, muss man ihnen dies erlauben." (12.07.2010)

Les Echos - Frankreich

Ratingagenturen haben nichts gelernt

Die französische Börsenaufsicht AMF wirft den Ratingagenturen vor, mit ihrem unveränderten Verhalten die aktuelle Krise zu verschlimmern. Dieser Meinung schließt sich die Wirtschaftszeitung Les Echos an: "Was ist seitdem passiert? In Wirklichkeit nicht viel. Der am Freitag von der AMF veröffentlichte Bericht zeigt, dass Ratingagenturen trotz ihres Scheiterns in der Enron-Affäre [Pleite des US-Energieunternehmens], der Subprime-Krise [Zahlungsausfälle auf dem US-Hypothekenmarkt] oder dem Ruin von Lehman Brothers immer noch genauso viel kritisiert werden. Die AMF rüffelt die privaten Finanzrichter: Sie folgen der Herde, genau wie die Märkte. Die französische Aufsicht urteilt, dass die Ratingagenturen Öl ins Feuer gegossen haben mit ihrem prozyklischen Verhalten während der staatlichen Schuldenkrise in Europa." (12.07.2010)

GESELLSCHAFT

The Observer - Großbritannien

Briten lüstern nach Sensationen

Am Ende einer einwöchigen Flucht vor der britischen Polizei hat sich der mutmaßliche Mörder Raoul Moat das Leben genommen. Die linksliberale Sonntagszeitung The Observer sieht es als Ausdruck der allgemeinen Sensationslust, dass die Fernsehkameras die Jagd bis zu ihrem Ende rücksichtslos begleiteten: "Es ist zu oberflächlich, den Medien die Schuld zu geben. Sie füttern nur das Monster des 'öffentlichen Interesses' - eine gefräßige, ungeduldige, gaffende Kreatur. ... Es scheint ein Teil in uns zu sein, der das 'Tod und Ehre'-Monster füttert, das vermutlich in so armen, verblendeten Kerlen wie Moat lauert. Und es ist dieser Teil in uns, der all diese Fantasien, das Zentrum der Aufmerksamkeit, der große und furchterregende Kerl mit der Waffe zu sein, wahr werden lässt. ... Wir müssen akzeptieren, dass zeitweise Moat´s Krankheit auf unsere Krankheit traf und wir in einer tödlichen Umarmung gefangen waren, unterbrochen nur noch von Werbepausen." (12.07.2010)

The Irish Times - Irland

Integration erfordert Respekt

Frankreichs Parlament entscheidet am Dienstag über ein Burkaverbot. Die konservative Tageszeitung The Irish Times ist skeptisch: "Es ist schwer, nicht zu dem Schluss zu kommen, dass die Gesetzgebung ... hauptsächlich der zynische Versuch ist, anti-islamistische, fremdenfeindliche Stimmungen zu befriedigen, die auch in anderen europäischen Hauptstädten beobachtet werden. In Belgien und Spanien warten Gesetzesentwürfe zum Verbot des Tragens eines Gesichtsschleiers auf Zustimmung durch den Senat. In der Schweiz wurde im vergangenen Herbst per Volksentscheid der Bau von Minaretten verboten, während in den Niederlanden und Ungarn die Ultrarechten bei den Wahlen stark zugelegt haben. Der Bewegung liegt, wie auch immer, eine wichtige französische Annahme über Integration und Assimilation von Einwanderern zugrunde. ... Aber Integration kann und sollte ein zweiseitiger Prozess sein, sie bedarf der Zusage von Einwanderern an die Kultur ihrer neuen Heimat und ihres Engagements, während gleichzeitig ihre kulturelle Verschiedenheit respektiert und willkommen geheißen werden sollte." (12.07.2010)

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