Navigation

 

Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 09.09.2010

 

TOP-THEMA

US-Pfarrer zündelt mit Koran

 

Der selbsternannte Pfarrer einer kleinen Gemeinde in Florida will zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September Korane verbrennen. Die US-Regierung, der Papst, die EU und zahlreiche Staatschefs verurteilten den Plan scharf. Das ist entschieden zu viel Aufmerksamkeit für diesen Fanatiker, meint die Presse.

De Volkskrant - Niederlande

Minikrieg eines Fanatikers erreicht Afghanistan-Krieg

Die von Pfarrer Terry Jones geplante Koranverbrennung könnte schlimme Folgen für die US-Truppen haben, warnte der Oberbefehlshaber in Afghanistan, General David Petraeus. Doch die Warnung des Generals ist noch gefährlicher, meint die linksliberale Tageszeitung De Volkskrant: "Damit hat er mehr Aufmerksamkeit auf diesen einsamen Fanatiker gelenkt, als der verdient. Zum Teil durch Petraeus' Zutun hat ein unsinniger religiöser Minikrieg die Welt der echten Kriegsführung erreicht. Die US-amerikanischen Behörden sind machtlos. ... In vielen muslimischen Ländern wird das Ausbleiben eines Verbotes auf Unverständnis stoßen. Aber Geistliche und andere einflussreiche Führer in der muslimischen Welt bleiben moralisch dazu verpflichtet, das Feuer der Wut nicht noch zu schüren. Welche Folgen das neunte Gedenken an 9/11 hat wird vor allem davon abhängen, wie sehr Muslime in der Lage sind, Terry Jones wieder auf das zu reduzieren, was er in Wahrheit ist: ein trauriger Fall ohne Bedeutung." (09.09.2010)

La Repubblica - Italien

Vom Pastor zum reaktionären Weltstar

Höchste Repräsentanten der US-Regierung und der Nato zeigen sich besorgt über die geplante Koranverbrennung in der kleinen Gemeinde evangelikaler Christen in Florida. Damit hat Pastor Terry Jones genau das erreicht, was er wollte, meint die linksliberale Tageszeitung La Repubblica: "Er ist zum Weltstar geworden, der Pastor aus Gainesville, der den 11. September mit der Verbrennung des Korans feiern will. Der Facebook-Seite 'Burn a Koran Day' sind über 10.000 Fans beigetreten. Gegen den Pastor ziehen das Weiße Haus, der Vatikan, die Nato und sogar Angelina Jolie zu Felde. Und in der gesamten islamischen Welt sind von Kabul bis Jakarta Proteste ausgebrochen. ... Wie es auch immer ausgehen wird, Jones ist in den Geschmack eines persönlichen Triumphs gekommen. Seit geraumer Zeit jagte er dem Ruhm nach. Schon im vergangenen Jahr organisierte er für den 11. September eine Anti-Islam-Kundgebung. Doch berichtete 2009 nur ein Lokalblättchen darüber, The Independent Florida Alligator. ... Dem ehemalige Hoteldirektor und Fan des Films 'Braveheart' ist es gelungen, mit einem Schlag den reaktionären Ruf seines Idols Mel Gibson zu übertreffen." (09.09.2010)

taz - Deutschland

Christen unter Pauschalverdacht

Der Versuch einer kleinen christlichen Gemeinde, den 11. September für sich zu vereinnahmen, könnte nun den Westen unter Pauschalverdacht stellen, bemerkt die linke tageszeitung: "Der Vatikan, die US-Regierung und die Nato setzen alles daran, dass dabei in der Islamischen Welt nur nicht der Eindruck entsteht, dass das gesamte Christentum und der Westen hinter einer solchen Aktion stehen. Sie kommen damit in die gleiche Lage, in die viele Muslime nach dem 11. September gerieten, als sie mancherorten kollektiv für die Anschläge verantwortlich gemacht wurden und seitdem stets beweisen sollen, dass sie keine Terroristen sind. Zugegeben, die Proportionen sind nicht ganz richtig. Es gibt im Westen wahrscheinlich weniger Koranzündler als in der islamischen Welt Ben Laden Fans und die Anschläge des 11. September haben eine völlig andere Dimension als eine Koranverbrennungszeremonie. Aber in beiden Fällen läuft eine Mehrheit Gefahr, für die Taten einer Minderheit an den Pranger gestellt zu werden." (09.09.2010)

The Irish Times - Irland

Obama muss Hassprediger isolieren

Die US-Regierung muss Pfarrer Terry Jones isolieren, der für Samstag eine Koranverbrennung plant, fordert die liberale Tageszeitung The Irish Times: "Was Jones plant, mag rechtlich gesehen tatsächlich kein direkter Aufruf zur Gewalt sein, doch angesichts der ansteigenden Islamphobie in den USA ist es klar eine Anstiftung zum Hass. Jones macht sich die tiefe Angst zunutze, die Demagogen ... rund um die Pläne zum Bau eines muslimischen Gemeindezentrums nahe des Orts der Anschläge vom 11. September in New York geschürt haben. Nach Umfragen ist die Mehrheit jetzt gegen das Zentrum. ... Die Führungsriege der USA muss energisch gegen die bösartigen Lügen vorgehen, die den Islam insgesamt mit den Geschehnissen vom 11. September in Verbindung bringen. Das heißt, Jones als einen nicht repräsentativen Außenseiter isolieren und das Zentrum in Manhattan vollenden." (09.09.2010)

POLITIK

Der Standard - Österreich

Deutsche Integration braucht Zeit

Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière hat am Mittwoch das neue Integrationsprogramm der Bundesregierung vorgestellt. Integration kann aber nicht von oben befohlen werden, meint die Tageszeitung Der Standard: "Das Thema Integration wird die Deutschen noch jahrelang beschäftigen. Sie selbst bekommen immer weniger Kinder, sie sind auf Zuwanderung angewiesen. Viele Jahre lang dominierte dabei jedoch der Familiennachzug bei den Zuwanderern. Auf Facharbeiter wurde kaum Wert gelegt. Das rächt sich nun, da im Ingenieursland Deutschland Facharbeitermangel herrscht. Umso mehr muss sich die Politik anstrengen, weitere Hilfen zu geben. Mehr Migranten als Lehrer und Islam-Unterricht an staatlichen Schulen sind konsequente Schritte. Aber es ist - leider - keine Lösung, die binnen weniger Monate alle Missstände beseitigt. Das Versäumte nachzuholen dauert und braucht seine Zeit. Integration kann man nicht mit schrillen Tönen von oben verordnen." (09.09.2010)

Adevărul - Rumänien

Krise in Moldau betrifft auch Rumänien

Nach dem gescheiterten Referendum über eine Direktwahl des Präsidenten sind in der Republik Moldau für November Neuwahlen angesetzt worden. Das Referendum ist nicht nur ein Misserfolg für die pro-europäischen Kräfte der Republik Moldau, sondern auch für Rumänien, meint die Tageszeitung Adevărul: "Die Idee, mit einem Referendum aus der konstitutionellen Sackgasse zu finden - eine Lösung, die von Brüssel nur schwer geschluckt wurde - stammt aus Rumänien. ... Eins ist sicher: ... Rumänien ist in Moldau nicht so populär, wie wir gedacht haben. Warum auch, so lange es kein erfolgreiches Land ist. Anstatt arrogant auf der anderen Seite des [Grenzflusses] Pruth ... damit anzugeben, dass wir Westler sind, wäre es besser gewesen ... Kultur, Zivilisation und Investitionen zu exportieren und den Dingen Zeit zu lassen, sich zu entfalten. So hätten wir wesentlich mehr für ein europäisches Moldau getan." (09.09.2010)

Hospodářské noviny - Tschechien

Preis für Mohammed-Karikaturisten überflüssig

Die Verleihung eines Journalistenpreises an den Karikaturisten Kurt Westergaard am Mittwoch in Berlin ist durch die freiheitlichen Grundrechte gedeckt, ebenso wie der Bau eines muslimischen Zentrums am Ground Zero und die geplante Koranverbrennung durch einen Pfarrer in Florida, meint die Wirtschaftszeitung Hospodářské noviny. Das heißt aber nicht, dass solche Aktionen auch vernünftig oder richtig wären: "Die Ehrung Westergaards durch Bundeskanzlerin Merkel ist eine überflüssige Geste gewesen. Gegenüber Deutschland und Europa, wo niemand überzeugt werden muss, dass sie auf den Prinzipien der westlichen Demokratie stehen. Aber auch gegenüber der anderen Seite, wo man Merkels Ehrung als westlichen Stempel unter der Botschaft versteht: Eure seltsamen Gefühle des Beleidigtseins interessieren uns nicht." (09.09.2010)

Latvijas Avīze - Lettland

Lettland muss selbstbewusster werden

Nach den Besuchen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel in Litauen und Lettland fordert die Tageszeitung Latvijas avīze mehr Souveränität in der lettischen Außenpolitik, insbesondere gegenüber Russland: "Merkel hat Lettland ermutigt, als 'souveräner Staat' gute nachbarschaftliche Beziehungen zu Russland zu unterhalten. Offenbar gab es daran einige Zweifel. In Vilnius hat die Kanzlerin erklärt, dass Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaitė keine Ratschläge für die Beziehungen zu Russland nötig habe. Vilnius verhält sich gegenüber den Machtzentren der Welt auch ein wenig anders - strenger und auch deutlich kritischer - als Riga, wo Außenminister Ronis gerade erst konstatiert hat: 'Wenn die Beziehungen zwischen den USA und Russland unsere Sicherheit beeinflussen und das polnisch-russische Verhältnis die Bewertung der Geschichte bestimmt, dann haben die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland entscheidenden Einfluss darauf, wie wir das Potenzial unserer Region erfolgreich nutzen können.' Völlig richtig. Es bleibt jedoch zu klären, welche Rolle Lettland in diesem Beziehungsgeflecht spielt und wie Lettland künftig seinen Einfluss geltend machen kann." (09.09.2010)

REFLEXIONEN

Le Monde - Frankreich

Vijay Monany über spannende Arbeit statt Rente

Die Franzosen wehren sich mit Streiks und Demonstrationen gegen die Erhöhung des Rentenalters auf 62 Jahre, weil ihre Arbeitswelt vollkommen veraltet ist, schreibt Vijay Monany von der Beratungs- und Coaching-Agentur Khampus in der Tageszeitung Le Monde: "Der Grund, warum die Franzosen die Rente der Arbeit vorziehen, ist der gleiche, aus dem sie lieber Urlaub machen als arbeiten. ... Denn auf der Arbeit langweilen sie sich, aber außerhalb der Arbeit entfalten sie sich. Das große Paradox daran ist: Erst beim Renteneintritt haben die Franzosen den Eindruck, dass ihr Leben anfängt, dass sie endlich ihr Schicksal in die Hand nehmen, dass sie endlich die Möglichkeit haben zu reisen, sich für etwas zu engagieren, mit ihren Freunden Zeit zu verbringen. ... Eines Tages wird man verstehen, dass der soziale Fortschritt nicht darin besteht, Urlaubswochen aufzustocken, die wöchentliche Arbeitslänge einzuschränken oder das Rentenalter zu senken. Eines Tages wird man verstehen, dass echter sozialer Fortschritt darin besteht, die Arbeit so interessant zu machen, dass sie sich nicht mehr von Freizeit unterscheidet. Eines Tages wird man verstehen, dass die Lösung zur Rentenfinanzierung darauf beruht, die Arbeit dermaßen spannend zu machen, dass niemand mehr in Rente gehen möchte." (08.09.2010)

WIRTSCHAFT

Corriere del Ticino - Schweiz

Europa profitiert von schwachem Euro

Der Euro ist am Donnerstag erneut unter die Marke von 1,27 US-Dollar gefallen. Aber das hat auch Vorteile, meint die liberale Schweizer Tageszeitung Corriere del Ticino: "Ein negativer Faktor ist zweifelsohne die beeindruckende Geschwindigkeit, mit der der Euro gefallen ist. Doch betrachtet man den Devisenmarkt dieser Tage näher, so stellt man zwei Dinge fest: Noch befinden wir uns oberhalb der Grenze des Wertes, den der Euro zu Beginn seiner Existenz dem Dollar gegenüber besaß und gleichzeitig stößt der Export der Eurozone in das weite Dollar-Gebiet, das nicht nur Nordamerika sondern auch viele Schwellenländer einschließt, auf geringere Hindernisse. Es ist eine halbe Krise. Und damit genau die Lösung, die aus vielen Gründen just von der deutschen Lokomotive gewünscht wird. … Solange der Euro dem Dollar gegenüber nicht unter den anfänglichen Kurs fällt, besteht für die starken Länder der Eurozone, vor allem für Deutschland, kein echter Grund zur Sorge. Sie werden weiterhin im Rahmen des Exports [von einem schwachen Euro] profitieren, ohne beim Import allzu große Schäden zu erleiden." (09.09.2010)

The Times - Großbritannien

BP darf Schuld nicht abwälzen

Der britische Ölkonzern BP hat in einem internen Bericht seinen Partnerunternehmen vorgeworfen, ihre groben Versäumnisse hätten zur Ölkatastrophe im Golf von Mexico geführt. BP darf seine Verantwortung dafür aber nicht abwälzen, mahnt die konservative Tageszeitung The Times: "BP hat Recht mit seinem Argument, dass viele entscheidende Fehler von anderen Firmen gemacht wurden. [Das Unternehmen] Halliburton hat den Zement gemischt und die Barrieren am Grund der Ölquelle gebaut, die dabei versagten, die Kohlenwasserstoffe zurückzuhalten. Und in den entscheidenden acht Minuten vor der Explosion mussten die Mitarbeiter von [der Bohrfirma] Transocean, die die Leitung über die Plattform hatten, eine Serie von grundlegenden Entscheidungen treffen, von denen die meisten offenbar falsch waren. Aber BP darf sich nicht hinter den Fehlern Anderer verstecken: Es lag in der Verantwortung von BP, seine Partner-Unternehmen zu beaufsichtigen. Darin hat es klar versagt und zudem eigene Fehler begangen." (09.09.2010)

GESELLSCHAFT

Fakt - Polen

Papst kann Armut und Klimawandel bekämpfen

Papst Benedikt XVI. wird in der kommenden Woche Großbritannien besuchen. Dabei wird er die Möglichkeit haben, zu den großen gesellschaftlichen Problemen Stellung zu beziehen, meint der britische Botschafter in Polen, Ric Todd, in der Boulevardzeitung Fakt: "Wir freuen uns auf diesen Besuch und wollen die Gelegenheit nutzen, unsere Beziehungen zu festigen. Und um Lösungen für die wichtigsten globalen Probleme zu finden - unter anderem für aktuelle Herausforderungen wie Armut und Klimawandel. Wir wollen auf die Worte des Papstes hören. Dank ihrer eigenen Erfahrung ... hat die katholische Kirche einen einzigartigen Einblick darin, wie Armut und Klimawandel zusammenhängen. ... Der Anstieg der Temperatur und immer spürbarere Trockenheit erschweren es den Menschen, die Fruchtbarkeit des Bodens zu erhalten, den sie ihr Leben lang bearbeiten. Der Klimawandel behindert den Sieg über die Armut." (09.09.2010)

Jornal de Negócios - Portugal

Fall Sarrazin zeigt Deutschlands Integrationsprobleme

Die Thesen des Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin stellen nach Meinung der Wirtschaftszeitung Jornal de Negócios einen Fall intellektueller Eitelkeit und moralischer Würdelosigkeit dar, schneiden aber ernste Probleme an: "Sarrazin hat mit einer Verschleierungstaktik gebrochen, die angesichts des wachsenden Widerstands in Berlin gegen den EU-Beitritt der Türkei ohnehin nicht sehr viel länger gehalten hätte. Die politischen Rechtfertigungen neigen dazu, sich mit dem Erhalt einer laizistischen oder auf christlichen Wurzeln aufbauenden Europäischen Union zu vermischen. Damit ist die EU aber in beiden Fällen zur Aufnahme eines Landes mit mehr als 70 Millionen mehrheitlich sunnitischen und alevitischen Muslimen unfähig. ... Der Fall Sarrazin eröffnet eine polemische Diskussion, die durch die Verweigerung der deutschen Parteien, Fragen der Integration muslimischer Einwanderer zu diskutieren, hinausgezögert wurde." (08.09.2010)

Dnevnik - Slowenien

Slowenische Ärzte streiten um Überstunden

Im Streit um die staatliche Bezahlung der Überstunden von Ärzten haben sich Sloweniens Gesundheitsminister und der Chef der Ärztegewerkschaft am Mittwoch auf einen Kompromiss geeinigt. Die Ärzte würden damit wieder Bereitschaftsdienste leisten. Doch der Konflikt ist noch nicht ausgestanden, meint die Tageszeitung Dnevnik: "Für den Moment, aber nur den Moment, können die Patienten aufatmen, sollte die Regierung heute akzeptieren, was Gesundheitsminister Dorian Marušič und der Chef der Ärztegewerkschaft Konrad Kuštrin gestern ausgehandelt haben. Wenn die Frage der Bereitschaftsdienste die Generalprobe für die Gesundheitsreform und größere Veränderungen in der Organisation des Gesundheitswesens war, dann müssen wir uns immer noch Sorgen machen. … Wenn der Regierung auch weiterhin nicht klar ist, was sie erreichen will und was sie bereit ist, dafür zu opfern, dann wird es im Gesundheitswesen bei den nächsten Konflikten erneut knallen." (09.09.2010)

Weitere Inhalte