Der Blick der alten EU-Länder auf die Neuankömmlinge
Im Januar 2007 wurden Rumänien und Bulgarien Mitglieder der EU, die nun 27 Länder umfasst. Ein umstrittener Beitritt, denn die beiden Kandidaten erfüllten nicht alle Aufnahmekriterien.
Beim Aufbau der Justiz, bei der Bekämpfung von Korruption, der Sicherung der Grenzen, bei der Lebensmittelkontrolle und beim Umgang mit Minderheiten sah die EU noch Nachholbedarf, befand aber, der Reformprozess könne auch nach Aufnahme in die Union weiter gehen. Im Gegenzug behielt sich die EU Schutzklauseln vor - Arbeitsnehmerfreizügigkeit wird zum Beispiel nicht automatisch gewährt, und auch Gerichtsurteile aus den beiden Ländern müssen nicht zwangsläufig in der EU anerkannt werden. Von einer "EU-Mitgliedschaft zweiter Klasse" war in einigen Medien vor dem Beitritt die Rede. Die Skepsis gegenüber den beiden Ländern war groß. Kann die EU die Probleme dieser Länder verkraften?
Allgemeines
El Mundo - Spanien | Donnerstag, 17. August 2006
Der albanische Schriftsteller Ismail Kadare schreibt über die Europa-Sehnsucht der Völker des Balkans. "Entlassen aus der osmanischen Sklaverei haben sie eines nach dem anderen versucht, sich wieder mit Mutter Europa zu vereinen. Doch sie tragen alle ein Mal: » mehr
Der albanische Schriftsteller Ismail Kadare schreibt über die Europa-Sehnsucht der Völker des Balkans. "Entlassen aus der osmanischen Sklaverei haben sie eines nach dem anderen versucht, sich wieder mit Mutter Europa zu vereinen. Doch sie tragen alle ein Mal: Das Zeichen der osmanischen Sklaverei. Deshalb hat Europa sie lange Zeit mit Kälte und Argwohn betrachtet. Mittlerweile haben sie, wie die Helden der antiken Mythologie, versucht, dieses verfluchte Zeichen vergessen zu machen. Dank der Erinnerung an alte Zeiten hat es Griechenland als erstes geschafft, daheim wieder aufgenommen zu werden. Rumänien und Bulgarien warten immer noch darauf, dass man sie in die Arme schließt. Aber da ist noch eine Zone übrig, die zweifellos sehr balkanisch ist, der westliche Balkan. Fünf Länder - Serbien, Montenegro, Albanien, das Kosovo und Mazedonien - die sich reuig und unschuldig geben, warten bis heute auf einen Urteilsspruch des Mutterkontinents. Diese fünf tragen noch das berüchtigte Mal, das Zeichen der Sklaverei."
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Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Mittwoch, 27. September 2006
Cyrill Steiger begrüßt die Aufnahme der beiden – so unterschiedlichen – Länder in die EU und warnt vor einem völligen Aufnahmestopp. "Sowohl in den ostmitteleuropäischen ... » mehr
Cyrill Steiger begrüßt die Aufnahme der beiden – so unterschiedlichen – Länder in die EU und warnt vor einem völligen Aufnahmestopp. "Sowohl in den ostmitteleuropäischen Ländern als auch in Bulgarien und Rumänien waren die großen Fortschritte, die in überraschend kurzer Zeit gemacht wurden, vor allem der klaren und unzweideutigen EU-Perspektive zu verdanken. Auch in den Ländern des westlichen Balkans, die alle als potenzielle Beitrittskandidaten gelten, ist die Aussicht auf eine Integration der entscheidende Motor für Veränderungen. Doch wenn bereits Rumänien und Bulgarien, wie die Auflagen und Schutzklauseln zeigen, wohl eher als EU-Mitglieder zweiter Klasse bezeichnet werden müssen, was haben dann erst die Länder des übrigen Balkans zu erwarten, sollten sie jemals so weit kommen?... Entschwindet der EU-Beitritt für die Länder des westlichen Balkans jedoch in weite oder gar unerreichbare Ferne, könnte sich innerhalb Europas ein schwarzes Loch öffnen. Daran kann Brüssel kein Interesse haben. Es darf nicht geschehen, dass die jungen und noch instabilen demokratischen Staaten, die sich weit hinten im Warteraum befinden, den Preis für die inneren Schwierigkeiten der Union zu bezahlen haben."
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Städteporträts
Népszabadság - Ungarn | Montag, 11. Dezember 2006
Drei Wochen vor dem EU-Beitritt Rumäniens ist András Dési nach Bukarest gefahren und hat dort das neue Zentrum des Balkan gefunden: » mehr
Drei Wochen vor dem EU-Beitritt Rumäniens ist András Dési nach Bukarest gefahren und hat dort das neue Zentrum des Balkan gefunden: eine "schwärmende, vibrierende, bunte, sich in rasendem Tempo entwickelnde" Großstadt. "Für Bukarest, das offiziell 2,5 Millionen, aber an einem Wochentag mit allen Pendlern vier Millionen Einwohner hat, gelten immer noch die alten Klischees. Hinter dem flaggengeschmückten Ministerium für europäische Integration streifen herrenlose Hunde zwischen Müllhaufen umher. Nur fünf Kilometer entfernt liegt ein Roma-Lager, das in schrecklichem Zustand ist und von dem sich die Nachbarn mit Stacheldraht abgrenzen... Derzeit stehen mehrere Mega-Investitionen mit einer Gesamtsumme von vier Milliarden Euro an. Die Firma TriGránit baut ein neues Stadtviertel, das Esplanada City Center, dessen moderne Hochhäuser den furchtbaren Anblick des Palastes der Völker, gebaut zu Zeiten des Diktators Ceausescu, kompensieren sollen. Die wirtschaftliche Entwicklung Bukarests hinkt fünf bis zehn Jahre hinter den Großstädten Ostmitteleuropas hinterher, doch es gibt keinen Grund, die Bukarester abzuschreiben. Statt zu jammern, arbeiten sie sehr hart."
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Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Mittwoch, 13. Dezember 2006
Die Stadt Sibiu (Hermannstadt) im rumänischen Siebenbürgen ist gemeinsam mit Luxemburg europäische Kulturhauptstadt 2007. Der aus Rumänien stammende deutsche Autor Richard Wagner führt den erstaunlichen Aufschwung nach 1990 der 170.000 Einwohner zählenden Stadt auf deren "historisch gewachsene Gelassenheit" zurück: » mehr
Die Stadt Sibiu (Hermannstadt) im rumänischen Siebenbürgen ist gemeinsam mit Luxemburg europäische Kulturhauptstadt 2007. Der aus Rumänien stammende deutsche Autor Richard Wagner führt den erstaunlichen Aufschwung nach 1990 der 170.000 Einwohner zählenden Stadt auf deren "historisch gewachsene Gelassenheit" zurück: "Hermannstadt ist nie ein Zentrum ethnischer Polarisierung gewesen... Während im Klausenburg (Cluj) der neunziger Jahre ein rumänischer Extremist ins Amt des Bürgermeisters gelangte und die Stadt durch vulgäre Aktionen, wie das Anstreichen der Parkbänke in den Farben der Trikolore, international in Verruf brachte, konnte sich Hermannstadt als Ort von Vernunft und Augenmaß profilieren. 1990, als, mit der Öffnung der Grenzen, fast die gesamte deutsche Minderheit die Koffer packte, blieben in Hermannstadt vergleichsweise mehr Deutsche zurück, auch Intellektuelle. Das von Auswanderern oft genug belächelte Gefühl des Beharrens auf dem ehemaligen 'Königsboden', wie die Sachsen ihr mehr oder weniger imaginäres Territorium nannten, sollte bald belohnt werden. In Hermannstadt wuchs sich der sprichwörtlich gute Ruf der Deutschen Rumäniens zum Mythos aus. Seit Jahren konfiguriert sich dort etwas, das alle Klischees der Völkerverständigung zu erfüllen scheint."
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taz - Deutschland | Freitag, 29. September 2006
2007 bekommt die EU eine Metropole hinzu, wie sie sie bislang nicht gekannt hat: » mehr
2007 bekommt die EU eine Metropole hinzu, wie sie sie bislang nicht gekannt hat: die bulgarische Hauptstadt Sofia, berichtet Uwe Rada. "Schon die Fahrt vom Flughafen ins Zentrum lässt jeden Zweifel verfliegen. Hier zieht keine europäische Stadt mit geordneten Vorstädten und kompaktem Zentrum vorbei, sondern das, was der bulgarische Kulturwissenschaftler Iwajlo Ditschew eine 'fluide Stadt' nennt: einzelne Hochhäuser, Plattenbaugebirge, mehrspurige Schnellstraßen, dazwischen Kioske und Wellblechsiedlungen." Zur Zeit der Wende hatte Sofia 800.000 Einwohner, heute sind es geschätzte zwei Millionen. "Eine solche Verstädterung kennt man sonst nur aus den Megacities in Afrika oder Asien. Und wie dort verschiebt sich auch die Wahrnehmung von Zentrum und Peripherie. Das wirkliche Sofia findet man nicht im lebendigen Stadtzentrum mit seinen Cafés, Boutiquen und Flaniermeilen. Es liegt draußen in den Trabantenstädten Ljulin, Mladost (Jugend), Druschba (Freundschaft) oder Nadescha (Hoffnung)."
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Kritik an der Beitrittsfähigkeit
Hufvudstadsbladet - Finnland | Montag, 15. Mai 2006
Noch nie zuvor sei die EU bereit gewesen, Staaten aufzunehmen, die so wenig Erfahrungen mit Demokratie und Zivilgesellschaft hätten, beklagt Björn Sundell im Vorfeld der ... » mehr
Noch nie zuvor sei die EU bereit gewesen, Staaten aufzunehmen, die so wenig Erfahrungen mit Demokratie und Zivilgesellschaft hätten, beklagt Björn Sundell im Vorfeld der morgigen Entscheidung über die Mitgliedschaft Rumäniens und Bulgariens. "Bulgarien und Rumänien versuchen eifrig, die Welt zu überzeugen, dass sie äußerste Anstrengungen unternehmen, um die Anforderungen der EU nach Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu erfüllen. Berichte über grassierende Korruption, wirtschaftliche Ineffizienz und Verstöße gegen Menschenrechte werden als übertrieben oder missverständlich zurückgewiesen. Aber Bulgarien und Rumänien sind einfach nicht reif für einen EU-Beitritt am 1. Januar 2007... Die EU kann Einfluss auf Kandidatenländer ausüben, aber es fehlt ihr an effektiven Mechanismen zu garantieren, dass ein Land nach seinem Beitritt die Menschrenrechte respektiert – und solche Mechanismen sollte die EU rasch entwickeln."
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taz - Deutschland | Donnerstag, 6. Juli 2006
"Die Mafia in Bulgarien ist nicht Teil des Staates, sondern der Staat Teil der Mafia", schreibt der Schriftsteller Ilija Trojanow über das Land, das im ... » mehr
"Die Mafia in Bulgarien ist nicht Teil des Staates, sondern der Staat Teil der Mafia", schreibt der Schriftsteller Ilija Trojanow über das Land, das im kommenden Jahr EU-Mitglied werden will. "Die bulgarische Mafia ist ein Resultat der totalitären Vergangenheit. In Sizilien formte sich die Mafia, als das Habsburger Imperium sich zurückzog und die Mehrheit seiner Angestellten in Armee und Polizei arbeitslos wurde. Die Mafia wurde in der Folgezeit zu einem Annex des Staates. In Ländern wie Bulgarien oder Russland hingegen gründet die Macht der Mafia auf die Allmacht der Kommunistischen Partei und der Staatssicherheitsdienste. Die Nomenklatura erschuf eine parallele Schattenwirtschaft, um mit Waffen, Drogen und allem möglichen anderen zu handeln, vor allem, um Devisen zu verdienen. Und als die Wende kam, erwiesen sich diese Strukturen als sehr nützlich, durch vielfältige Metamorphosen und Mutationen das geraubte Volksvermögen in privates Kapital umzuwandeln... Die hierarchische Struktur des Imperiums mit dem Zentrum in Moskau spiegelt sich in den heutigen Mafianetzen wider, denn die Nabelschnur ist noch nicht durchtrennt."
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Polityka - Polen | Mittwoch, 8. November 2006
Bulgarienkorrespondentin Jagienka Wilczak nimmt die Situation der Roma sowie der türkischstämmigen Minderheit in Bulgarien unter die Lupe: » mehr
Bulgarienkorrespondentin Jagienka Wilczak nimmt die Situation der Roma sowie der türkischstämmigen Minderheit in Bulgarien unter die Lupe: "Die Kriminalität von Roma nimmt zu und das weckt Ängste: heute fürchten sich die Bulgaren vor den Roma. Das Vorurteil, Roma wollten sich nicht verändern und die Bulgaren würden bald zur Minderheit, vertieft sich... Aus einem Bericht über Minderheiten geht hervor, dass Armut und Arbeitslosigkeit zu einem ethnischen Problem werden. Unter den bereits Armen - das sind vor allem Roma und Türken - verschärft sich das Problem noch. Bulgarien war immer ein multikulturelles Land, doch jetzt kommt es zum Bruch. Die Roma radikalisieren sich aus sozialen Gründen, und immer häufiger fühlen sie sich zum radikalen Islam hingezogen. Auch unter den Türken gewinnen Fundamentalisten an Popularität. Bildung bekommen Jugendliche vor allem Dank arabischen Geldes, und später versuchen sie, strenge religiöse Normen einzuführen. Das beunruhigt die Bulgaren."
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La Vanguardia - Spanien | Freitag, 3. November 2006
Der spanische Journalist Valentin Popescu ist beunruhigt, dass Rumänien 2007 EU-Mitglied wird. "Das schwerwiegendste, aber am wenigsten sichtbare Problem ist die unterschiedliche Mentalität. Nach den ... » mehr
Der spanische Journalist Valentin Popescu ist beunruhigt, dass Rumänien 2007 EU-Mitglied wird. "Das schwerwiegendste, aber am wenigsten sichtbare Problem ist die unterschiedliche Mentalität. Nach den 'toten' Jahren der furchtbaren kommunistischen Diktatur und der Schwäche der staatlichen Planwirtschaft hat ein großer Teil der Bevölkerung keinen Sinn für Konkurrenz, der so wichtig für eine Marktwirtschaft ist. Die Menschen sind sich nicht bewusst, dass es ohne Ehrlichkeit und berufliches Verantwortungsgefühl keine Zukunft gibt. Diese gesellschaftliche Schwindsucht hat in der Politik zu Vetternwirtschaft und Machtmissbrauch geführt. Dieses Übel ist allen ehemaligen kommunistischen Ländern gemeinsam. Doch in Rumänien ist die Lage schlimmer als anderswo, weil die menschliche und institutionelle Vorbereitung auf die EU-Mitgliedschaft schuldhaft vernachlässigt wurde."
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Gazeta Wyborcza - Polen | Donnerstag, 7. Dezember 2006
Mehr als 16 Jahre nach dem Fall des kommunistischen Regimes erhält die rumänische Öffentlichkeit Einblick in die Arbeit der berüchtigten Geheimpolizei Securitate. Die rund 1,3 Millionen Securitate-Akten werden schrittweise geöffnet. Vladimir Tismaneanu, Vorsitzender der im April 2006 von Präsident Traian Basescu ernannten Kommission zur Untersuchung der kommunistischen Diktatur in Rumänien und Politikprofessor an der US-Universität von Maryland, plädiert für eine konsequente Enttarnung der Mitarbeiter der Geheimpolizei: » mehr
Mehr als 16 Jahre nach dem Fall des kommunistischen Regimes erhält die rumänische Öffentlichkeit Einblick in die Arbeit der berüchtigten Geheimpolizei Securitate. Die rund 1,3 Millionen Securitate-Akten werden schrittweise geöffnet. Vladimir Tismaneanu, Vorsitzender der im April 2006 von Präsident Traian Basescu ernannten Kommission zur Untersuchung der kommunistischen Diktatur in Rumänien und Politikprofessor an der US-Universität von Maryland, plädiert für eine konsequente Enttarnung der Mitarbeiter der Geheimpolizei: "Wir führen Krieg gegen die Amnesie - und das ist richtig so. Wenn jemand heute von einer Hexenjagd spricht, dann ist das ein völliges Missverständnis. 'Hexen' waren unschuldige Frauen, die man angeprangert, gequält und oft mit wahnsinnigen Ritualen ermordet hat. Geheimdienst-Informanten dagegen arbeiteten aktiv für das Böse... Es ist Zeit, die Akten von allen heutigen Machthabern und Politikern zu öffnen. Wir brauchen völlige Klarheit und die ganze Wahrheit. Das Lügennetz, mit dem wir heute zu tun haben, wird immer enger... In solch einer Atmosphäre von Unklarheit gedeihen der Populismus und andere demagogisch-autoritäre Versuchungen wunderbar."
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taz - Deutschland | Mittwoch, 13. Dezember 2006
Ivaylo Ditchev, Professor für Kulturanthropologie in Sofia, beschreibt den zunehmenden Nationalismus in Bulgarien, der eine weitere Schattierung der anti-europäischen Färbung Osteuropas darstellt. "Wir haben hier gegenwärtig den Nationalismus von rechts, der sich gegen Russland als vermeintlich noch immer irgendwie kommunistisches Land richtet, und wir haben den Nationalismus von links, der den Feind in den USA sieht. Zusätzlich findet sich eine fremdenfeindliche Variante, basierend auf dem Rassismus gegen die Roma, und die Kulturschaffenden spinnen weiter an ihren Geschichten über glorreiche Sagen der Thraker oder der protobulgarischen Khans. All diese Stränge laufen in einem allgemeinen Lifestyle-Nationalismus zusammen... Der Lifestyle-Nationalismus nun ist nicht moralischer, sondern ästhetischer Natur. Er basiert vor allem auf der eklektischen Aneignung von Repräsentationen und Emblemen. Mit Erich Fromm gesprochen: » mehr
Ivaylo Ditchev, Professor für Kulturanthropologie in Sofia, beschreibt den zunehmenden Nationalismus in Bulgarien, der eine weitere Schattierung der anti-europäischen Färbung Osteuropas darstellt. "Wir haben hier gegenwärtig den Nationalismus von rechts, der sich gegen Russland als vermeintlich noch immer irgendwie kommunistisches Land richtet, und wir haben den Nationalismus von links, der den Feind in den USA sieht. Zusätzlich findet sich eine fremdenfeindliche Variante, basierend auf dem Rassismus gegen die Roma, und die Kulturschaffenden spinnen weiter an ihren Geschichten über glorreiche Sagen der Thraker oder der protobulgarischen Khans. All diese Stränge laufen in einem allgemeinen Lifestyle-Nationalismus zusammen... Der Lifestyle-Nationalismus nun ist nicht moralischer, sondern ästhetischer Natur. Er basiert vor allem auf der eklektischen Aneignung von Repräsentationen und Emblemen. Mit Erich Fromm gesprochen: Man lebt ihn nicht, man hat ihn. Seine Popularität speist sich infolgedessen vorrangig aus dem geschickten Einschmuggeln des Nationalen in eine globale Konsumkultur."
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Positive Stimmen
Le Soir - Belgien | Donnerstag, 28. September 2006
"Europa ist schön mit all seiner Vielfalt", schreibt Maroun Labaki zur Ankündigung, dass Bulgarien und Rumänien 2007 der EU beitreten werden. "Mit 30 Millionen Bulgaren und Rumänen nähern wir uns einer halben Milliarde EU-Bürger. Was für Menschen, was für Schicksale, welch menschlicher Reichtum! Wir bekommen auch zu unserer sprudelnden Reagenzglaskultur ein Alphabet dazu - das kyrillische. Aber Europa profitiert nicht von seiner Vielfalt. Da man sich nicht einig ist, wie es auf eine neue Art und Weise funktionieren könnte, da man sich nicht auf eine neue Verfassung verständigt, klappte es schon mit 25 Mitgliedern nicht mehr so gut. Mit 27 wird es da nicht besser. Deshalb muss alles auf den Tisch: » mehr
"Europa ist schön mit all seiner Vielfalt", schreibt Maroun Labaki zur Ankündigung, dass Bulgarien und Rumänien 2007 der EU beitreten werden. "Mit 30 Millionen Bulgaren und Rumänen nähern wir uns einer halben Milliarde EU-Bürger. Was für Menschen, was für Schicksale, welch menschlicher Reichtum! Wir bekommen auch zu unserer sprudelnden Reagenzglaskultur ein Alphabet dazu - das kyrillische. Aber Europa profitiert nicht von seiner Vielfalt. Da man sich nicht einig ist, wie es auf eine neue Art und Weise funktionieren könnte, da man sich nicht auf eine neue Verfassung verständigt, klappte es schon mit 25 Mitgliedern nicht mehr so gut. Mit 27 wird es da nicht besser. Deshalb muss alles auf den Tisch: Was wollen wir zusammen tun? Und wer will weiter gehen, auch um den Preis, dass Souveränität an die Union übertragen wird?"
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Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Dienstag, 26. September 2006
"Ob der Aufregung um die Erfüllung der Aufnahmekriterien geriet in den Hintergrund, dass mit Bulgarien und Rumänien nach Griechenland und Zypern zwei weitere Länder mit ... » mehr
"Ob der Aufregung um die Erfüllung der Aufnahmekriterien geriet in den Hintergrund, dass mit Bulgarien und Rumänien nach Griechenland und Zypern zwei weitere Länder mit christlich-orthodoxer Bevölkerungsmehrheit zur EU stoßen werden", schreibt Balkan-Korrespondent Martin Woker. "Im balkanischen Kontext ist diese europäische Integrationsleistung beachtlich. Eine der Frontlinien im jüngsten Balkankrieg, jene zwischen Serben und Kroaten, verlief immerhin entlang des beidseits gezielt angestachelten Gegensatzes zwischen Orthodoxen und Katholiken. Dass Europa solche historischen Bruchstellen zu überwinden vermag, ist ein Zeichen der Reife. Offen bleibt allerdings, ob Bosnien-Herzegowina, Albanien und womöglich Kosovo als Europas einzige Länder mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit ein ähnlich leichtes Spiel haben. Die Zeichen stehen leider anders."
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Kathimerini - Griechenland | Montag, 18. Dezember 2006
"Es wird die größte Veränderung auf dem Balkan seit dem Zusammenbruch des Kommunismus 1989 sein, wenn Bulgarien und Rumänien am 1. Januar 2007 der EU ... » mehr
"Es wird die größte Veränderung auf dem Balkan seit dem Zusammenbruch des Kommunismus 1989 sein, wenn Bulgarien und Rumänien am 1. Januar 2007 der EU beitreten", bemerkt Nikos Konstandaras. "Es ist der Beginn einer neuen Epoche der Möglichkeiten - aber auch der schwierigen Herausforderungen für Griechenland. Die Zukunft unseres Landes wird davon abhängen, ob wir bereit sind, diese Möglichkeiten zu ergreifen, und ob wir fähig sind, uns von den Vorstellungen der Vergangenheit zu lösen... Wenn Bulgarien und Griechenland der EU beitreten, wird sich das Hinterland, in dem die Griechen in der Vergangenheit eine herausgehobene Stellung hatten, in beispielloser Weise öffnen. Die Möglichkeiten für eine friedliche Koexistenz und eine wirtschaftliche Entwicklung waren noch nie so gut. Aber Griechenland wird sich auch damit auseinandersetzen müssen, dass die neuen EU-Mitglieder niedrigere Löhne und viele Arbeitswillige haben."
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Arbeitnehmerfreizügigkeit
Sme - Slowakei | Donnerstag, 26. Oktober 2006
Die bulgarische Chefunterhändlerin für den EU-Beitritt und künftige EU-Kommissarin ihres Landes, Maglena Kuneva, äußert sich enttäuscht darüber, dass sich die meisten alten EU-Länder gegen Arbeitskräfte aus Bulgarien abschotten wollen. Im Interview mit Stefan Hudec sagt sie: » mehr
Die bulgarische Chefunterhändlerin für den EU-Beitritt und künftige EU-Kommissarin ihres Landes, Maglena Kuneva, äußert sich enttäuscht darüber, dass sich die meisten alten EU-Länder gegen Arbeitskräfte aus Bulgarien abschotten wollen. Im Interview mit Stefan Hudec sagt sie: "Die Freizügigkeit der Menschen gehört zu den Grundpfeilern der EU. Auf der einen Seite wollen wir höhere Konkurrenzfähigkeit und auf der anderen Seite schlagen wir uns gegenseitig die Türen vor der Nase zu. Die Großzügigkeit der Briten, Iren und Schweden gegenüber den zehn letzten Beitrittsländern war für mich in Bulgarien ein gern benutztes Argument für die EU. Ich habe erwartet, dass man sich uns gegenüber genauso verhält. Bulgarien ist für niemanden eine Bedrohung."
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The Guardian - Großbritannien | Dienstag, 26. September 2006
Colenzo Jarrett-Thorpe, der die rumänische Regierung bei den Beitrittsvorbereitungen beraten hat, meint, nach neuesten Studien bestehe keine Gefahr, dass Großbritannien von Arbeitssuchenden aus den neuen ... » mehr
Colenzo Jarrett-Thorpe, der die rumänische Regierung bei den Beitrittsvorbereitungen beraten hat, meint, nach neuesten Studien bestehe keine Gefahr, dass Großbritannien von Arbeitssuchenden aus den neuen EU-Ländern "überrannt" wird. "Nach einer Umfrage, die Gallup International für das bulgarische Arbeitsministerium gemacht hat, wollen nur 46.000 Menschen ernsthaft im Ausland arbeiten. Als bevorzugtes Ziel werden Spanien, Deutschland, Italien und Griechenland vor Großbritannien genannt... Frankreich und Deutschland haben historische Beziehungen zu Rumänien; Bukarest galt einst als das Paris des Ostens und Carol I., Rumäniens erster König, war ein Deutscher... Die Rumänen sind kein slawisches, sondern ein romanisches Volk. Italienisch, Spanisch und Französisch haben sehr viel mehr mit Rumänisch gemeinsam als Englisch... Gewiss, die Deutschen sind kein romanisches Volk, aber Deutschland ist billiger - viele Rumänen haben mir gesagt, Großbritannien sei einfach zu teuer."
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Lidové noviny - Tschechien | Dienstag, 26. September 2006
Noch zögert die neue tschechische Regierung, aber aller Wahrscheinlichkeit nach wird Tschechien seinen Arbeitsmarkt ab dem 1. Januar 2007 für Bulgaren und Rumänen öffnen. Der tschechische EU-Kommissar Vladimir Spidla, in Brüssel zuständig für Arbeit und Soziales, begrüßt das im Interview. "Die Einschränkung der Freizügigkeit von Arbeitskräften ist immer eine schwerwiegende Maßnahme und sollte nur in den allernötigsten Fällen angewendet werden. Außerdem gilt: » mehr
Noch zögert die neue tschechische Regierung, aber aller Wahrscheinlichkeit nach wird Tschechien seinen Arbeitsmarkt ab dem 1. Januar 2007 für Bulgaren und Rumänen öffnen. Der tschechische EU-Kommissar Vladimir Spidla, in Brüssel zuständig für Arbeit und Soziales, begrüßt das im Interview. "Die Einschränkung der Freizügigkeit von Arbeitskräften ist immer eine schwerwiegende Maßnahme und sollte nur in den allernötigsten Fällen angewendet werden. Außerdem gilt: Je früher wir die Beschränkungen aufheben, desto besser für alle EU-Länder und die europäische Wirtschaftsentwicklung insgesamt." Auf die Frage, ob er auch die viel zitierte Erweiterungsmüdigkeit in Brüssel spüre, antwortet Spidla: "Dass in Europa die Erweiterungsangst umgeht, würde ich so radikal nicht sagen. Es ist aber dennoch klar, dass mit dem Beitritt von Rumänien und Bulgarien eine Etappe zu Ende geht, da der geltende Vertrag von Nizza eine weitere Ausdehnung ausschließt."
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