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Verteilung der nachgewiesenen Erdgas-Reserven
Wie haben sich die Erdgasreserven in den vergangenen 20 Jahren entwickelt? Der Nahe Osten, Europa und Eurasien verfügen mit Abstand über die größten Anteile an den weltweiten Erdgas-Reserven. Der abnehmenden Erschließung von neuen Gasfeldern steht eine gesteigerte Energienachfrage gegenüber.
Fakten
Die weltweit nachgewiesenen Erdgas-Reserven haben sich von 96,4 Billionen Kubikmeter im Jahr 1984 über 142,9 Billionen Kubikmeter 1994 auf 179,5 Billionen Kubikmeter im Jahr 2004 erhöht. Im Jahr 2004 verfügten der Nahe Osten (40,6 Prozent) sowie Europa und Eurasien (35,7 Prozent) über die mit Abstand größten Anteile an den weltweiten Erdgas-Reserven. Während sich im asiatisch-pazifischen Raum und in Afrika noch knapp acht Prozent der Erdgas-Reserven befanden, hatten Nordamerika sowie Mittel- und Südamerika im Jahr 2004 lediglich einen Anteil von jeweils etwa vier Prozent an den Erdgas-Reserven.
Wie beim Erdöl kann die Erhöhung der absoluten Erdgas-Reserven in der Vergangenheit nicht darüber hinweg täuschen, dass der abnehmenden Erschließung von neuen Gasfeldern eine Steigerung der Energienachfrage gegenüber steht. Der Punkt, an dem die Entnahmemenge über dem Zuwachs der Reserven liegt, rückt demnach auch beim Erdgas näher. Längerfristig kann Erdgas die Endlichkeit des Erdöls nicht kompensieren.
Nach Schätzungen des Energiekonzerns BP ist die Lücke zwischen der Entwicklung des Reservebestandes und steigendem Verbrauch beim Erdgas nicht mehr besonders groß: Von 2004 auf 2005 erhöhte sich der Reservebestand um lediglich 0,83 Billionen Kubikmeter, wobei der jährliche Verbrauch im Jahr 2005 bei etwa 2,75 Billionen Kubikmeter lag.
Laut den Berechnungen von BP, bei denen die Erdgas-Reserven auf die jährliche Produktion bezogen werden, dauert es unter sonst gleich bleibenden Bedingungen nur noch 65,1 Jahre bis die Erdgas-Reserven komplett aufgebraucht sind. 1981 lag dieser Wert bei knapp 60 Jahren. Die Erschließung von Gasfeldern hat diesen Wert bis zum Jahr 2001 auf 70 Jahre erhöht.
Könnten die einzelnen Regionen lediglich auf ihre eigenen Reserven zurückgreifen, würde es keine zehn Jahre dauern bis ganz Nordamerika ohne Gas auskommen müsste; die Region Europa und Eurasien läge knapp unter dem weltweiten Durchschnitt. Nur der gasreiche Nahe Osten könnte mit seinen Reserven noch knapp 250 Jahre gleichbleibend viel Erdgas verbrauchen.
Wie beim Erdöl weisen auch beim Erdgas kritische Stimmen darauf hin, dass die Zahlen der Energiekonzerne, aus denen die Endlichkeit der Ergas-Reserven bereits klar hervorgeht, als zu optimistisch angesehen werden können. Hierfür sei in erster Linie das Problem verantwortlich, dass sich die Höhe der Reserven positiv auf die Bilanzen und damit den Börsenwert der Unternehmen auswirkt und die Versuchung groß sei, im Zweifelsfall von höheren Reservebeständen auszugehen.
Auch für die Förderländer von Erdgas wird angenommen, dass diese ein Interesse an hohen Reservebeständen hätten, um das Vordringen alternativer Energien einzudämmen. Wie beim Erdöl würde es auch beim Erdgas an objektiven Daten fehlen, da die vorhandenen Angaben in einem Umfeld ökonomischer und politischer Interessen gemacht werden.
Datenquellen
British Petroleum (BP): Statistical Review of World Energy 2005
Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen
Erdgas-Reserven sind grundsätzlich von Erdgas-Ressourcen zu unterscheiden. Als Erdgas-Ressourcen werden alle Vorkommnisse von Erdgas bezeichnet, unabhängig davon, ob sie förderbar oder überhaupt entdeckt sind. Nur die Erdgas-Ressourcen, die mit gegebener Technik und bei geltenden Preisen als förderbar eingeschätzt werden, werden als Erdgas-Reserven bezeichnet.
Verteilung der nachgewiesenen Erdgas-Reserven
In absoluten Zahlen und Anteile in Prozent, 1984, 1994 und 2004
| Erdgas-Reserven, in Billionen Kubikmeter | |||
| 1984 | 1994 | 2004 | |
| Welt* | 96,39 | 142,89 | 179,53 |
| Naher Osten | 27,38 | 45,58 | 72,83 |
| Europa und Eurasien | 42,03 | 63,87 | 64,02 |
| asiatisch-pazifischer Raum | 7,04 | 10,0 | 14,21 |
| Afrika | 6,17 | 9,15 | 14,06 |
| Nordamerika | 10,51 | 8,43 | 7,32 |
| Mittel- und Südamerika | 3,28 | 5,86 | 7,1 |
| Anteile an den weltweiten Reserven, in Prozent | |||
| 1984 | 1994 | 2004 | |
| Welt* | 100 | 100 | 100 |
| Naher Osten | 28,04 | 31,9 | 40,6 |
| Europa und Eurasien | 43,6 | 44,7 | 35,7 |
| asiatisch-pazifischer Raum | 7,3 | 7,0 | 7,9 |
| Afrika | 6,4 | 6,4 | 7,8 |
| Nordamerika | 10,9 | 5,9 | 4,1 |
| Mittel- und Südamerika | 3,4 | 4,1 | 4,0 |
*Abweichungen rundungsbedingt möglich
Original in Deutsch
Erstveröffentlichung in Bundeszentrale für politische Bildung » www.bpb.de/wissen
© Bundeszentrale für politische Bildung
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