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Die gleiche Sprache sprechen
von Nikola Richter
Die Sprachkenntnisse von Immigranten stehen immer häufiger im Mittelpunkt der europäischen Integrationsdebatten: Wird nur aufgenommen und eventuell eingebürgert, wer sich in der neuen Landessprache verständigen kann?
Wer sich in Deutschland einbürgern lassen will, muss seit 1. September 2008 einen Einbürgerungstest bestehen: Er besteht unter anderem aus Fragen zum deutschen Grundgesetz, zum politischen System, zur Gleichberechtigung, zu Geschichte und Kultur.

Ähnliche Tests gibt es auch in Österreich, Großbritannien und in den Niederlanden. Die Schweizer Tageszeitung Neue Zürcher Zeitung sah darin am 24. Juli 2008 den "Abschied vom Multikulti-Denken", das sich bis zur Jahrhundertwende hartnäckig gehalten habe.
Sprachprüfungen
Oft wird die Einbürgerung nicht nur von einem Wissenstest, sondern vor allem von Sprachprüfungen abhängig gemacht. Die Tageszeitung Dagens Nyheter setzte sich am 9. Juni 2008 dafür ein: Ausländer, die gut Schwedisch sprächen, sollen schon nach zwei Jahren im Land die Staatsbürgerschaft beantragen können. Ebenso überlegte die schwedische Tageszeitung Sydsvenska Dagbladet am gleichen Tag, ob es Schweden nicht auch so wie andere europäische Staaten halten und Staatsbürgerschaft an den Nachweis von Sprachkenntnissen koppeln sollte. So fordern zum Beispiel Lettland, Litauen und Estland Grundkenntnisse in ihren Landessprachen; in Großbritannien reicht es den "Life in the UK"-Test zu bestehen, um nachzuweisen, dass man mit seinen Mitbürgern kommunizieren kann. Sprachkenntnisse im Schottisch-Gälischen oder Walisischen können allerdings die notwendigen Englisch-Kenntnisse ersetzen.
Sogar in Luxemburg, einem Land mit drei Landessprachen - Lëtzebuergesch, Französisch und Deutsch - schlugen die Behörden vor, das Staatsbürgerrecht zu reformieren, indem Kenntnisse von Lëtzebuergesch nachzuweisen wären. Der Schriftsteller David Wagner wies am 28. April 2008 in der Wochenzeitung Woxx auf die Absurdität dieses Vorstoßes hin: "Wir unterscheiden uns von vielen anderen Ländern dadurch, dass das Luxemburgische nur als eine Sprache neben anderen gesprochen wird. Man kann hier leben, ohne es zu können, aus dem einfachen und guten Grunde, dass die Luxemburger selbst polyglott sind." Die dänische Tageszeitung Information dachte diese Forderung nach einem idealen und nicnt nur sprachlich völlig angepassten neuen Staatsbürger zynisch weiter. Einwanderern, die sich in Dänemark niederlassen wollten, gab sie den Rat: "Sollten Sie rechtmäßig Kinder mitgebracht haben, geben Sie sie bitte bei unserem Belehrungs- und Erziehungsausschuss ab, der dann eine passende Familie oder einen anderen Platz für sie finden wird. Denken Sie daran, sich eine Abgabebestätigung geben zu lassen, damit sie das Kind wieder abholen können, wenn es 18 Jahre alt geworden ist. Es ist erlaubt, exotische Essgewohnheiten mitzubringen. Viel Vergnügen mit ihrem neuen Leben."
Verankerung im Grundgesetz?
Weiterhin diskutiert die europäische Presse die Sprachkenntnisse der europäischen Zuwanderer, so etwa die österreichische Tageszeitung Kurier am 24. Juni 2008: "Wer nach Österreich zuwandern möchte, muss in Zukunft bereits vor der Einreise über Grundkenntnisse der deutschen Sprache verfügen." Der österreichische Innenminister Günther Platter übernahm damit ein deutsches Modell. Hier muss man bereits seit dem Inkrafttreten des ersten deutschen Zuwanderungsgesetzes am 1. Januar 2005 Grundkenntnisse nachweisen. Die deutsche Tageszeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung unterstützte am 8. Dezember 2008 sogar den Antrag der christdemokratischen Partei CDU für eine Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz: "Eine unziemliche Bedrängung ethnischer Minderheiten wäre die Ergänzung des Grundgesetzes nicht. Ein 'Assimilierungsdruck' geht vom geplanten Satz nicht aus, doch er wäre eine unbestreitbare Integrationsrichtlinie. ... Er bewahrt in Zeiten der Internationalisierung und Globalisierung die Eigenheit Deutschlands, die seine Bürger seit jeher prägt und seine Literatur überhaupt erst ermöglicht. Was vielen unserer europäischen Nachbarstaaten recht ist, sollte uns verfassungspolitisch nicht unrecht sein."
Anti-Diskriminierungskurse
Im Alltag stellt sich eher die Frage, welche Bedeutung Sprachkenntnisse für eine erfolgreiche Integration haben, auch in Bezug auf bereits lange im Land lebende Minderheiten wie die Russen in Estland. Dort forderte die russischstämmige Journalistin Jevgenia Garanza am 14. Mai 2008 in der estnischen Tageszeitung Eesti Päevaleht, ungefähr ein Jahr nach den Krawallen um die Versetzung eines sowjetischen Kriegerdenkmals in Tallinn, auch von der russischen Minderheit mehr Bemühungen um Integration, vor allem in sprachlicher Hinsicht: "Das Problem liegt nicht bei den Kindern, sondern bei den Lehrern. Wir brauchen neue Lehrpläne mit mehr Estnisch-Stunden und eine neue Lehrergeneration, die auch in den russischen Schulen auf Estnisch unterrichten können."
Die Sprachkenntnisse von Migranten sind natürlich nur eines der vielen Themen, die der Sprachenvielfalt der EU geschuldet sind: Die Debatten reichen vom innenpolitischen Sprachenstreit in Belgien bis zur Auseinandersetzung über den politisch korrekten, verbalen Umgang miteinander, bei offiziellen Anlässen aber auch bei alltäglicher Kommunikation. Nachdem Prinz Harry im Jahr 2006 einen Militärkollegen abwertend als "unseren kleinen Paki-Freund" bezeichnet hatte und diese Äußerung im Januar 2009 auf einem Video publik wurde, musste der britische Thronfolger einen Anti-Diskriminierungskurs besuchen.

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