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Das Schweigen der Archive

von Francisco Espinosa Maestre


In Spanien bestimmen die politischen Kräfte nicht nur die Auseinandersetzung mit der Franco-Diktatur, sondern auch den Umgang mit Archiven.


Halb Spanien steht unter dem langen Schatten des Bürgerkrieges, der in den Jahren 1936 bis 1939 Hundertausende Menschenleben gekostet hat. In dieser Zeit kämpften die Truppen von General Franco die linksgerichtete Regierung nieder, um eine Diktatur zu errichten. An den Orten, wo der Militärputsch und die Ermordung von politischen Gegnern Spuren hinterlassen haben, wird heute geschwiegen. Um den politischen Prozess, den Spanien seit dem Tod Francos 1975 durchlief, nicht zu gefährden, versuchte man, mit der Vergangenheit abzuschließen und redete fortan nur noch vom "früheren Regime".

Kisten mit Dokumenten über den spanischen Bürgerkrieg im Nationalarchiv Kataloniens in Sant Cugat del Valles.

Foto: AP/Manu Fernandez


Die reformistische Rechte, die diesen Prozess vorantrieb, machte von Beginn an deutlich, dass sie sich aus der Vergangenheit keinen Strick drehen lassen würde. Eine erste Maßnahme war daher die Amnestie für bestimmte ab 1936 begangene Vergehen: Darunter fielen sowohl Rebellion und Aufstand als auch solche Straftaten, die "von Funktionären und Vertretern der öffentlichen Ordnung gegen die Ausübung der Bürgerrechte" begangen worden waren. Das Prinzip, demzufolge die erste Pflicht der Demokratie die Erinnerung ist, wurde außer Kraft gesetzt, um den politischen Prozess nicht zu gefährden. Oder wie es der andalusische, in Frankreich lebende Schriftsteller Agustín Gómez Arcos ausdrückte: "Die Diktatur hat das Erinnern verboten, die Demokratie verhindert es."

Befehl, die Archive zu zerstören

Die Folgen dieser Politik hatten einen starken Einfluss auf den Umgang mit Archiven. Anstatt das dokumentarische Erbe zu schützen, entschied man sich für dafür, es nicht zu beachten oder gar zu zerstören. Als 1977 die faschistische Staatspartei Falange im Zuge der Demokratisierung aufgelöst wurde, befahl der Innenminister und Ex-Falangist Rodolfo Martín Villa die Vernichtung der Partei-Archive. Sie enthielten Dokumente über diejenigen, die vier Jahrzehnte lang dem spanischen Faschismus gedient hatten. "Sie rochen unerträglich nach Vergangenheit", erklärte der Zivilgouverneur Barcelonas nach ihrem Verschwinden. Andere Archive mussten nicht zerstört werden; sie zersetzten sich, als man sie mit Luft in Kontakt brachte. Dieses Schicksal ereilte zahlreiche Kommunalarchive.

Mit dem "Gesetz über das historische Erbe" im Jahr 1985 etablierte sich diese Methodik, den Zugang zu erschweren. Es war absichtlich zweideutig gehalten: Einerseits sollte es die Aufarbeitung der Archive ermöglichen, andererseits blieb unklar, ob bei einzelnen Archivanfragen das Grundrecht auf Information oder das Grundrecht auf Recht und Privatsphäre ["Derecho al Honor y a la Intimidad"] den Vorrang haben sollte. Weiterhin ließ das Gesetz offen, ob ein Dokument nach seinem eigenen Datum oder nach dem des letzten Dokuments der Akte archiviert werden sollte. Diese Situation bereitete in den 1980er und 1990er Jahren unzähligen Forschern und Archivaren Kopfzerbrechen.

Strukturen reformieren

Ende der 1990er wurde die Struktur der spanischen Archive reformiert. Scheinbar lagen nun alle unter einem Dach. Das machte sich gut auf dem Papier, aber die Wirklichkeit sah anders aus. Die Grundübel bestanden fort. Daniel de Ocaña Lacal, Archivar des Verfassungsgerichts, veranlassten sie zu der Feststellung: Wenn sich die Art und Weise, den Zugang zu Archiven zu regeln, auch in anderen Rechtsgebieten durchsetzte, würde Spanien zum primitiven Staat zurückkehren. Als Beweis dessen reicht der Blick auf die erbärmliche Situation und den Zustand der Militärarchive, in deren Besitz sich Schlüsselbestände über den Bürgerkrieg und die Diktatur befinden. Die für diese Archive Verantwortlichen stellen nicht einmal Grundbedingungen her, um diesen Dokumentenfundus zu verwalten.

Keine kohärente Politik

Angesichts dieser Situation müssen wir Historiker einen echten "Kampf um die Geschichte" führen – um einen Begriff des französischen Historikers Lucien Febvre ["Combats pour l'Histoire", 1953] aufzugreifen. Wir müssen dem dokumentierten Erbe Stück für Stück kleine Parzellen abgewinnen. Obwohl sich die Situation gebessert hat, bestehen immer noch schwerwiegende strukturelle Probleme. Es fehlt eine kohärente Politik, die in der Lage wäre, ein wenig Ordnung und Vernunft in die Archivlandschaft Spaniens zu bringen. Aus Forschersicht erscheint alles schleppend und ohne klares Ziel.

 
Francisco Espinosa Maestre
Der Historiker Francisco Espinosa Maestre wurde 1954 in Villafranca de los Barros (Badajoz) geboren und lebt in Sevilla. Espinosa Maestre koordiniert das Projekt "Alle Namen" ...
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Übersetzung
Aline-Sophia Hirseland

Original in Spanisch

Creative Commons-Lizenz by-nc-nd/2.0/de.

Der Text ist lizenziert unter der Creative Commons-Lizenz by-nc-nd/2.0/de.

 

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