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Medienkonzentration in Europa
von Bernd Malzanini
Meinungsvielfalt, Informationsfreiheit und Pluralismus: Medien gelten als vierte Gewalt im Staat. Aber große Medienkonzerne sind heute transnational tätig und drängen immer häufiger nationale Medienunternehmen vom Markt. Bernd Malzanini erläutert, welche Medienunternehmen in Europa den größten Einfluss auf die Meinungsbildung haben.
ProSiebenSat.1 Media übernimmt die skandinavische SBS Broadcasting, ProSiebenSat.1 bläst zum Angriff auf Österreich, RTL und ProSieben bieten für türkische Sender, Canal Plus zeigt Interesse an Premiere: Dies sind nur einige Schlagzeilen, die in den letzten Monaten für ein Phänomen stehen, das nicht nur für die Medienbranche symptomatisch ist.

Foto: Photocase
Nationale Unternehmensverbände, grenzüberschreitende Kooperationen bis hin zu globalen Zusammenschlüssen führen zu immer größeren wirtschaftlichen Konglomeraten.
Doch was genau unterscheidet die eingangs bezeichneten Unternehmen von anderen transnational agierenden Firmen? Sie verkaufen keine Energie, sie stellen keine Autos her, vertreiben weder Textilien noch Nahrungsmittel. Den Konzernen, von denen hier die Rede sein soll, kommt eine besondere Eigenschaft zu: Sie drucken Zeitschriften, sie produzieren Filme, sie betreiben Radio- und Fernsehsender und nehmen damit Einfluss auf die öffentliche Meinung.
So zählt beispielsweise die Bertelsmann AG mit einem Umsatz von 19,3 Mrd. Euro im Jahr 2006 zu den weltweit größten Medienkonzernen. Mehr als zwei Drittel der Umsätze werden außerhalb Deutschlands erwirtschaftet. Bertelsmann bezeichnet sich als "internationalstes Medienunternehmen der Welt" und ist in 63 Ländern vertreten.
Zu den Unternehmensbereichen zählen Random House (Buchverlage), Gruner + Jahr (Zeitungen, Zeitschriften), BMG (Tonträger), Arvato (Druck, Dienstleistungen, Informationstechnologie, Speichermedien) und die Direct Group (Buch- und Musikclubs, Online-Shops). Nach eigener Darstellung ist Random House die weltweit größte Buchverlagsgruppe, Gruner + Jahr Europas führender Zeitschriftenverlag und Sony BMG das weltweit zweitgrößte Musikunternehmen; die Buch- und Musikclubs der Direct Group sind in allen Teilmärkten und international die Nummer Eins.
"Cashcow" und damit die gewinnbringendste Branche des Unternehmens ist die RTL Group, der europaweit größte Rundfunkanbieter mit 39 TV- und 32 Radiostationen in 10 Ländern sowie ca. 30 Produktionsfirmen in 40 Ländern. Sie erwirtschaftet den größten Anteil am Umsatz der Bertelsmann AG. Zur Fernsehsparte gehören in Deutschland RTL, RTL 2, Super RTL, VOX, n-tv, RTL Shop und Traumpartner TV. Die Gruppe betreibt digitale kostenpflichtige Angebote wie Video-on-Demand (RTL Now), Handy-TV, IPTV und Online Communities.

Über eine weitere starke Marktposition in Europa verfügt nach dem Zusammenschluss mit Scandinavian Broadcasting System die ProSiebenSat.1 Group. Die Aktivitäten der Gruppe umfassen 24 Free-TV-Sender in 12 Ländern, 24 Pay-TV-Sender in 5 Ländern, 22 Radionetzwerke und 8 selbständige Radiostationen in 7 europäischen Ländern. Das Unternehmen ist im Online- und Mobilebereich tätig und gibt eine Zeitschrift in den Niederlanden heraus. Die Fernsehprogramme erreichen europaweit mehr als 200 Millionen Zuschauer.

Die Axel Springer AG ist Europas größter Zeitungskonzern. Sie erreicht allein in Deutschland mehr als 35 Millionen Menschen täglich und gibt mehr als 150 Zeitungen (regional und national) und Zeitschriften in 27 Ländern heraus. In Frankreich verlegt Springer 5 Zeitschriften, in Spanien 10, in Ungarn 20 Zeitschriften und 10 Regionalzeitungen, in Polen 15 Zeitschriften und eine Zeitung, in Rumänien 10 Zeitschriften, in der Schweiz eine Zeitung und 7 Zeitschriften, in Tschechien 6 Zeitschriften, in Russland ein Magazin und 2 Zeitungen. Hinzu kommen Beteiligungen im Radio- und Fernsehbereich, Druckereien und Postdienstleistungen.
Zu den weiteren europaweit agierenden Konzernen gehören z. B. auch die Zeitungsgruppe WAZ und die französische Gruppe Lagardère Media. Aber auch die amerikanischen Unternehmen Walt Disney, Viacom, NBC und Rupert Murdochs News Corporation sind in Europa tätig.
Die Darstellung zeigt, dass die Mehrzahl der größten europäischen Medienunternehmen Aktivitäten auch außerhalb der ursprünglichen Heimatmärkte entfalten. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen sind die nationalen Märkte zunehmend gesättigt und gesetzliche Vorschriften lassen das Wachstum oder Zusammenschlüsse auf nationaler Ebene nicht mehr zu. So wurde beispielsweise 2006 dem Axel Springer Verlag sowohl vom Bundeskartellamt als auch von der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) die Übernahme der ProSiebenSat.1 Media AG untersagt. Zum anderen folgen die Unternehmen betriebswirtschaftlichen Gesetzen, indem sie Ressourcen bündeln und durch den Aufbau miteinander verwandter Geschäftsfelder Synergien schaffen und nutzen. Nicht zuletzt sind die Gründe aber auch in der europaweit zu beobachtenden Liberalisierung der Rundfunkmärkte, neuen digitalen Technologien und Übertragungswegen zu sehen.
ist Leiter der Geschäftsstelle der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK)
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