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Populismus - ein Hindernis für politische Sozialisation?

von Florian Hartleb


Häufig fühlen sich Jugendliche von Politikern missverstanden. Parteien und Regierungen scheinen ihnen unglaubwürdig. Hat diese so genannte "Politikverdrossenheit" zur Folge, dass insbesondere junge Menschen Sympathien für populistische Politiker empfinden? Und wie argumentieren die Populisten?


In den Augen vieler deutscher Jugendlicher setzen sich Politikerinnen und Politiker nicht mehr für die unmittelbaren Belange ihrer Wählerinnen und Wähler ein. Sie werden eher als Funktionäre abgehobener Partei- und Regierungsapparate betrachtet. Auch die Funktionalität der Parteien ist für sie unglaubwürdig geworden.

Jörg Haider, Politiker der österreichischen BZÖ, früher FPÖ
Foto: AP


Parteien und Politiker sind offenbar immer weniger dazu in der Lage, der jungen Generation positive Zukunftsvisionen anzubieten, die helfen könnten, Orientierungsschwierigkeiten oder Sinnkrisen zu überwinden.[1] Dies erklärt, weshalb Untersuchungen über die Politische Sozialisation Konjunktur haben. Drei Phänomene treten dabei in den Vordergrund: nachlassende politische Beteiligungsbereitschaft ("Politikverdrossenheit"),[2] Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit[3] sowie die fortbestehenden Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern.[4] Bislang unberücksichtigt in der Forschung blieb gleichwohl die Frage, wie sehr Populismus die politische Sozialisation beeinflusst.

Auf den ersten Blick mag die Unterscheidung von Populismus und Extremismus als Haarspalterei erscheinen. Populismus stellt jedoch keinen Ersatzbegriff für Extremismus dar. Es kann, muss jedoch keineswegs Überschneidungen zwischen beiden geben.[5] Die populistische Dimension ist per se weder demokratisch noch antidemokratisch, sondern ein Aspekt der Mannigfaltigkeit und Diversifizierung politischer Kulturen und Strukturen. Populismus kann mit Demokratie kompatibel sein, auch wenn dies oftmals bestritten und angezweifelt wird. Ist Populismus nun ein Hindernis oder ein wichtiger, vielleicht sogar notwendiger Bestandteil politischer Sozialisation? Diese Frage drängt sich vor dem Hintergrund, dass in der Tagespolitik eine hohe Dichte populistischer Elemente augenfällig ist, geradezu auf und verstärkt sich durch das Aufkommen neuartiger genuin populistischer Parteien in Westeuropa.

[1] Vgl. Klaus Hurrelmann u.a., Eine Generation von Egotaktikern? Ergebnisse der bisherigen Jugendforschung, in: Deutsche Shell (Hrsg.), Jugend 2002. Zwischen pragmatischem Idealismus und robustem Materialismus, Frankfurt/M. 2002, S. 43f.

[2] Vgl. u.a. Kai Arzheimer, Politikverdrossenheit. Bedeutung, Verwendung und empirische Relevanz eines politikwissenschaftlichen Begriffs, Opladen 2002.

[3] Vgl. Wilhelm Heitmeyer, Rechtsextremistische Orientierungen bei Jugendlichen. Empirische Untersuchungsergebnisse und Erklärungsmuster einer Untersuchung zur politischen Sozialisation, Weinheim-München 1995.

[4] Vgl. Dietmar Sturzbecher (Hrsg.), Jugend in Ostdeutschland: Lebenssituationen und Delinquenz, Opladen 2001.

[5] Vgl. Frank Decker, Der neue Rechtspopulismus, Opladen 2004.

 

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Florian Hartleb
Dr. phil., geb. 1979; Politikwissenschaftler; Lehrbeauftragter an der TU Chemnitz
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Original in Deutsch

Veröffentlicht am 10.10.2005

Erstveröffentlichung in Aus Politik und Zeitgeschichte (41/2005)

Creative Commons-Lizenz by-nc-nd/2.0/de.

Der Text ist lizenziert unter der Creative Commons-Lizenz by-nc-nd/2.0/de.

 

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