Die europäische Fähigkeit zur Selbstkritik
Bürgerfeste, Konferenzen und eine Berliner Erklärung - Die EU inszeniert den 50. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge als Jubiläum. Identifizieren sich die Bürger in den 27 Mitgliedsstaaten mit der heutigen Europäischen Union?
Dossiers
Top-Thema vom Freitag, 16. März 2007
Am 25. März 1957 wurden die Römischen Verträge, die Gründungsakte der heutigen Europäischen Union, unterzeichnet. Während die offiziellen Feierlichkeiten vorbereitet werden, blickt die Presse zurück ... » mehr
Am 25. März 1957 wurden die Römischen Verträge, die Gründungsakte der heutigen Europäischen Union, unterzeichnet. Während die offiziellen Feierlichkeiten vorbereitet werden, blickt die Presse zurück auf 50 Jahre Europa.
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Top-Thema vom Dienstag, 9. Mai 2006
Am 9. Mai wird der Europatag begangen - Anlass für viele Zeitungen, über die Zukunft der EU nachzudenken. Im Mittelpunkt steht die europäische Identitätskrise und ... » mehr
Am 9. Mai wird der Europatag begangen - Anlass für viele Zeitungen, über die Zukunft der EU nachzudenken. Im Mittelpunkt steht die europäische Identitätskrise und die Frage nach den Grenzen Europas.
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Stimmen zum Geburtstag
The Independent - Großbritannien | Mittwoch, 21. März 2007
Die britische Tageszeitung druckt heute auf ihrer Titelseite eine unterhaltsame Liste mit 50 Gründen, die EU zu lieben. Der 50. Jahrestag der Römischen Verträge ist Thema des Leitartikels: » mehr
Die britische Tageszeitung druckt heute auf ihrer Titelseite eine unterhaltsame Liste mit 50 Gründen, die EU zu lieben. Der 50. Jahrestag der Römischen Verträge ist Thema des Leitartikels: "Es ist ein schöner Zufall, dass der Geburtstag mitten in die deutsche Ratspräsidentschaft fällt. Gibt es einen schöneren Beweis für das, was die EU erreicht hat, als ein Fest unter dem Brandenburger Tor? Das Symbol der Teilung Europas nach dem Krieg wird nun zum stärksten Symbol für Europas Einheit... In den 50 Jahren ihres Bestehens gab es in der EU mehr Zusammenhalt als Spaltung. Damit hat die EU sich manchmal selbst überrascht. So wurde sie zu einem Modell für internationale Gemeinschaften, das überall auf der Welt bewundert wird. Wenn man es von innen sieht, scheint es vielleicht, als gebe es einen Mangel an Effizienz, Demokratie und gemeinsamen Zielen. Aber unsere kritische Selbstbetrachtung macht uns oft blind für die Verdienste. Das beste Zeugnis für die Attraktivität der Europäischen Union im Alter von 50 Jahren ist die Schlange von Möchtegern-Mitgliedern, die danach rufen, aufgenommen zu werden."
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Dagens Nyheter - Schweden | Mittwoch, 14. März 2007
Die Zeitung nimmt den bevorstehenden 50. Jahrestag der Römischen Verträge am 25. März zum Anlass, den Zustand Europas zu analysieren. Sie sieht dabei die Umsetzung der vom britischen Historiker Timothy Garton Ash aufgestellten Kriterien Freiheit, Frieden, Gesetz, Wohlstand, Vielfalt und Solidarität in den Mitgliedsstaaten kritisch: » mehr
Die Zeitung nimmt den bevorstehenden 50. Jahrestag der Römischen Verträge am 25. März zum Anlass, den Zustand Europas zu analysieren. Sie sieht dabei die Umsetzung der vom britischen Historiker Timothy Garton Ash aufgestellten Kriterien Freiheit, Frieden, Gesetz, Wohlstand, Vielfalt und Solidarität in den Mitgliedsstaaten kritisch: "Die Freiheit wird von Korruption beschnitten, vor allem in den neuen osteuropäischen Mitgliedsländern. In der EU selbst gibt es ebenfalls demokratische Defizite. Der Frieden scheint gesichert, doch Russland weckt derzeit alte Erinnerungen. Als der Balkankrieg begann, mussten die USA zur Hilfe eilen, weil es der EU allein an Kraft fehlte. Recht und Gesetz sind das Fundament einer offenen Gesellschaft. Doch die EU ist weit davon entfernt, perfekt zu sein. Im Osten und Südosten gibt es gesetzlose Gegenden... Überall hat der 'Kampf gegen den Terror' die Rechtsicherheit aufgeweicht. Der Wohlstand ist zwar groß, aber ungerecht verteilt. Die Vielfalt ist Europas politische Schwäche und gleichzeitig ihre kulturelle Stärke. Die Solidarität hat zwar zur Erweiterung der EU geführt, aber Europa ist auch die Hochburg der Heuchler. Nach innen herrscht freier Handel, nach außen werden Menschen und Waren ferngehalten."
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Népszabadság - Ungarn | Dienstag, 13. Juni 2006
"2007 wird der 50. Jahrestag der Römischen Verträge gefeiert. Zum Jubiläum versucht Brüssel das Fiasko des Integrationsprozesses mit fröhlichem Gesang vergessen zu machen", schreibt Brüssel-Korrespondent Laszlo Szöcs. "Mit leichtem Übergewicht (dann vielleicht 27 Mitgliedstaaten), weichen Knien und etwas kurzsichtig (nachdem die EU-Verfassung in eine Sackgasse geraten ist)" bereite sich Brüssel auf den runden Geburtstag vor. Die Idee eines europäischen Schlagerabends nach Vorbild des Eurovision Song Contest ist laut Szöcs umstritten: » mehr
"2007 wird der 50. Jahrestag der Römischen Verträge gefeiert. Zum Jubiläum versucht Brüssel das Fiasko des Integrationsprozesses mit fröhlichem Gesang vergessen zu machen", schreibt Brüssel-Korrespondent Laszlo Szöcs. "Mit leichtem Übergewicht (dann vielleicht 27 Mitgliedstaaten), weichen Knien und etwas kurzsichtig (nachdem die EU-Verfassung in eine Sackgasse geraten ist)" bereite sich Brüssel auf den runden Geburtstag vor. Die Idee eines europäischen Schlagerabends nach Vorbild des Eurovision Song Contest ist laut Szöcs umstritten: "Was wird er kosten? Was werden die Bürger sagen, wenn sie erfahren, was dafür ausgegeben wurde? Gibt es überhaupt einen Grund zum Feiern? 'Wir wollen zeigen, dass die EU tanzen kann', steht ungeschickt im Vorschlagskatalog. Einige EU-Diplomaten, die in diesem Artikel nicht genannt werden möchten, erinnert die zwanghaft verordnete Fröhlichkeit an die Massenfeste des Staatssozialismus."
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Debatte über ein europäisches Geschichtsbuch
Delo - Slowenien | Dienstag, 20. März 2007
Die Vorsitzende der slowenischen Geschichtslehrervereinigung, Andreja Valic Zupan, greift die Idee eines gemeinsamen europäischen Geschichtsbuchs auf und merkt kritisch an: » mehr
Die Vorsitzende der slowenischen Geschichtslehrervereinigung, Andreja Valic Zupan, greift die Idee eines gemeinsamen europäischen Geschichtsbuchs auf und merkt kritisch an: "Früher hatte die Geschichtsschreibung in den Lehrbüchern oft die Funktion, nationalistische Emotionen zu verbreiten oder das Gefühl rassischer, religiöser oder kultureller Überlegenheit zu verstärken, gar zu Hass und Gewalt zu ermuntern. Heute bedient sich die Geschichtsschreibung eines streng wissenschaftlichen Apparats. Doch historische Ereignisse sind keine objektiven Erscheinungen. Jede neue Generation erfasst sie durch das Prisma ihrer eigenen Kultur, ihrer Werte und ihres Verständnisses immer wieder neu. In den meisten europäischen Bildungssystemen allerdings spielt Geschichte längst keine Schlüsselrolle mehr bei der Schaffung einer neuen Gesellschaft."
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Pravda - Slowakei | Mittwoch, 28. Februar 2007
Die deutsche Ratspräsidentschaft will auf einer EU-Bildungsministerkonferenz anregen, ein gesamteuropäisches Geschichtslehrbuch zu erarbeiten. Marius Kopcsay hat mit Blick auf entsprechende mehrjährige slowakisch-ungarische Bemühungen ernsthafte Zweifel: » mehr
Die deutsche Ratspräsidentschaft will auf einer EU-Bildungsministerkonferenz anregen, ein gesamteuropäisches Geschichtslehrbuch zu erarbeiten. Marius Kopcsay hat mit Blick auf entsprechende mehrjährige slowakisch-ungarische Bemühungen ernsthafte Zweifel: "Jedes Volk hat seinen eigenen Blick auf die Geschichte, und der unterscheidet sich von dem anderer zum Teil diametral. In Ungarn interpretiert man den Trianon-Vertrag [durch diesen verlor Ungarn große Teile seines Staatsgebietes] als Entscheidung, die zu Unrecht die blühende Heimat beschnitten habe. In der Slowakei hingegen betont man die tausendjährige Knechtschaft [unter Ungarn], als hätten die Slowaken in dieser Zeit nichts Bedeutendes hervorgebracht... Immerhin kann man heute darüber diskutieren, die andere Seite verstehen und zulassen, dass es zu historischen Ereignissen verschiedene Ansichten gibt... Es wäre schon ein Fortschritt, wenn man mit dieser Erkenntnis daran ginge, die Schulbücher in den einzelnen Ländern zu verbessern."
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Postimees - Estland | Mittwoch, 7. März 2007
Die deutsche Bildungsministerin Annette Schavan hat angeregt, ein gesamteuropäisches Geschichtslehrbuch zu verfassen. Erkki Bahovski hält das für eine gute, aber unrealistische Idee. "Das größte Problem besteht darin, dass das alte und das neue Europa den Zweiten Weltkrieg so unterschiedlich sehen. In der westlichen Geschichtsschreibung wird der Standpunkt vertreten, dass die Invasion in der Normandie den Wendepunkt darstellt. Aber dabei wird gerne übersehen, dass an der Ostfront ungleich mehr Menschen kämpften – und es viel mehr Opfer gab... Und außerdem: » mehr
Die deutsche Bildungsministerin Annette Schavan hat angeregt, ein gesamteuropäisches Geschichtslehrbuch zu verfassen. Erkki Bahovski hält das für eine gute, aber unrealistische Idee. "Das größte Problem besteht darin, dass das alte und das neue Europa den Zweiten Weltkrieg so unterschiedlich sehen. In der westlichen Geschichtsschreibung wird der Standpunkt vertreten, dass die Invasion in der Normandie den Wendepunkt darstellt. Aber dabei wird gerne übersehen, dass an der Ostfront ungleich mehr Menschen kämpften – und es viel mehr Opfer gab... Und außerdem: Wer sollte dieses Buch schreiben? Es wird wohl ein schöner Traum bleiben, dass 27 EU-Mitgliedsstaaten ein Buch gutheißen, solange die Meinungsverschiedenheiten noch so groß sind. Und diese bestehen nicht nur zwischen den Staaten - schon unsere eigene russische Minderheit hat ein vollkommen anderes Geschichtsbild als die Esten. Und wie ist es mit Basken, Katalanen oder den außerhalb Ungarns lebenden Ungarn?"
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Diena - Lettland | Donnerstag, 8. Juni 2006
Die ehemalige lettische Außenministerin Sandra Kalniete meint, Europa müsse zu einem gemeinsamen Geschichtsverständnis kommen. Auf der Leipziger Buchmesse 2004 hatte Kalniete die Verbrechen des Nationalsozialismus ... » mehr
Die ehemalige lettische Außenministerin Sandra Kalniete meint, Europa müsse zu einem gemeinsamen Geschichtsverständnis kommen. Auf der Leipziger Buchmesse 2004 hatte Kalniete die Verbrechen des Nationalsozialismus und des Kommunismus verglichen und damit für Empörung gesorgt. "Meine Absicht war nicht, den Nationalsozialismus zu entlasten. Nein, er war verbrecherisch und er wird den Menschen immer als Synonym für das abscheuliche Verbrechen namens Holocaust im Gedächtnis bleiben. Meine Absicht war vielmehr, die Aufmerksamkeit der Europäer darauf zu lenken, dass es auch ein anderes verbrecherisches totalitäres Regime gegeben hat, das Menschen nicht für etwas bestrafte, das sie verbrochen hatten, sondern einfach dafür, dass sie existierten. Leipzig hat deutlich illustriert, wie unterschiedlich und sogar konfliktreich der Blick von West- und Osteuropäern auf die Geschichte unseres Kontinents im 20. Jahrhundert ist... Nach der politischen Einigung Europas ist es wichtig, offen zu reden und den Erzählungen der anderen aufmerksam zuzuhören."
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Stimmen zur Identität
Prospect - Großbritannien | Dienstag, 30. Januar 2007
Der britische Historiker Timothy Garton Ash denkt in einem Essay darüber nach, dass die EU "ihren Plot verloren hat" und eine "neue Erzählung" braucht. In einem Internetforum können Leser seine Idee diskutieren. "Ich schlage vor, dass unsere neue Geschichte aus sechs Handlungssträngen gewebt sein soll, von denen jeder ein gemeinsames europäisches Ziel repräsentiert. Diese Handlungsstränge sind Freiheit, Frieden, Gesetz, Wohlstand, Vielfalt und Solidarität." Ash verortet die 'Handlungsstränge' historisch und kommt zum Schluss, dass "diese Stränge miteinander verwoben eine Beschreibung davon geben, woher wir kommen und wohin wir gehen wollen. Die verschiedenen Stränge können wahrscheinlich für verschiedene Menschen je unterschiedliche Bedeutung erlangen. Für mich selbst sind die wichtigsten Geschichten diejenigen, die von Freiheit und Vielfalt erzählen. Mit meinem Kopf erkenne ich die Relevanz der anderen, aber diese beiden lassen mein Herz schneller schlagen. Sie sind der Grund, weshalb ich ohne Übertreibung sagen kann: » mehr
Der britische Historiker Timothy Garton Ash denkt in einem Essay darüber nach, dass die EU "ihren Plot verloren hat" und eine "neue Erzählung" braucht. In einem Internetforum können Leser seine Idee diskutieren. "Ich schlage vor, dass unsere neue Geschichte aus sechs Handlungssträngen gewebt sein soll, von denen jeder ein gemeinsames europäisches Ziel repräsentiert. Diese Handlungsstränge sind Freiheit, Frieden, Gesetz, Wohlstand, Vielfalt und Solidarität." Ash verortet die 'Handlungsstränge' historisch und kommt zum Schluss, dass "diese Stränge miteinander verwoben eine Beschreibung davon geben, woher wir kommen und wohin wir gehen wollen. Die verschiedenen Stränge können wahrscheinlich für verschiedene Menschen je unterschiedliche Bedeutung erlangen. Für mich selbst sind die wichtigsten Geschichten diejenigen, die von Freiheit und Vielfalt erzählen. Mit meinem Kopf erkenne ich die Relevanz der anderen, aber diese beiden lassen mein Herz schneller schlagen. Sie sind der Grund, weshalb ich ohne Übertreibung sagen kann: Ich liebe Europa."
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Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Mittwoch, 7. März 2007
Der Basler Historiker Georg Kreis erinnert daran, dass vier der sechs Vertragspartner der "Römischen Verträge" aus dem Jahr 1957, die als Grundsteinlegung der EU gelten, ... » mehr
Der Basler Historiker Georg Kreis erinnert daran, dass vier der sechs Vertragspartner der "Römischen Verträge" aus dem Jahr 1957, die als Grundsteinlegung der EU gelten, damals noch Kolonialmächte waren. Insbesondere Frankreich sorgte dafür, dass die Kolonialgebiete mit ins Vertragswerk einbezogen wurden. "Suchte Frankreich die stille Verewigung oder eine heimliche Liquidation des französischen Kolonialreiches? Langfristig wurde sicher Ersteres angestrebt, doch schon mittelfristig war Letzeres die Konsequenz. Unmittelbar sollte der nationale zu einem supranationalen Kolonialismus gemacht werden. Dabei sollten die Miteuropäer im Interesse Frankreichs vermehrt Abnehmer von französischen Kolonialgütern werden, dies bei Preisen, die über dem Weltmarktniveau lagen. Zudem wurde ebenfalls keineswegs uneigennützig erwartet, dass sie die Kredite mitfinanzierten, die für die nötigen Investitionen in den Kolonien aufgebracht werden mussten. Das war scheinbar Preisgabe von Kolonialismus, um den Kolonialismus doch nicht aufgeben zu müssen."
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Foreign Policy Edición Española - Spanien | Freitag, 9. Februar 2007
Vor dem 50. Jahrestag der Römischen Verträge fragt der spanische Politologe José Ignacio Torreblanca, ob die Entwicklung Europas heute nach dem gleichen Muster verlaufen würde wie damals. "Wenn wir noch einmal bei Null anfangen könnten, würden wir zuerst die Ziele Europas definieren und nicht seine Mittel. Das heißt, wir würden uns zunächst fragen, was wir machen wollen (die politischen Entscheidungen), danach wie das umgesetzt werden soll (die Institutionen) und schließlich wie das finanziert werden soll (die Steuern). Man würde also zunächst die Prioritäten und Ziele identifizieren. Diese würden dann in der Öffentlichkeit und in den nationalen Parlamenten diskutiert, die man danach beauftragen würde, einen kurzen, eindeutigen und verständlichen Text zu verfassen, der die Kompetenzen der Union, ihre institutionellen Spielregeln und ihre finanziellen Ressourcen auflistet. Man hätte damit die aktuelle Falle umgangen: » mehr
Vor dem 50. Jahrestag der Römischen Verträge fragt der spanische Politologe José Ignacio Torreblanca, ob die Entwicklung Europas heute nach dem gleichen Muster verlaufen würde wie damals. "Wenn wir noch einmal bei Null anfangen könnten, würden wir zuerst die Ziele Europas definieren und nicht seine Mittel. Das heißt, wir würden uns zunächst fragen, was wir machen wollen (die politischen Entscheidungen), danach wie das umgesetzt werden soll (die Institutionen) und schließlich wie das finanziert werden soll (die Steuern). Man würde also zunächst die Prioritäten und Ziele identifizieren. Diese würden dann in der Öffentlichkeit und in den nationalen Parlamenten diskutiert, die man danach beauftragen würde, einen kurzen, eindeutigen und verständlichen Text zu verfassen, der die Kompetenzen der Union, ihre institutionellen Spielregeln und ihre finanziellen Ressourcen auflistet. Man hätte damit die aktuelle Falle umgangen: Wir wissen, was wir wollen, aber wir können es nicht umsetzen, weil uns die entsprechenden Institutionen und ausreichende Finanzen fehlen. Würden wir Europa heute wieder aufbauen? Ja, aber andersherum."
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Die Zeit - Deutschland | Donnerstag, 8. Februar 2007
Erst in Lateinamerika, so der österreichische Schriftsteller und Essayist Robert Menasse, habe er gemerkt, dass er Europäer sei: » mehr
Erst in Lateinamerika, so der österreichische Schriftsteller und Essayist Robert Menasse, habe er gemerkt, dass er Europäer sei: "Meine erste Erfahrung mit 'Europa' war also, dass ich zum Europäer wurde, als ich auf einem anderen Kontinent lebte. Und alles war gut: die Identität und die Distanz zu ihr." Besonders bemerkenswert an Europa sei seine Fähigkeit zur Selbstkritik: "Reflektiert Europa seine Interessen, wird sofort der Vorwurf des 'Eurozentrismus' laut. Ununterbrochen werden wir dazu angehalten, nicht 'eurozentristisch' zu sein. Kein Amerikaner oder Asiate et cetera käme auf die Idee, sich sofort selbst zu geißeln, wenn er die Welt von seinem Standpunkt und seinen Interessen aus betrachtet. Ich habe in Amerika noch nie den Begriff 'Amerikazentrismus' gehört. Ich finde diese geschichtsgesättigte Fähigkeit zur Selbstkritik Europas gut, lehne sie aber angesichts des Zustands der Welt ab."
» zur Homepage (externer Link, Die Zeit)
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Prospect - Großbritannien | Mittwoch, 31. Januar 2007
Der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama meint, dass die modernen, liberalen Gesellschaften "schwache kollektive Identitäten" anzubieten hätten - angesichts von Ultra-Rechten und religiösen Fundamentalisten, "Menschen, die sich sicher sind, wer sie sind". "Das Dilemma von Einwanderung und Identität entspricht letztendlich dem größeren Problem der postmodernen Wertelosigkeit. Die Verbreitung des Relativismus hat es dem postmodernen Menschen viel schwerer gemacht, positive Werte zu behaupten und gemeinsame Überzeugungen vorzuschlagen, wie er sie von Migranten als Voraussetzung für die Staatsbürgerschaft fordert. Die postmodernen Eliten, vor allem in Europa, fühlen, dass sie eine von Religion und Nation geprägte Identität hinter sich gelassen haben und auf einer höheren Ebene angekommen sind. Aber neben ihrem Lob der unendlichen Vielfalt und Toleranz finden es postmoderne Menschen schwierig, sich über das Wesen des guten Lebens zu einigen, das sie gemeinsam anstreben. Einwanderung fordert von uns besonders akut eine Diskussion über die Frage: » mehr
Der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama meint, dass die modernen, liberalen Gesellschaften "schwache kollektive Identitäten" anzubieten hätten - angesichts von Ultra-Rechten und religiösen Fundamentalisten, "Menschen, die sich sicher sind, wer sie sind". "Das Dilemma von Einwanderung und Identität entspricht letztendlich dem größeren Problem der postmodernen Wertelosigkeit. Die Verbreitung des Relativismus hat es dem postmodernen Menschen viel schwerer gemacht, positive Werte zu behaupten und gemeinsame Überzeugungen vorzuschlagen, wie er sie von Migranten als Voraussetzung für die Staatsbürgerschaft fordert. Die postmodernen Eliten, vor allem in Europa, fühlen, dass sie eine von Religion und Nation geprägte Identität hinter sich gelassen haben und auf einer höheren Ebene angekommen sind. Aber neben ihrem Lob der unendlichen Vielfalt und Toleranz finden es postmoderne Menschen schwierig, sich über das Wesen des guten Lebens zu einigen, das sie gemeinsam anstreben. Einwanderung fordert von uns besonders akut eine Diskussion über die Frage: 'Wer sind wir?'."
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Der Tagesspiegel - Deutschland | Mittwoch, 17. Januar 2007
Der Schriftsteller Ilija Trojanow bekommt heute den Berliner Literaturpreis. Im Interview mit Andreas Schäfer erklärt er den Erfolg seines Buches "Der Weltensammler" über den Abenteurer Richard Burton, der Indien, Arabien und Afrika bereiste. Das Buch habe "einen existenziellen Nerv" getroffen, so Trojanow: » mehr
Der Schriftsteller Ilija Trojanow bekommt heute den Berliner Literaturpreis. Im Interview mit Andreas Schäfer erklärt er den Erfolg seines Buches "Der Weltensammler" über den Abenteurer Richard Burton, der Indien, Arabien und Afrika bereiste. Das Buch habe "einen existenziellen Nerv" getroffen, so Trojanow: "Viele Leute verspüren ein Unbehagen an der gegenwärtigen Tendenz, kulturelle Differenz als etwas darzustellen, was es zu überwinden gilt. Dabei ist sie ein beglückendes, inspirierendes Angebot an Offenheit und Vielfalt. Außerdem ist kulturelle Differenz der Naturzustand. Die Kulturentwicklung ist eine ewige Hybridisierung... Das heißt, dass kulturelle Elemente, die sich unterscheiden, immer wieder zusammenkommen und sich vermischen. So entsteht Kultur. Was wir als Tradition bezeichnen, ist eine vergessene Hybridisierung. Wir vergessen auch oft, dass die Leute, die uns kanonisch erscheinen, nicht aus dem Zentrum kamen, sondern von den Randgebieten. Kafka, Celan, Canetti."
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland | Montag, 15. Januar 2007
Der Jurist Josef Isensee stellt in einem Essay über das Wesen Europas fest, die EU sei trotz der Sehnsucht nach einer gemeinsamen Identität vor allem ... » mehr
Der Jurist Josef Isensee stellt in einem Essay über das Wesen Europas fest, die EU sei trotz der Sehnsucht nach einer gemeinsamen Identität vor allem ein Zweckverband geblieben. "Dem Schwarmgeist der Bürgernähe zum Trotz ein Lob der Distanz! Die Bürgerferne, die dem supranationalen, gouvernementalen Entscheidungssystem eigen ist, hat mehr als eine gute Seite. Sie ist geradezu das Erfolgsgeheimnis des organisierten Europa. Denn die Unionsorgane tun sich leichter, marktwirtschaftliche Konsequenz mit ihren kurz- und mittelfristigen Härten walten zu lassen als die Regierungen und Parlamente der Mitgliedstaaten, die unmittelbar den Empfindungen und Reaktionen der Bevölkerung ausgesetzt und auf Wählergunst angewiesen sind. Der Integrationserfolg der Organisation ist zu einem wesentlichen Teil das Werk der Kabinettspolitik und der zentralen Bürokratie, die, auf Effizienz ausgerichtet, die liberalen Vertragsziele durchsetzen, Marktfreiheiten gewährleisten, auf Wettbewerb dringen, das Beihilfewesen beschneiden und die Staatsverschuldung in Grenzen halten kann. Popularität wird freilich so nicht erreicht. Aber muss man die europäische Organisation, wenn einem ihr Nutzen und ihre Notwendigkeit einleuchten, auch noch lieben?"
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Le Soir - Belgien | Dienstag, 2. Januar 2007
In seinem Werk 'Blendende Aufklärung' ('Aveuglantes Lumières') geht der französische Philosoph Régis Debray mit einigen Begriffen, die für das europäische Denken im 18. Jahrhundert grundlegend ... » mehr
In seinem Werk 'Blendende Aufklärung' ('Aveuglantes Lumières') geht der französische Philosoph Régis Debray mit einigen Begriffen, die für das europäische Denken im 18. Jahrhundert grundlegend waren, hart ins Gericht. Im Gespräch mit William Bourton erklärt er, warum "Europa ein Traum ist, der sich langsam in Luft auflöst... Offenkundig hat Europas Begeisterungsfähigkeit ihren Tiefpunkt erreicht. Gleiches gilt für Europas Fähigkeit, auf wirtschaftliche und politische Dinge Einfluss zu nehmen. Ist dieser rationalistische und technokratische Traum nicht ein Kind der Aufklärung? Diese Frage kann man durchaus stellen. Die Vorstellung, dass die Vernunft die Fähigkeit zur Einheit ist, dass wirtschaftliche und technische Vernunft die nationalen Kulturen zunichte machen wird, dass 'die Wirtschaft sauber, die Politik aber schmutzig ist', dass es zwischen den Nationen keine unüberwindbaren Konflikte gibt, dass man zu einer gemeinsamen Sprache finden kann... All diese Postulate ignorieren die historische Tatsache, dass sich Identität immer 'gegen' etwas bildet. Man setzt sich, indem man sich widersetzt. Was für Individuen gilt, gilt ebenso für Nationen und sogar für Staatenbunde."
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Gazeta Wyborcza - Polen | Samstag, 9. Dezember 2006
Der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch hat Ende November bei einer Konferenz in Kiew eine Rede über die Grenzen Europas gehalten, die die Zeitung druckt. "Auch ... » mehr
Der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch hat Ende November bei einer Konferenz in Kiew eine Rede über die Grenzen Europas gehalten, die die Zeitung druckt. "Auch im räumlichen Sinne ist Europa ziemlich ungewöhnlich. Schon wenn es um seine westlichen Grenzen geht, ist es schwierig, und erst recht bei den östlichen. Hier gab es in letzter Zeit viele widersprüchliche Definitionen... Wo um Himmelswillen liegen die fraglichen östlichen Grenzen Europas?... Um das irgendwie zu beantworten, könnte man davon ausgehen, dass Europa überall dort ist, wo die Einheimischen meinen, dass sie zu Europa gehören. Oder - ich gehe noch weiter - wo sie sich für Europäer halten. Also ist Europa ein ganz subjektiver Begriff. Ein Chinese in China oder Singapur wird sich nie für einen Europäer halten, ebensowenig ein Araber, ein Inder, ein Mongole oder ein Iraner. Ein Einwohner von Aserbaidschan möglicherweise hingegen schon und ein Armenier ziemlich sicher."
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Merkur - Deutschland | Dienstag, 5. Dezember 2006
Wolf Dieter Enkelmann, Direktor des Münchner Instituts für Wirtschaftsgestaltung, denkt darüber nach, was Europa ausmacht: » mehr
Wolf Dieter Enkelmann, Direktor des Münchner Instituts für Wirtschaftsgestaltung, denkt darüber nach, was Europa ausmacht: "Europäer sind exzentrisch. Das lässt sich eindringlich nahezu aus der gesamten Weltgeschichte ablesen. Dennoch merken sie es sich persönlich meist gar nicht an. So sehr ist das selbst jenen unter ihnen, die vor allem auf ihre Seriosität bedacht sind, zur zweiten Natur geworden. In ihren Zielen suchen sie ihre Identität, in ihrer Entfremdung ihre Mitte. Knallharte Bestandswahrer sehen anders aus. Europäer witterten Chancen, wo andere nur Abgründe und das Ende von allem, was Recht war, zu sehen vermochten. Was wäre aus Europa geworden ohne Völkerwanderungen, ohne seine Abenteurer und Glücksritter, seine Flüchtlinge und die Vertriebenen, seine Vaterlandsverräter und Heimatverlorenen, ohne all jene, denen Europa unerträglich geworden war? Fernweh: Man möchte es für eine europäische Erfindung halten. Es hat Europa zu einem transkontinentalen Kontinent gemacht. Exzentrik bestimmt das Christentum, ist aber auch bereits im Ursprungsmythos eingeschrieben, auf den sich die Völker dieses Kontinents durch ihren gemeinsamen Namen berufen."
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Le Figaro - Frankreich | Dienstag, 14. November 2006
Marie-Laure Germon und Stéphane Marchand moderieren ein Gespräch über das historische Gedächtnis zwischen dem französischen Philosophen Pascal Bruckner und dem Historiker Benjamin Stora. Für Bruckner "reicht es nicht, die Verbrechen der jüngeren Vergangenheit zu bereuen. Man muss sich für diese Verbrechen auch verantwortlich fühlen. Ich habe festgestellt, dass Europa lieber den bequemen Weg geht und Forderungen nach der Verantwortung für diese Gräueltaten verurteilt. Wir haben, um eine klassische Unterscheidung der Theologie wieder aufzugreifen, ein 'beruhigtes schlechtes Gewissen', was zur Untätigkeit führt. Europa kennt sich nicht mehr als Gegner, sondern nur noch als Partner. Europa würde sich gern auf Zehenspitzen aus dieser Geschichte schleichen. In so stürmischen Zeiten wie heute ist ein solches Verhalten selbstmörderisch. Man muss sich entscheiden: » mehr
Marie-Laure Germon und Stéphane Marchand moderieren ein Gespräch über das historische Gedächtnis zwischen dem französischen Philosophen Pascal Bruckner und dem Historiker Benjamin Stora. Für Bruckner "reicht es nicht, die Verbrechen der jüngeren Vergangenheit zu bereuen. Man muss sich für diese Verbrechen auch verantwortlich fühlen. Ich habe festgestellt, dass Europa lieber den bequemen Weg geht und Forderungen nach der Verantwortung für diese Gräueltaten verurteilt. Wir haben, um eine klassische Unterscheidung der Theologie wieder aufzugreifen, ein 'beruhigtes schlechtes Gewissen', was zur Untätigkeit führt. Europa kennt sich nicht mehr als Gegner, sondern nur noch als Partner. Europa würde sich gern auf Zehenspitzen aus dieser Geschichte schleichen. In so stürmischen Zeiten wie heute ist ein solches Verhalten selbstmörderisch. Man muss sich entscheiden: Buße oder Widerstand."
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Kölner Stadt-Anzeiger - Deutschland | Mittwoch, 8. November 2006
Der Philosoph Jürgen Habermas hat in einer Rede auf dem Petersberg den stockenden europäischen Prozess beklagt. Europaskeptikern, die meinen, die Vereinigten Staaten von Europa könne es niemals geben, da ein europäisches Volk fehle, hält er entgegen: » mehr
Der Philosoph Jürgen Habermas hat in einer Rede auf dem Petersberg den stockenden europäischen Prozess beklagt. Europaskeptikern, die meinen, die Vereinigten Staaten von Europa könne es niemals geben, da ein europäisches Volk fehle, hält er entgegen: "In Wahrheit geht es um die Frage, ob eine transnationale Erweiterung der staatsbürgerlichen Solidarität quer durch Europa möglich ist. Eine gemeinsame europäische Identität wird sich aber umso eher herausbilden, je mehr sich im Inneren der einzelnen Staaten das dichte Gewebe der jeweiligen nationalen Kultur für die Einbeziehung der Bürger anderer ethnischer oder religiöser Herkunft öffnet. Integration ist keine Einbahnstraße; sie versetzt, wenn sie gelingt, die starken nationalen Kulturen so in Schwingung, dass diese gleichzeitig nach innen und nach außen poröser, aufnahmefähiger und sensibler werden. Je mehr beispielsweise in der Bundesrepublik das Zusammenleben mit Bürgern türkischer Herkunft zu einer Selbstverständlichkeit wird, umso besser können wir uns auch in die Lage anderer europäischer Bürger - in die fremde Welt des Weinbauern aus Portugal oder des Klempners aus Polen - einfühlen. Die innere Öffnung in sich verkapselter Kulturen öffnet diese auch füreinander."
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Télérama - Frankreich | Samstag, 4. November 2006
Die Intellektuellen engagieren sich viel zu wenig für Europa, beklagt der französische Historiker Michel Winock im Gespräch mit Gilles Heuré. "Im 19. Jahrhundert wurde Europa ... » mehr
Die Intellektuellen engagieren sich viel zu wenig für Europa, beklagt der französische Historiker Michel Winock im Gespräch mit Gilles Heuré. "Im 19. Jahrhundert wurde Europa von Schriftstellern wie Saint-Simon, Victor Hugo oder Ernest Renan repräsentiert - und Europa sollte immer noch ein Ziel für die Intellektuellen sein, ein Fluchtpunkt, eine konkrete Utopie... Als Europa 1957 mit den Römischen Verträgen Form annahm, waren die Intellektuellen mit dem Algerienkrieg beschäftigt. Europa erschien ihnen als abstrakte Konstruktion, die nur Technokraten oder abgehobene hohe Beamte betraf, die mit dem Volk nichts zu tun hatten... Es läuft nicht gut in Europa, und das ist keine gute Nachricht für den Weltfrieden. Europa ist ein ökonomischer Riese und ein politischer Zwerg. Solange seine Völker nicht an der Konstruktion beteiligt werden, wird Europa keine Gestalt annehmen. Die Menschen zu beteiligen, wäre die wichtigste Aufgabe der Intellektuellen, und nicht nur der Politiker."
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Le Nouvel Observateur - Frankreich | Donnerstag, 2. November 2006
"Als Historiker mit osteuropäischem Bewusstsein habe ich einen anderen Blick auf die Geschichte des barbarischen Europas und kann die Fallstricke einer einseitigen Sicht der europäischen ... » mehr
"Als Historiker mit osteuropäischem Bewusstsein habe ich einen anderen Blick auf die Geschichte des barbarischen Europas und kann die Fallstricke einer einseitigen Sicht der europäischen Vergangenheit vermeiden", erklärt der Mittelalterhistoriker Karol Modzelewski von der Universität Warschau Gilles Anquetil. "Europa hat auch barbarische Wurzeln. Doch die allgemeine Geschichtsschreibung und Ideologie leugnen das gern. Man hat seit der Christianisierung des europäischen Raums eine sehr selektive Genealogie konstruiert und vernachlässigt, dass auch barbarische Völker über Jahrhunderte das Mosaik Europas gebildet haben. Man hat sich auf die mediterrane Tradition beschränkt - die griechische und römische - und dann auf die christliche. Doch die Tradition der Völker, die nicht mediterranen Ursprungs sind und in den Gebieten außerhalb des Römischen Reiches lebten, haben unser kulturelles Europa auch geformt."
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Gazeta Wyborcza - Polen | Dienstag, 9. Mai 2006
Der Sammelband "Last & Lost. Ein Atlas des verschwindenden Europas", in dem Schriftsteller ihre Suche nach Vergessenem und Verlorenem in Europa beschreiben, begeistert Aleksander Kaczorowski. "Es stellt sich heraus, dass 15 Schriftsteller aus mehreren europäischen Ländern, Menschen mit unterschiedlichen Schicksalen, mit verschiedenen Erfahrungen, wie das nur in Europa möglich ist, auf der gleichen Welle empfangen können. Die oft in Frage gestellte europäische Identität wirkt trotz allem lebendig - und das dort, wo Ideen und Losungen am meisten geprüft werden, auf dem Gebiet der Kunst. Obwohl es manchmal so schwer fällt, es zu glauben: » mehr
Der Sammelband "Last & Lost. Ein Atlas des verschwindenden Europas", in dem Schriftsteller ihre Suche nach Vergessenem und Verlorenem in Europa beschreiben, begeistert Aleksander Kaczorowski. "Es stellt sich heraus, dass 15 Schriftsteller aus mehreren europäischen Ländern, Menschen mit unterschiedlichen Schicksalen, mit verschiedenen Erfahrungen, wie das nur in Europa möglich ist, auf der gleichen Welle empfangen können. Die oft in Frage gestellte europäische Identität wirkt trotz allem lebendig - und das dort, wo Ideen und Losungen am meisten geprüft werden, auf dem Gebiet der Kunst. Obwohl es manchmal so schwer fällt, es zu glauben: Wir sind wirklich stolz auf das Kaff namens Europa."
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Libération - Frankreich | Montag, 27. März 2006
"Migranten haben ein positives Bild von Europa", stellt der italienische Soziologe Ettore Recchi, zuständig für ein europäisches Forschungsprogramm zur Mobilität innerhalb der EU, im Interview ... » mehr
"Migranten haben ein positives Bild von Europa", stellt der italienische Soziologe Ettore Recchi, zuständig für ein europäisches Forschungsprogramm zur Mobilität innerhalb der EU, im Interview mit Sonya Faure fest. "Unsere Studie zeigt, dass mobile Arbeiter der EU und dem politischen Europa mehr zugeneigt sind. Klar, ihr Status hängt ja davon ab. Sie müssen sich für die soziale Unterstützung in Europa interessieren... Sie nehmen weniger an nationalen Wahlen teil als der Rest der Europäer, aber dafür häufiger an europäischen. Politisch neigen sie häufiger zur Linken und zu anti-liberalen Einstellungen. Europäische Identität bedeutet für sie, sich frei bewegen zu können. Die Studie zeigt auch, dass die neue europäische Identität die nationale Identität nicht ersetzt, sondern sie ergänzt."
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Die Welt - Deutschland | Montag, 13. März 2006
Der niederländische Schriftsteller Geert Mak erklärt im Interview mit Jan Kanter, dass "die Basis der europäischen Identität... der christliche Raum mit seinen Werten [ist], erweitert um die Renaissance mit Aufklärung und schließlich den Verfassungen und den darin enthaltenden Grundrechten." Die Frage, ob Europa und der Islam zusammenpassen, beantwortet Mak mit ja. "Allerdings gehört zu Europa auch die Verschiedenheit: » mehr
Der niederländische Schriftsteller Geert Mak erklärt im Interview mit Jan Kanter, dass "die Basis der europäischen Identität... der christliche Raum mit seinen Werten [ist], erweitert um die Renaissance mit Aufklärung und schließlich den Verfassungen und den darin enthaltenden Grundrechten." Die Frage, ob Europa und der Islam zusammenpassen, beantwortet Mak mit ja. "Allerdings gehört zu Europa auch die Verschiedenheit: Der Kontinent war nie ein so monolithischer Block wie das chinesische Reich. Europa ist Vielfalt, Konkurrenz und Dynamik. Die dadurch entstehende Schwäche war immer auch unsere Stärke. Die Europäische Union war in den vergangenen Jahren so erfolgreich, weil sie in der Vielfalt Frieden und Zusammenarbeit bewahrt hat. Jetzt fürchte ich jedoch, dass diese Errungenschaften, diese europäische Philosophie, durch eine neue Gleichgültigkeit gefährdet werden."
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Les Echos - Frankreich | Montag, 6. Februar 2006
Unter österreichischer Ratspräsidentschaft fand kürzlich in Salzburg eine Konferenz über die Zukunft Europas mit dem Titel 'The Sound of Europe' statt."Wie könnte sich dieser 'Ton' ... » mehr
Unter österreichischer Ratspräsidentschaft fand kürzlich in Salzburg eine Konferenz über die Zukunft Europas mit dem Titel 'The Sound of Europe' statt."Wie könnte sich dieser 'Ton' Europas anhören?", fragt der französische Politikwissenschaftler Dominique Moisi. "Ausgehend von den letzten Akkorden der neunten Sinfonie Beethovens hat sich Europa eine europäische Hymne gegeben und diese zu Zeiten des Mauerfalls in eine Ode an die Freiheit - und nicht nur an die Freude - verwandelt. Versucht nun die österreichische Präsidentschaft Europas, die Musik Mozarts zum Fahnenträger der europäischen Identität zu machen? Während Europa einen neuen Anlauf versucht, besteht zugleich die Gefahr, dass sich dieser europaspezifische 'Ton' in ein Türschlagen verwandelt, das sich brutal vor den Nasen derer abspielt, die nicht Mitglied im Club sind."
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Le Monde - Frankreich | Freitag, 3. Februar 2006
"Nun, da sich das in der Krise befindliche Europa Gedanken über seine Zukunft macht, befasst es sich eifrig mit seiner Vergangenheit. Es scheint, dass es, ... » mehr
"Nun, da sich das in der Krise befindliche Europa Gedanken über seine Zukunft macht, befasst es sich eifrig mit seiner Vergangenheit. Es scheint, dass es, um wieder aufbrechen zu können, erst ein kollektives Gedächtnis schaffen muss", stellt Thomas Ferenczi fest. "Die drei großen Tragödien (Holocaust, Kommunismus und Kolonialismus), die seine Geschichte geprägt haben, werden einer kritischen Neubetrachtung unterzogen... Die Aufarbeitung der Vergangenheit sollte dazu beitragen, den Wertekanon klarer zu definieren, auf dem das europäische Projekt gebaut ist, und überprüfen, ob er weiterhin die Völker Europas einigt... Indem Europa die Katastrophen wieder ins Gedächtnis ruft, für die es im vergangenen Jahrhundert verantwortlich war, gibt es sich für die Zukunft einige kategorische Imperative, angefangen mit der Respektierung der Menschenrechte."
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland | Dienstag, 4. April 2006
Enttäuscht von ausgebliebener westlicher Hilfe für die Opposition in Weißrussland greift der polnische Schriftsteller Andrzej Stasiuk die Westeuropäer für ihr Desinteresse an den EU-Sehnsüchten der Osteuropäer scharf an: » mehr
Enttäuscht von ausgebliebener westlicher Hilfe für die Opposition in Weißrussland greift der polnische Schriftsteller Andrzej Stasiuk die Westeuropäer für ihr Desinteresse an den EU-Sehnsüchten der Osteuropäer scharf an: "Wozu braucht Europa Weißrussland (das gibt es doch eigentlich gar nicht wirklich)? Wozu braucht es die Ukraine, die verräterische? Nimmt erst Solidaritätsbekundungen, Decken, Schlafsäcke und Fernsehteams aus der ganzen freien Welt entgegen und macht dann in einem Jahr - einem ganzen Jahr!!! - keinerlei Anstalten, dem Großfürstentum Luxemburg ähnlicher zu werden. Bei dieser Masse von Schlafsäcken und Kamerateams durfte der Westen doch erwarten, dass die Ukraine es wenigstens versucht. Wozu braucht Europa Bosnien-Hercegovina? Die wollen sich ja bloß gleich wieder teilen. Und wozu - schreckliche Vorstellung - Serbien mit seinem umständlichen Alphabet und seiner angeborenen Blutrünstigkeit?... Europäer ist, wer sich zu den europäischen Werten bekennt und um sie zu kämpfen versteht. Wer die eigene Freiheit und das Leben dafür riskiert. Wenn andere Kriterien für das Europäertum gelten sollen, können wir den alten Kontinent vergessen."
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