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In zehn oder fünfzehn Jahren im Klub der Reichsten

von Iztok Sori


Slowenien - seit der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft steht der kleine und bislang eher unbekannte EU-Neuling im Rampenlicht. Viel wird berichtet über Sloweniens Aufgaben und Ziele im nächsten Halbjahr. Doch wie ist das Land so erfolgreich geworden? Eine Innenansicht des slowenischen Journalisten Iztok Sori.


Es ist noch nicht so lange her, dass Slowenien und Kosovo ein und demselben Staat angehörten. Doch ist in letzten 16 Jahren viel passiert in der Region "zwischen Vardar und Triglav", wie ein Lied im Sinne Titos Maxime von "Brüderlichkeit und Einheit" das ehemalige Jugoslawien besingt. Der Nationalismus hat Tausende Opfer gefordert und das Lied ist heute nur noch auf "Jugonostalgie" Partys zu hören.

Drachenbrücke in Ljubljana
Foto: iStockphoto


Die ehemalige jugoslawische Teilrepublik führt die nächsten sechs Monate die EU Ratspräsidentschaft und das ehemalige jugoslawische Autonomiegebiet plant, in dieser Zeit seine Selbstständigkeit zu erklären. Deshalb ist die Kosovo-Frage ganz oben auf der Liste der slowenischen Ratspräsidentschaftsprioritäten. Alle wollen jetzt natürlich wissen, was gerade das kleine Land zur ständig angespannten Lage auf dem Balkan zu sagen hat - oder auch nicht. Realpolitisch gesehen interessiert die Einstellung slowenischer Politiker (Politikerinnen gibt es im Land nur wenige) zur Kosovo- Frage kaum einen.

Dass Slowenien nun seit 1992 unabhängig ist, scheint sich noch nicht überall rumgesprochen zu haben, kommt es doch immer wieder vor, dass bei einer Medaillenvergabe für slowenische Sportler die slowakische Hymne gespielt wird. Nach Empörung in den ersten Jahren nehmen die Menschen das heute eher mit Humor. Das Land gilt doch als Musterschüler in der EU. Trotzdem - wer weiß denn schon, dass sich Putin und Bush 2001 gerade in Slowenien das erste Mal getroffen haben? Dass Slowenien vor rund einem Jahr als erstes "neues" Mitglied der Europäischen Union den Euro übernommen hat? Oder, dass Slowenien am Bruttoinlandsprodukt gemessen schon Portugal an der Kaufkraft überholt hat? So erfolgreich – doch so anonym. Werbe Slogans, wie der letzte "I feel Slovenia" können daran kaum etwas ändern.

Werden die Reichen wieder den Armen helfen?

Aber es könnte schon von Interesse sein, was man im Land über Kosovo denkt. Die Slowenen nutzen schließlich selbst ihr Kenntniskapital aus früheren Tagen ganz gut aus und sind auf dem Balkan nach Österreich der größte Investor. Deshalb ist es heute auch viel heikler, eine klare Position zur politischen Spannungen zu beziehen. Anders als damals in den achtziger Jahren, als nicht nur die stark wachsende slowenische Zivilgesellschaft, sondern auch die kommunistische Elite gegen Menschenrechtsverletzungen in Kosovo protestiert und sich klar auf die Seite der Albaner gestellt haben. Die Reichsten haben sich für die Ärmsten eingesetzt, könnte man stolz feststellen.

Da Slowenen sowohl im Kosovo als auch in Serbien wirtschaftlich mitspielen wollen, war die letzte Stellungsnahme der slowenischen Außenpolitik doch überraschend. Der "ewige Außenminister" Dimitrij Rupel, ers ist bereits zum dritten Mal Außenminister, vertritt zusammen mit der italienischen und griechischen Regierungen die Meinung, Serbien sollte einen beschleunigten Weg in die EU ermöglicht bekommen. Verständlich, je früher die Balkan Staaten (wieder) in die Gemeinschaft integriert werden, desto besser wird auch die Lage Sloweniens. Doch die Angehörigen der Opfer der letzten Kriege müssen empört sein, sind Ratko Mladić und Radovan Karadžić noch immer auf freiem Fuß.

Freundlich angespannte Beziehungen zwischen Nachbarn

Am meisten wundern sich Sloweniens südlichen Nachbarn, die Kroaten, die ohne wenn und aber eine vollständige Zusammenarbeit mit dem Haagener Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien nachweisen mussten. Erst dann waren die EU Regierungschefs bereit, Beitrittsgespräche aufzunehmen. Zudem sind die Beziehungen zwischen Kroatien und Slowenien schon ohne dieses Messen mit zweierlei Maßstäben "freundlich angespannt". Der Verlauf der Grenze zwischen den Staaten, die einige Jahrzehnte nur auf Papier galt und seit neuestem den Schengener Bestimmungen untersteht, ist noch immer nicht ganz abgestimmt. Für Slowenien mit ihrer rund 40 Kilometer Adria Küste geht es um den Zugang zu internationalem Gewässern. Daher versteht man im Land die von den Kroaten ausgerufene "Ökologische Fischerei Schutz Zone" als einen Akt der Präjudizierung der Grenze. Weil die Kroatischen Politiker sich nicht an ihr Versprechen gehalten haben, die Zone für EU Staaten nicht gelten zu lassen, befasst sich nun auch die Europäische Union mit dem Thema. Trotzdem fahren fast eine Million Slowenen vor allem im Sommer nach Kroatien in den Urlaub. Und tausende Kroaten kommen im Winter in die slowenischen Skigebiete.

Ein Präsident, der lieber nach Indien als New York reiste

Nur einmal in jüngster Vergangenheit sah es so aus, als ob die Lösung des Konflikts kurz bevor stünde. Die damaligen Premierminister Janez Drnovšek, Slowenien, und Ivica Račan, Kroatien, haben einen Kompromiss beschlossen, der aber im kroatischen Parlament auf heftigen Widerstand gestoßen ist. Drnovšek war es auch, der 2005 – diesmal in der Rolle des Präsidenten – klar gesagt hat, dass es keinen Sinn mehr hat, die Kosovo-Frage hinauszuschieben und offen für die Unabhängigkeit plädiert hat. Damit verärgerte er nicht nur die Serben, sondern auch den konservativen Regierungschef Janez Janša, da die Äußerung nicht mit ihm abgesprochen war. Der Präsident wird in Slowenien zwar direkt gewählt, doch die Funktion wird eher als repräsentativ angesehen. Drnovšek war als Präsident jemand, der überall viel Aufsehen erregt hat. Seitdem er an Krebs erkrankte, änderte er sein Leben: wurde Vegetarier, lebte in einem kleinen Haus im Wald und backte sein eigens Brot. Er gründete die "Bewegung für Gerechtigkeit und Entwicklung" und predigte im Internet vom Leben im Einklang mit der Natur. Er reiste lieber nach Indien oder zur Inauguration des bolivianischen Indio Präsidenten Evo Morales als nach New York.

 

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Iztok Sori
Iztok Sori, geb. 1977, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität von Ljubljana. Er arbeitet als freier Journalist für verschiedene slowenische Printmedien.
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Original in Deutsch

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Der Text ist lizenziert unter der Creative Commons-Lizenz by-nc-nd/2.0/de.

 

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