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Kontaktbörse seit der Antike
von Anna Papasavva
Alle waren da: Römer, Phönizer, Osmanen. An einem zyprischen Felsen soll gar die griechische Liebesgöttin Aphrodite einmal dem Meer entstiegen sein. Noch heute finden sich Spuren vieler Kulturen auf der Insel, die von der strategischen Lage Zyperns im Mittelmeer zeugen.
Es ist kaum zu bestreiten, dass die geostrategische Lage Zyperns die Insel zu einem Dreh- und Angelpunkt zwischen Europa, Asien und Afrika macht. Strittig ist dagegen, ob diese Lage ein Fluch oder ein Segen ist.

Foto: Cypruspictures.net
Ein kurzer geschichtlicher Rückblick zeigt, dass Zypern bis zu seiner Unabhängigkeit 1960 unter dem Einfluss vieler verschiedener Herrscher stand: Die Mykener hellenisierten die Insel. Danach folgten Phönizer, Franken, Venezianer, Osmanen und Briten. Alle diese Völker passierten Zypern, als sie gen Osten oder Westen, Norden oder Süden unterwegs waren. Es besteht kein Zweifel: Die Insel ist gut positioniert.
Britische und türkische Truppen
Die jüngsten Beispiele stammen aus der britischen Zeit. Nachdem die Engländer bereits Mitte des 20. Jahrhunderts vielen ihrer Kolonien die Unabhängigkeit wiedergeben hatten – etwa Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika, Ägypten oder Indien –, verhielten sie sich in Bezug auf Zypern sehr zögerlich, besonders nach ihrer Niederlage in der Suezkrise 1956. Selbst nach dem antikolonialen Krieg der Zyprioten und der darauffolgenden Unabhängigkeit blieben vier britische Militärbasen auf der Insel erhalten. Daher halten viele griechische Zyprer die Lage der Insel für einen Fluch. Sie gehen davon aus, dass die türkischen Truppen im Norden auch nach einer Lösung des Konflikts nicht abziehen werden.
Zivilisiert seit Jahrtausenden
Dennoch: Schaut man genauer hin, bemerkt man den einzigartigen kulturellen, historischen und besonders wirtschaftlichen Reichtum, der im Laufe der Jahrhunderte den vielfältigen Beziehungen zu verschiedenen Völkern und Zivilisationen entsprungen ist. Zypern beherbergt Relikte des antiken Griechenlands, des Römischen und des Byzantinischen Reiches, aus dem Mittelalter und der osmanischen und der kolonialen Ära: byzantinische und gotische Kirchen, aber auch Moscheen, Theater, Mosaike, mittelalterliche Gemäuer und Hafenanlagen. Der Aphrodite gewidmete Heiligtümer gehören genauso zum zyprischen Kulturerbe wie Klosteranlagen.
Aufgrund seiner Lage hat Zypern schon sehr früh – einigen Dokumenten zufolge seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. – Handelsbeziehungen mit Nachbarstaaten aufgebaut: mit Syrien, Palästina, Ägypten, Kleinasien und heute Israel, dem Nahen Osten, Russland, vor allem durch den Export von Kupfer.

Foto: Cypruspictures.net
Heute sind auf Zypern besonders die Dienstleistungen entwickelt. Viele Firmen aus benachbarten Staaten, aus Russland, Israel und dem Nahen Osten, profitieren von günstigen Rechts-, Abrechnungs-, Steuer- und Beratungsdienstleistungen. In den letzten Jahren blühte der Immobiliensektor: Russen, Briten und Israelis waren die Hauptinvestoren. Eine große Anzahl Touristen – zwischen 2,5 und 3 Millionen nach Angaben des zyprischen Statistikamtes – kommen jährlich aus verschiedenen europäischen Ländern nach Zypern, vor allem aus Deutschland, Griechenland, Schweden und Großbritannien, aber auch direkt aus der Region, aus Israel und aus Russland.
Auch im akademischen Bereich wird Zypern zunehmend attraktiver. Die sechs Universitäten der Republik Zypern, drei private und drei staatliche, locken immer mehr internationale Studenten an, aus Russland, dem Nahen Osten, Indien, Pakistan, China, aber auch aus Europa und den USA. 2007 kamen fast 30 Prozent aller zyprischen Studenten aus dem Ausland. Fünf Institutionen in Nordzypern haben ebenfalls universitären Status. Hier lernen vor allem Einheimische, aber auch viele türkische und arabische Studenten.
Dialog in alle Richtungen
Deshalb kann man guten Grundes die zentrale kulturelle, politische und wirtschaftliche Rolle Zyperns für Europa und für die Mittelmeerregion behaupten. Seit seinem EU-Beitritt bildet Zypern die östliche Außengrenze der Europäischen Union im Mittelmeerraum. Es kann nun noch stärker als politische, wirtschaftliche, kulturelle Brücke zwischen der Europäischen Union und dem Nahen und Mittleren Osten fungieren. Weiterhin hat es als Gründungsmitglied des euro-mediterannen Prozesses eine eigene Nachbarschaftspolitik mit Nordafrika entwickelt und ist ein aktives Mitglied in der Mittelmeerunion.

Foto: Cypruspictures.net
Wenn wir der Aussage von Napoleon glauben schenken, dass die Außenpolitik eines Landes durch seine Lage bestimmt wird, hat Zypern großes Eigeninteresse in alle diese Richtungen. Ganz besonders dann, wenn eine allumfassende Einigung für die Zypernfrage gefunden wird, kann Zypern ein Zentrum und eine Brücke gleichzeitig sein. Alain le Roy, der französische Botschafter und Präsident der Mittelmeerunion, sagte über die Insel: "Als ein Land, das so geostrategisch liegt, mitten im Mittelmeer, fähig Westen und Osten, die europäische und die arabische Welt miteinander zu verbinden, ist Zypern gar verpflichtet, seine bedeutsame und wichtige Rolle anzunehmen."

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Übersetzung
Nikola Richter
Original in Englisch
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