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Das untere Viertel

von Wiemer Salverda


Arbeitet bald ein Viertel der Europäer unterbezahlt? Eine neue Studie prognostiziert die Annäherung des europäischen Arbeitsmarktes an den US-amerikanischen.


Einer von vier europäischen Arbeitnehmern könnte bald unterbezahlt und von Armut bedroht sein. Das ergab eine vierjährige Recherche zu Billiglöhnen in fünf EU-Mitgliedsländern und in den USA, die das Amsterdamer Institute for Advanced Labour Studies und die amerikanische Russell Sage Foundation im März 2008 veröffentlicht haben.

Foto: krockenmitte (Photocase)


Besonders Deutschland, Großbritannien und die Niederlande folgen den USA auf den Spuren – wo die Quote der Niedriglohn-Verdiener mit 25 Prozent der Bevölkerung am höchsten liegt. In den genannten drei Ländern steigt die Quote bereits und nähert sich besonders in Deutschland dem US-amerikanischen Niveau an.

Schlechte Jobs

Die Arbeitsbereiche, in denen niedrige Löhne bezahlt werden, ähneln sich in allen Ländern. Man findet sie in der Hotel- oder Cateringbranche oder im Einzelhandel. Frauen, Immigranten, Jugendliche und Teilzeitarbeiter sind stärker dem Risiko eines niedrigen Lohns ausgesetzt. Diese Jobs waren in allen sechs Ländern von gleich schlechter Qualität – von ein paar Ausnahmen abgesehen. So ist zum Beispiel in der Fleisch verarbeitenden Industrie in Dänemark und den Niederlanden das Lohnniveau angestiegen, weil die Arbeitsplätze und der gesamte Produktionsprozess auf eine stärkere Produktivität ausgerichtet wurden. Trotzdem geht es Billigarbeitern in der Europäischen Union aufgrund der umfassenden Sozialversicherung und der allgemeinen Gesundheitsversorgung in Europa noch um vieles besser als ihren amerikanischen Kollegen.

Stabile Quoten

Anhand von 200 Fallstudien, die in Unternehmen und Krankenhäusern durchgeführt wurden, und anhand von Arbeitsmarktanalysen zeigt die Studie, dass sich der Anteil der Billiglöhne in Dänemark und Frankreich bei 10 Prozent eingependelt hat, in Großbritannien und in den USA bei 20 bis 25 Prozent, bei über 20 Prozent in den Niederlanden und in Deutschland bei 20 Prozent, mit steigender Tendenz. Deutschland, die führende Wirtschaftsnation in der Europäischen Union, läuft sogar Gefahr, die notorisch hohe Quote der USA zu überschreiten, besonders wenn man die wachsende Zahl der Selbstständigen in Deutschland betrachtet, die für geringe Löhne arbeiten.

 
Wiemer Salverda
Wiemer Salverda, geboren 1947 in Amersfoort, Niederlande, ist Arbeitsökonom an der Universität Amsterdam. Er leitet das Amsterdam Institute for Advanced Labour Studies and koordiniert das ...
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Original in Englisch

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