Lidové noviny - Tschechien | Freitag, 18. Mai 2012
Peinliche Pannen im Mladić-Prozess
Das UN-Tribunal in Den Haag hat den Prozess gegen den mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrecher Ratko Mladić am Donnerstag auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Es warf der Staatsanwaltschaft vor, der Verteidigung Dokumente vorenthalten zu haben. Die konservative Tageszeitung Lidové noviny übt an der Arbeit des Gerichts scharfe Kritik: "Der normale Mensch fragt sich, wie es zu der Panne kommen konnte. Ratko Mladić wurde schließlich bereits im Mai 2011 festgenommen, die Anklage hatte ein Jahr Zeit, Beweise zu sammeln. Warum sind diese nun nicht so hieb- und stichfest, dass der Prozess überhaupt beginnen konnte? Die Situation ist doppelt peinlich, sitzt doch das Balkan-Tribunal im niederländischen Den Haag. Und es waren eben niederländische Truppen, die 1995 Srebrenica schützen sollten und die Menschen dort am Ende an Mladić auslieferten. Jahre später stolperte über dieses Ereignis die niederländische Regierung. Eigentlich hätte das schon Lehre genug sein sollen, doch jetzt zeigt sich vor dem internationalen Tribunal im niederländischen Den Haag, dass keine Lehre daraus gezogen wurde."
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