Mladá fronta Dnes - Tschechien | Montag, 11. Juni 2012
Martin Komárek über versöhnliche Gesten zwischen Tschechen und Deutschen
Bundespräsident Joachim Gauck hat in einem Schreiben an seinen tschechischen Amtskollegen Václav Klaus Trauer und Scham über die Zerstörung der Ortschaft Lidice durch die Nationalsozialisten vor 70 Jahren ausgedrückt. In der liberalen Tageszeitung Mladá fronta Dnes würdigt Kommentator Martin Komárek diese Geste und wünscht sich eine entsprechende Antwort Tschechiens: "Die Deutschen haben den Krieg ausgelöst und unzählige Verbrechen begangen. Eingedenk dessen war die Vertreibung fast aller Sudetendeutschen, die Ermordung, Erniedrigung und Vergewaltigung vieler von ihnen begreiflich. Ebenso begreiflich waren die Beneš-Dekrete, die die aus heutiger Sicht barbarischen Deportationen und Diebstähle ermöglichten. Sie waren begreiflich, aber nicht zu entschuldigen. ... Die deutsche Außenpolitik bezieht ihr Selbstbewusstsein aus der tiefen Anerkennung von Schuld. So, wie es Gauck belegt. Auch der tschechischen Außenpolitik würde eine ähnliche Geste gut tun. Würden wir eigene Schuld eingestehen, gäben wir zu verstehen, dass wir wissen, was Gut und Böse ist und wie die Gesetze einer zivilisierten Gesellschaft aussehen müssen."
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