Politiken - Dänemark | Freitag, 22. Juni 2012
Breivik stellt Norwegen vor Dilemma
In Oslo hat die Staatsanwaltschaft im Prozess gegen Anders Behring Breivik am Donnerstag die Unterbringung des Attentäters in der Psychiatrie gefordert. Die sozialliberale Tageszeitung Politiken sieht das Gericht und die norwegische Gesellschaft vor einem Dilemma: "Wenn der Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgt, kann sich daraus ein unglückliches Trauma entwickeln. Denn die psychologische Diagnose lässt viele wichtige Aspekte übersehen, die im Prozess zu Tage getreten sind: Rechtsextremismus, gewaltverherrlichende Computerspiele, soziale Isolation, die Rolle des modernen Mannes, Enttäuschungen in der Kindheit, aber auch der Zusammenhang zwischen Breiviks Verhalten und den Formen des modernen Krieges, an denen sowohl Norwegen als auch Dänemark in den letzten Jahren teilgenommen haben. Nicht zuletzt kann jeder dieser Aspekte für sich eine Erklärung dafür sein, was in unserer Gesellschaft dazu beigetragen hat, einen Breivik zu produzieren. Die Gesellschaft von dieser Verantwortung freizusprechen folgt einem juristischem Prinzip, bricht aber mit einem ethischen."
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