Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Samstag, 21. Juli 2012
Will Deutschland wirklich die EU führen?
Deutschlands Führungsrolle in der Euro-Krise ruft in anderen EU-Ländern Ressentiments hervor. Da stellt sich die Frage, ob das Land diese Rolle auch bei einer vertieften Integration der EU, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel sie fordert, behalten will, meint die liberal-konservative Neue Zürcher Zeitung: "Die undankbare Aufgabe des Aufpassers fällt dann fast automatisch Deutschland zu; nur dieses hat die nötige wirtschaftliche und politische Kraft. Die neue deutsche Frage lautet also letztlich auch, ob sich Berlin wirklich in die Rolle des Oberlehrers drängen lassen will, der beständig die über ihre Verhältnisse wirtschaftenden Partner ermahnt und unter Druck setzt. Vom Weitblick der deutschen Politik hängt ab, wie die EU in Zukunft aussehen wird: Ob sie ein robustes Gebilde auf der Basis der Nationalstaaten ist, in dem jeder für sich selbst Verantwortung übernimmt. Oder ob sie eine supranationale Konstruktion sein wird, die beständiger Kontrolle durch eine Vormacht bedarf. Letzteres kann nicht im deutschen Interesse liegen, denn Zuchtmeister mögen notwendig sein, sie sind aber unbeliebt."
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