Corriere del Ticino - Schweiz | Mittwoch, 29. August 2012
Schwieriger Umgang mit dem Wort "behindert"
Der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees Philip Craven hat vor der Eröffnung der 14. Sommer-Paralympics am heutigen Mittwoch in London die Medien aufgefordert, in ihren Berichten über die Spiele nicht das Wort "behindert" zu benutzen. Das ist zwar löblich, beruht jedoch auf einem sprachlichen Missverständnis, meint die liberale Tageszeitung Corriere del Ticino: "Es gibt Worte, die Geringschätzung ausdrücken. Sie gehören aus dem Wortschatz verdammt und müssen vermieden werden. Doch so sehr das Wort 'behindert' auch auf einen Zustand der Benachteiligung verweist, gehört es nicht dazu. Wir müssen uns fragen, ob es ein nicht negativ besetztes Wort für Behinderung gibt. … 'Anders begabt' gehört hier zu den Meisterwerken des sprachlichen Gutmenschentums. Denn im Grunde beinhaltet es eine doppelte Diskriminierung. Es bezeichnet die Behinderten auch noch als anders in ihrer Begabung. ... Glaubt man wirklich, man tue ihnen damit einen Gefallen? Das Problem ist keins von Wörterbüchern. Es gibt keine Möglichkeit, Behinderte als nicht behindert zu bezeichnen."
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