Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland | Dienstag, 11. September 2012
Bosnien bereitet mehr Sorgen als Kosovo
Das Kosovo hat am Montag seine volle Souveränität erhalten. Vier Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung des Staates schließt die internationale Verwaltungsbehörde Ico, die das Kosovo bis dato noch kontrolliert hatte. Damit ist die Überwachung von außen zumindest formal beendet und das Kosovo Bosnien-Herzegowina ein ganzes Stück voraus, bemerkt die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung: "[Man kann] nicht sagen, dass Europas jüngster Staat am Montag seine 'vollständige Unabhängigkeit' erreicht habe. Die Auflösung von 'Ico' ist nicht die historische Zäsur, als die sie von der dringend auf einen Erfolg angewiesenen Regierung in Prishtina angepriesen wird. ... Bedeutsam ist der Schritt aber im Vergleich zu Bosnien. Der kosovarische Staat wurde von 2008 bis 2012 von einem internationalen Gouverneur überwacht; diese Phase ist nun aber, zumindest formal, vorüber. In Sarajevo hingegen gibt es das 'Amt des Hohen Repräsentanten' noch immer - und das seit 1995. Nicht das Kosovo, sondern Bosnien-Hercegovina gibt Anlass zur Sorge auf dem Balkan. Das Kosovo ist in seinem Bestand als Staat nicht bedroht, Bosnien durchaus."
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