Jornal de Negócios - Portugal | Mittwoch, 12. September 2012
Lissabon verspielt mit Spardiktat Wählergunst
Portugals internationale Gläubiger haben dem hoch verschuldeten Land ein Jahr mehr Zeit zur Sanierung seines Haushalts gewährt. Finanzminister Vitor Gaspar sagte am Dienstag, das Haushaltsdefizit werde erst 2014 unter drei Prozent der Wirtschaftsleistung fallen. Doch mit der Bekanntgabe neuer Sparmaßnahmen hat die Regierung endgültig die Gunst der Bevölkerung verloren, kritisiert die wirtschaftsliberale Tageszeitung Jornal de Negócios: "Die Regierung hat alles vermasselt. ... Wenn uns unser Premier jetzt zum Kampf aufforderte, wer würde ihm in den Schützengraben folgen? Nicht das verfehlte Defizitziel bedroht den Zusammenhalt des Landes, sondern der blinde Wille zur Durchsetzung der jetzt bekanntgegebenen Sparmaßnahmen. ... Die Regierung lag bei all ihren Prognosen klar daneben. … Glücklicherweise haben wir noch ein Jahr Aufschub bekommen. Doch mit Verschiebung der Zielmarken hilft die Troika nicht Portugal, sondern nur sich selbst, da sie für dieses Scheitern mitverantwortlich ist. Ein weiteres Jahr bedeutet auch ein weiteres Jahr des harten Spardiktats."
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