taz - Deutschland | Donnerstag, 25. Oktober 2012
Sinti und Roma weiter stigmatisiert
Noch immer wird die Volksgruppe der Sinti und Roma stigmatisiert, beklagt die linke Tageszeitung taz aus Anlass der Einweihung des Berliner Mahnmals für die von den Nazis verfolgte Minderheit: "Im Gegensatz zum Judenhass sind die Ressentiments gegen 'Zigeuner' heute keineswegs nur Angelegenheit einer Randgruppe. Auch Regierungspolitiker und viele gesellschaftlich relevante Kräfte scheuen sich bis heute nicht, Vorurteile gegen Sinti und Roma zu verbreiten. Wenn Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) laut den 'Asylbetrug' anprangert, den Menschen aus Serbien und Mazedonien mit ihrer Einreise nach Deutschland begingen, dann vermeidet er zwar das Wort 'Zigeuner'. ... Hätte es der Minister etwa gewagt, so gegen jüdische Kontingentflüchtlinge aus der Sowjetunion zu polemisieren? Das 'fahrende Volk', so wird insinuiert, droht aus den Balkanschluchten hervorzubrechen, unseren Wohlstand zu gefährden und die Mülltrennung zu missachten. So wird die Stigmatisierung einer Minderheit weiterbetrieben, die im Gegensatz zu den Juden auch noch das Pech hat, weder Nobelpreisträger noch einen deutschen Außenminister [den 1922 ermordeten Walther Rathenau] in ihren Reihen zu haben."
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